Bitkom-Umfrage Orientierungssinn geht durch Navigations-Apps verloren

Von Stefanie Eckardt 3 min Lesedauer

Wer heutzutage von A nach B kommen will und sich vor Ort nicht auskennt, nutzt häufig Navigations-Apps. Ein Straßenatlas kommt hingegen so gut wie nicht mehr zum Einsatz. Dementsprechend schlecht können Nutzer mit gedruckten Karten umgehen, wie eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergab.

Um von A nach B zu kommen, nutzen die meisten Menschen weniger einen Straßenatlas oder gedruckt Karten, sondern setzen in erster Linie auf Navigations-Apps.(Bild:  frei lizensiert bei Pixabay)
Um von A nach B zu kommen, nutzen die meisten Menschen weniger einen Straßenatlas oder gedruckt Karten, sondern setzen in erster Linie auf Navigations-Apps.
(Bild: frei lizensiert bei Pixabay)

Zum Bahnhof, zur Verabredung oder zum Hotel: Wer sich heute von A nach B bewegt, verlässt sich meist auf digitale Navigation – mit einer gedruckten Karte kann hingegen kaum noch jemand umgehen. Lediglich 30 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren finden sich mit einer gedruckten Karte zurecht: 11 Prozent schätzen ihre Fähigkeiten dabei als sehr gut ein, weitere 19 Prozent als eher gut. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Eher schlecht schätzen sich 19 Prozent ein, weitere 17 Prozent könnten sich mit gedruckten Karten nach eigener Einschätzung nur sehr schlecht orientieren. 26 Prozent können das nicht beurteilen. Hier liegt die Vermutung nahe, dass sie noch nie mit einer gedruckten Karte unterwegs waren und sie ihre entsprechenden Fähigkeiten nicht einschätzen können. Wie sicher sich Menschen mit gedruckten Karten fühlen, ist auch eine Generationenfrage. Unter den 16- bis 29-Jährigen trauen sich lediglich 20 Prozent zu, sich gut damit orientieren zu können. Bei den Menschen ab 65 Jahren sind es mit 41 Prozent mehr als doppelt so viele.

Analoge Orientierung ist wichtig

Dabei hält eine deutliche Mehrheit die Fähigkeit zur analogen Orientierung weiterhin für wichtig: 61 Prozent sind der Meinung, jeder Mensch sollte auch heute noch lernen, sich im Zweifel mit einer Papierkarte zurechtzufinden. „Digitale Navigation hat unseren Mobilitätsalltag wesentlich vereinfacht. Navigations-Apps sind auf dem Smartphone oder im Auto jederzeit verfügbar, berücksichtigen aktuelle Verkehrsinformationen und berechnen in Sekunden die passende Route. Für viele Menschen sind sie zu einem selbstverständlichen Begleiter geworden“, erklärt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Trotzdem kann es in Einzel- oder Notfällen helfen, sich auch ohne digitale Navigation orientieren zu können. Ist der Akku leer oder sind die Netze gestört, kommt man digital nicht weiter.“ Tatsächlich nutzen 28 Prozent der Deutschen nach eigenen Angaben noch gedruckte Stadtpläne, Straßen- oder Wanderkarten oder Atlanten – allerdings selten. Jeweils 1 Prozent greift wöchentlich beziehungsweise mehrmals im Monat darauf zurück, weitere 26 Prozent einmal im Monat oder seltener.

Unlogische Anweisungen werden nicht hinterfragt

Insgesamt 84 Prozent der Deutschen setzen im Alltag auf Navigations-Apps, etwa auf dem Smartphone, im Fahrzeug oder am Computer. Unter den 16- bis 29-Jährigen sind es mit 95 Prozent nahezu alle, in der Altersgruppe ab 65 Jahren sind es 65 Prozent. Dabei werden Navigations-Apps nicht unbedingt täglich benötigt: 1 Prozent nutzt sie jeden Tag, 11 Prozent mehrmals pro Woche und 16 Prozent etwa einmal pro Woche. Weitere 23 Prozent verwenden sie mehrmals im Monat, 33 Prozent einmal im Monat oder seltener.

Navigations-Apps haben für viele eine hohe Bedeutung: Die Hälfte der Deutschen sagt, sie wäre ohne Navigationsapp im Alltag aufgeschmissen. Unter den 16- bis 29-Jährigen trifft das auf 60 Prozent zu, unter den Menschen ab 65 Jahren auf 36 Prozent. Im Urlaub ist die Abhängigkeit noch größer: Insgesamt 58 Prozent hätten dort ohne entsprechende digitale Hilfe erhebliche Probleme – unter den Jüngeren wären dort 67 Prozent aufgeschmissen, unter den Älteren 43 Prozent.

Der Komfort digitaler Navigation hat aus Sicht vieler Menschen also auch eine Kehrseite: Zwei Drittel geben an, dass ihr Orientierungssinn durch Navigationsapps gelitten habe. Unter den 16- bis 29-jährigen teilen 71 Prozent diese Einschätzung, bei den Menschen ab 65 Jahren sind es 53 Prozent. Immerhin knapp ein Fünftel der Deutschen (18 Prozent) würde den Anweisungen einer Navigations-App nach eigenen Angaben selbst dann folgen, wenn sie unlogisch erscheinen. Zwischen den Generationen gibt es hier geringe Unterschiede: Unter den 16- bis 29-jährigen sind es 18 Prozent, unter den Menschen ab 65 Jahren 15 Prozent.  (se)

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