China Market Insider Warum Pony.ai trotz Rückschlägen weiter Investoren begeistert

Für Pony.ai lief es zuletzt nicht rund. Ein Unfall mit einem Fahrzeug, das mit der Technik zum autonomen Fahren des Start-ups ausgestattet war, führte gar zu einem Rückruf. Dennoch schoss die Bewertung des Unternehmens zuletzt weiter in die Höhe.

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Pony.ai wird inzwischen mit 8,5 Milliarden Dollar bewertet.
Pony.ai wird inzwischen mit 8,5 Milliarden Dollar bewertet.
(Bild: Pony.ai)

Trotz zahlreicher Rückschläge hat das Startup Pony.ai, ein Anbieter von Lösungen für das Autonome Fahren, erneut eine fette Finanzspritze erhalten. In einer D-Finanzierungsrunde sei die Bewertung des Unternehmens auf 8,5 Milliarden US-Dollar gestiegen, berichteten chinesische Medien. Nach den letzten Runden hatte sie noch bei etwa 5,3 Milliarden Dollar gelegen.

Das Unternehmen erklärte diesen Erfolg am Kapitalmarkt in seinen Pressemitteilungen mit „erfolgreich erreichten technischen Meilensteinen“. Zumindest in Teilen dokumentiert das anhaltende Interesse der Investoren aber wohl auch deren Risikobereitschaft. Sie setzen ihre Chips im großen Roulettespiel auf das autonome Fahren, obwohl immer noch nicht sicher ist, ob und wann sich das erfolgreichen kommerzialisieren lässt.

Mit seiner Bewertung hat Pony.ai momentan mehr Bargeld zur Verfügung als die meisten Konkurrenten in China – eine Milliarde US-Dollar könne man beispielsweise in die weitere Forschung & Entwicklung stecken, hieß es. Damit wird das in China und den USA aktive Unternehmen für einige weitere Jahre im Wettbewerb mit Baidus Apollo und Googles Waymo mithalten können, erwarten Analysten in Peking.

Rückruf in den USA

Gerade in den USA musste das von dem bei Baidu abgesprungenen Tech-Gründer James Peng geführte Unternehmen in letzter Zeit allerdings eher empfindliche Rückschläge als „erfolgreiche Meilensteine“ vermelden. Im Dezember hatte das „California Department of Motor Vehicles“ die Testlizenz für Pony.ais fahrerlose Autoflotte widerrufen, nachdem eines seiner fahrerlosen Pilotautos im Oktober in einen Fahrbahnteiler in der Mitte der Straße und ein Verkehrsschild gekracht war.

Im März musste Pony wegen dieses Unfalls schließlich drei Fahrzeuge aus seiner Testflotte in Kalifornien zurückrufen, nachdem die Firma von der „National Highway Traffic and Safety Administration“ (NHTSA) dazu aufgefordert worden war. Den Behörden zufolge war dies der erste „Recall“ in der Welt des autonomen Fahrens. Ein Meilenstein der etwas anderen Art.

Das Start-up testet in Kalifornien eine Flotte von zehn E-Autos vom Typ Hyundai Kona, die ohne einen menschlichen Aufpasser auf den Straßen unterwegs sind. Bei dem Vorfall in Fremont kamen weder Personen noch andere Fahrzeuge zu schaden. Für Pony.ai war es der erste Rückschlag dieser Art. Das ruft die Frage auf, ob die Regulatoren in den USA mehr als nur die Sicherheit des Straßenverkehrs antreibt, wie sie selbst behaupten.

Schließlich ist das autonome Fahren mittlerweile zu einem echten Rennen zwischen den USA und China geworden, die sich wirtschaftspolitisch auf allen Ebenen zunehmend beharken. Immerhin dürfen die von einem Sicherheitsfahrer begleiteten Testautos von Pony.ai in Kalifornien weiterfahren.

Ebenfalls im vergangenen Jahr musste Pony.ai einen geplanten Börsengang in den USA absagen, weil die kommunistische Partei in Peking ihren Tech-Konzernen jenen Weg zur Finanzierung aus politischen Gründen versperrte. Offiziell begründete die Politik das Verbot mit Bedenken bei der Datensicherheit. Das Start-up braucht also dringend positive Schlagzeilen, und in diesen Kontext sind die jüngsten Erklärungen des Konzerns zumindest teilweise einzuordnen.

In China verlangt Pony.ai bereits Geld für seine Dienste

Doch all diesen Problemen steht andererseits ein stetiger Fortschritt des Unternehmens beim Testen fahrerloser Fahrzeuge gegenüber – der einzigen Maßeinheit, die außer dem Verbrennen von Cash in diesem Wettrennen wirklich zählt. Laut dem Portal Tech Crunch hat Pony.ai inzwischen mehr als neun Millionen Test-Kilometer angehäuft.

Das Unternehmen arbeitet nicht nur mit großen OEM wie Toyota, Hyundai, FAW und GAC zusammen. Das Start-up ist auch das erste, das sowohl in den USA wie auch in China fahrerlose Fahrzeuge testen darf.

Seit November vergangenen Jahres verlangt das Unternehmen in der chinesischen Hauptstadt Peking Geld für seine Busfahrten ohne Fahrer. Obwohl es sich auch dabei noch um einen Test handelt, ist Pony.ai damit der für Investoren wichtigen Kommerzialisierung seiner Technologie einen Schritt weit näher gekommen.

Auch im Bereich Logistik macht Pony.ai in China gewisse Fortschritte. Der Stadtbezirk Nansha der südchinesischen Millionenmetropole Guangzhou hat dem Unternehmen letztes Jahr erstmals einen Gewerbeschein für Fracht-Transporte ausgestellt. Die autonom fahrenden LKWs mit der mittlerweile sechsten Generation der Software von Pony.ai dürfen außerdem seit vergangenem Jahr auf sechs chinesischen Autobahnen getestet werden, unter anderem auf der von Peking hoffnungsfroh „Peking-Taipeh-Expressway“ genannten Strecke. Dort fehlt zwar noch eine Brücke über die hoch militarisierte Meerenge von Taiwan, aber man plant ja in Peking immer gerne Jahrzehnte voraus.

Sowohl „Robotaxi“, als auch „Robotruck“, die zwei Hauptsparten von Pony.ai, haben damit kontinuierlich Fortschritte gemacht. Die jüngste Technologie-Generation ist dem Unternehmen zufolge vom Design her auf die Massenfertigung ausgelegt. Mit insgesamt 23 Sensoren, darunter vier Festkörper-Lidar, 7 Dachkameras, 5 Millimeter-Wellen-Radargeräten und vier weiteren, rund um die Fahrzeuge verteilten Kameras, ist es das komplexeste System, das Pony.ai bislang präsentiert hat.

Über den Autor

Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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