Automatisiertes Fahren ÖBB Postbus erprobt vollautomatischen Elektrobus

Von Richard Oed 5 min Lesedauer

Zusammen mit dem Technologiepartner Otokar startet ÖBB Postbus einen Pilotbetrieb mit einem hochautonomen Bus beim diesjährigen European Forum Alpbach. Anschließend soll der nach SAE-Level 4 automatisierte Elektrobus im Campus Wolfurt in den probeweisen Regelbetrieb gehen.

Ist seit dem 24. August im Testbetrieb für die ÖBB in Österreich unterwegs. Zunächst wird er in Alpbach erprobt, später in Wolfurt. (Bild:  Richard Oed)
Ist seit dem 24. August im Testbetrieb für die ÖBB in Österreich unterwegs. Zunächst wird er in Alpbach erprobt, später in Wolfurt.
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Am 13. August 2026 haben ÖBB Postbus und der türkische Fahrzeughersteller und Technologiepartner Otokar in Wien den vollelektrischen e-CENTRO C für die Erprobung eines vollautomatischen Busbetriebs vorgestellt. Der e-CENTRO C verfügt über eine Fahrfunktion nach SAE-Level 4 und kann innerhalb eines festgelegten Betriebsbereichs die Fahraufgabe selbstständig übernehmen. Zur Demonstration dieser Fähigkeiten fuhr der Bus während der Vorstellung auf dem Gelände des Wiener Westbahnhofs autonom eine vorab geplante Route ab, bei der er auch auf parkende Autos und Personen auf Zebrastreifen reagieren musste.

Das Projekt, bei dem ÖBB Postbus, die Busgesellschaft der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), als Versuchs- und zukünftiger Betriebspartner und Otokar als Fahrzeug- und Technologiepartner agieren, verfolgt mehrere Ziele. Zum einen steht die reine Erprobung der vollautomatisierten Fahrfunktion des Busses unter realitätsnahen Bedingungen und die spätere Integration eines solchen Fahrzeugs in Mobilitätsangebote im Vordergrund. Denn: „Autonomes Fahren ist keine Zukunftsvision mehr, sondern eine Technologie mit großem Potenzial für den öffentlichen Verkehr“, wie Andreas Matthä, CEO der ÖBB, betonte.

Vertreter aus Politik und Wirtschaft waren bei der Pressekonferenz am Wiener Westbahnhof dabei (v.l.n.r.): Gürsel Dönmetz (Türkische Botschafter in Wien), Andreas Matthä (CEO ÖBB), Peter Hanke (Mobilitätsminister) und Kerem Erman ((Head of Commercial Vehicle Otokar).(Bild:  Richard Oed)
Vertreter aus Politik und Wirtschaft waren bei der Pressekonferenz am Wiener Westbahnhof dabei (v.l.n.r.): Gürsel Dönmetz (Türkische Botschafter in Wien), Andreas Matthä (CEO ÖBB), Peter Hanke (Mobilitätsminister) und Kerem Erman ((Head of Commercial Vehicle Otokar).
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Zum anderen geht es auch um den Standort Österreich. So erklärte Peter Hanke, der österreichische Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur: „Österreich soll diese Entwicklung nicht nur beobachten, sondern aktiv mitgestalten, Wertschöpfung im Land halten und österreichisches Know-how international sichtbar machen.“

Es gilt, Zutrauen in die Technik zu schaffen

Zusätzlich sollen die Versuche Vertrauen in die neue Technologie aufbauen. Denn es gehe, so Peter Hanke, ebenfalls „um eine Bewusstseinsbildung im Allgemeinen, dass man sich solchen Gefährten auch anvertrauen kann.“ Und dass dies nicht von heute auf morgen geschehen wird. Dabei betonten mehrere Sprecher die Bedeutung der aus regulatorischen Gründen in Österreich weiterhin vorgeschriebenen Sicherheitslenkerinnen oder Sicherheitslenker. Diese können obendrein Ansprechpartner für Fahrgäste und deren Fragen zum Betrieb sein.

Auch ein manchmal erratisches Verhalten der Testperson auf dem Zebrastreifen meisterte der hochautomatisierte e-CENTRO ohne Beanstandung.(Bild:  Richard Oed)
Auch ein manchmal erratisches Verhalten der Testperson auf dem Zebrastreifen meisterte der hochautomatisierte e-CENTRO ohne Beanstandung.
(Bild: Richard Oed)

Seit dem 24. August wird das Fahrzeug testweise im Rahmen des European Forum Alpbach eingesetzt, wo es auf einer definierten Strecke erprobt wird. Anschließend soll der selbstfahrende E-Bus am Campus Wolfurt in Vorarlberg dort ansässige Unternehmen im Industriepark an die S-Bahn anbinden. Ziel ist eine Erprobung unter realen Einsatzbedingungen, also im regulären Linienverkehr, um herauszufinden, welchen Beitrag autonome Mobilitätslösungen in Zukunft zu einem attraktiven und leistungsfähigen Verkehr leisten können. Angelegt ist der Versuch laut Bundesminister Hanke zunächst auf zwei Jahre. Immer mit dabei sein wird ein geschulter Sicherheitslenker.

Mobilitätsminister Hanke betonte bei der Vorstellung in Wien, dass, „wenn wir diesen Bus hier präsentieren, dann geht es uns immer, und das bedeutet auch in der Zukunft, um den öffentlichen Verkehr. Wir wollen den öffentlichen Verkehr dort, wo es um die erste und letzte Meile geht, dort, wo keine U-Bahn mehr fährt, dort, wo der Bus nicht mehr so groß sein muss, weil zu wenig Reisende unterwegs sind. Genau dort wollen wir in der Zukunft die Weichen auf vollautomatisiertes Fahren stellen. Und das darf kein Selbstzweck sein, sondern das muss das Mobilitätsangebot in Österreich erweitern […].“

Viele Sensoren ermöglichen hohe Präzision

Technisch basiert der autonome e-CENTRO C auf der batterieelektrischen Version des Modells. Im Einsatz ist die selbstfahrende Version bereits seit einiger Zeit in Madrid – das Fahrzeug wurde aber leicht modifiziert. Denn, auch ein hochautomatischer Bus muss wie ein Mensch seinen Fahrstil an die jeweilige Stadt anpassen. „In Wien kann man nicht so Auto fahren wie in Istanbul, man muss sich anpassen,“ sagte Kerem Erman, Head of Commercial Vehicle, Otokar, bei der Präsentation. Das würde auch für Wien und Madrid gelten. Für Otokar sei diese Adaption einfach, da die Firma sowohl die zugehörige Autonomiesoftware als auch die Fahrzeuge selbst entwickle. „Wir arbeiten bereits seit über einem Jahrzehnt an diesem Projekt und sind der Überzeugung, dass der Anwendungsfall für den öffentlichen Nahverkehr von großer Bedeutung ist – sogar noch bedeutender als der Einsatz in Personenkraftwagen,“ so Kerem Erman weiter.

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Der Antrieb des hochautomatisierten e-CENTRO C erfolgt über einen Direktantrieb mit einer maximalen Leistung von 140 kW und zu 100 Prozent elektrisch. Der 6,6 Meter lange Bus bietet bis zu 32 Fahrgästen Platz und verfügt über eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h in der Stadt und 50 km/h auf Durchgangsstraßen. Die beiden ins Fahrgestell integrierten Batteriepakete in Blade-Technologie, die Otokar selbst fertigt, haben eine Kapazität von 110 kWh, was laut Hersteller für eine Reichweite von 250 Kilometern ausreicht.

Insgesamt 7 LiDAR-Sensoren und 10 Kameras sorgen für einen elektronischen Rundumblick im Radius von 100 Metern.(Bild:  Richard Oed)
Insgesamt 7 LiDAR-Sensoren und 10 Kameras sorgen für einen elektronischen Rundumblick im Radius von 100 Metern.
(Bild: Richard Oed)

Für das autonome Fahren verfügt der e-CENTRO über insgesamt sieben LiDAR-Sensoren, zehn Kameras und etliche Ultraschallsensoren. Zusätzlich sind noch Empfänger für globale Navigationssatelliten (GNSS) mit Echtzeit-Kinematik-Korrektur verbaut. Laut Otokar wird damit eine Positionsgenauigkeit von vier Zentimetern erreicht. Der vom Sensorsystem erfasste Überwachungsradius rund um das Fahrzeug beträgt laut Otokar 100 Meter. Innerhalb eines Bereichs im Umkreis von 50 Metern greift das System aktiv ein. Otokar plant nach eigenen Angaben in Zukunft auch eine Weiterentwicklung des Busses ohne Fahrerarbeitsplatz.

TÜV erprobte die Fahrfunktionen

Die von Otokar entwickelte Fahrfunktion nach SAE-Level 4 wurde bereits im Sommer 2025 vom TÜV Rheinland auf der Smart-City-Teststrecke des Testgeländes ZalaZONE in Ungarn getestet. Über einen Zeitraum von 30 Tagen wurde das Fahrzeug laut Otokar in 148 verschiedenen Szenarien bewertet und hat mehr als 600 Testläufe autonomer Fahrfunktionen absolviert. Die Versuche umfassten dabei Ereignisse wie Kollisionsvermeidung, Notbremsungen, unterschiedliche Arten von Kreuzungsüberquerungen, Überhol- und Ausweichmanöver, das Anhalten an und Abfahren von Bushaltestellen, Interaktionen mit Fußgängern sowie Reaktionen auf plötzliche Manöver anderer Verkehrsteilnehmer.

Hatte bei der Vorstellung der hochautomatischen Fahrfunktion am Westbahnhof nicht viel zu tun: der Sicherheitsfahrer.(Bild:  © 2026 Richard Oed)
Hatte bei der Vorstellung der hochautomatischen Fahrfunktion am Westbahnhof nicht viel zu tun: der Sicherheitsfahrer.
(Bild: © 2026 Richard Oed)

Zudem setzte das TÜV-Team den e-CENTRO fünf Tage lang auf öffentlichen Straßen in Ungarn ein und testete ihn auf zwei verschiedenen Strecken unter realen Verkehrsbedingungen. Laut Otokar schloss der e-CENTRO das TÜV-Rheinland-Testprogramm erfolgreich ab. ÖBB Postbus zufolge verfügt das Fahrzeug über eine europäische Level-4-Zertifizierung, wobei sich eine Fahrfunktion nach SAE-Level 4 grundsätzlich auf einen definierten Betriebsbereich (Operational Design Domain, ODD) bezieht.

Ab Herbst dieses Jahres stehen mit einem weiteren e-CENTRO Fahrversuche im asiatischen Teil von Istanbul an. Hier geht es ebenfalls um die Erprobung der Akzeptanz eines selbstfahrenden Busses. (se)

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