Neben Staubsaugern kein Platz für Autos? Dreame soll seine Autopläne weitgehend aufgegeben haben

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 4 min Lesedauer

Der Haushaltsgerätehersteller Dreame wollte mit einem elektrischen Hypercar, Raketenantrieb und einer Feststoffbatterie mit mehr als 450 Wh/kg in die Automobilindustrie einsteigen. Chinesische Medien berichten nun von Entlassungen und der möglichen Abwicklung beteiligter Gesellschaften. Eine offizielle Bestätigung für das vollständige Ende der Autopläne steht noch aus.

Mit dem Nebula NEXT 01 JET Edition stellte Dreame ein elektrisch angetriebenes Hypercar mit zusätzlichem Raketenantrieb vor. Chinesischen Medienberichten zufolge hat das Unternehmen seine Pläne für eine kommerzielle Fahrzeugproduktion inzwischen weitgehend zurückgefahren.(Bild:  frei lizenziert / Pexels)
Mit dem Nebula NEXT 01 JET Edition stellte Dreame ein elektrisch angetriebenes Hypercar mit zusätzlichem Raketenantrieb vor. Chinesischen Medienberichten zufolge hat das Unternehmen seine Pläne für eine kommerzielle Fahrzeugproduktion inzwischen weitgehend zurückgefahren.
(Bild: frei lizenziert / Pexels)

Im August 2025 kündigte Dreame Technology an, in das Automobilgeschäft einzusteigen. Das vor allem für Staubsauger und Reinigungsroboter bekannte Unternehmen wollte sein Wissen über Hochgeschwindigkeitsmotoren auf Elektrofahrzeuge übertragen. Innerhalb kurzer Zeit entstanden mehrere Geschäftsbereiche und Gesellschaften, die sich mit unterschiedlichen Fahrzeugkonzepten beschäftigten.

Besonders viel Aufmerksamkeit erzeugte der Nebula NEXT 01. Dreame präsentierte das Fahrzeug zunächst auf der CES 2026 und stellte im April in San Francisco eine sogenannte JET Edition vor. Das Konzeptfahrzeug sollte neben vier elektrischen Antrieben über zwei Feststoffraketen verfügen. Nach Angaben des Unternehmens sollten diese bis zu 100 kN Schub liefern und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 0,9 Sekunden ermöglichen.

Gleichzeitig kündigte Dreame eine sulfidbasierte Feststoffzelle mit 60 Ah und einer gravimetrischen Energiedichte von mehr als 450 Wh/kg an. Der Wert sollte bei Tests einzelner Zellen im Labor erreicht worden sein. Unabhängige Messungen oder ausführliche technische Daten veröffentlichte das Unternehmen nicht. Auch der Übergang vom präsentierten Konzept zu einem zulassungsfähigen Serienfahrzeug blieb offen.

Chinesische Medien berichten über die Abwicklung

Nur wenige Monate nach den Präsentationen mehren sich Hinweise darauf, dass Dreame seine Automobilaktivitäten stark zurückfährt. Das chinesische Nachrichtenportal China Economic Net berichtet unter Berufung auf ehemalige Mitarbeiter, dass die Belegschaft des Projekts von zeitweise fast 1.000 Beschäftigten auf wenige Dutzend Personen geschrumpft sei. Diese sollen demnach vor allem aus den Bereichen Finanzen, Recht und Personal stammen und die ausstehenden organisatorischen Arbeiten übernehmen.

Nach den Aussagen der Informanten sollen außerdem Gesellschaften aus dem Umfeld des als „Starry Sky“ bezeichneten Automobilprojekts abgewickelt werden. Zu den verbleibenden Aufgaben gehörten dem Bericht zufolge die Bearbeitung offener Forderungen von Zulieferern und die Vorbereitung gesellschaftsrechtlicher Schritte. Entlassungen sollen bereits seit Mai 2026 in mehreren Wellen erfolgt sein.

Diese Angaben sind bislang nicht durch öffentlich einsehbare Unternehmensdokumente oder eine entsprechende Erklärung von Dreame bestätigt. Auch eine vollzogene Löschung der zentralen Projektgesellschaft lässt sich noch nicht aus öffentlich zugänglichen Registerinformationen ableiten.

Offiziell wird aus dem Autoprojekt eine Technologieentwicklung

Dreames bisherige offizielle Darstellung fällt zurückhaltender aus. Das Unternehmen hatte bereits im Juni 2026 eine strategische Neuordnung bekannt gegeben. Die zuvor eigenständig geführten Automobilaktivitäten sollten demnach in ein Industrieforschungsinstitut eingegliedert werden. Anstelle einer kurzfristigen kommerziellen Umsetzung sollten dort Grundlagenentwicklung, Patente und technologische Vorarbeiten im Mittelpunkt stehen.

Damit verabschiedete sich Dreame faktisch zumindest von seinem ursprünglichen Zeitplan für den Aufbau eines eigenen Fahrzeuggeschäfts. Eine eigenständige Organisation für Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Service ist nach dieser Ausrichtung nicht mehr vorgesehen. Erkenntnisse aus Bereichen wie Motorregelung, Leistungselektronik oder intelligenten Fahrzeugsystemen könnten allerdings weiterhin für andere Produkte des Konzerns genutzt werden.

Von einer vollständigen Aufgabe der Automobiltechnik spricht Dreame bislang nicht. Die Formulierung als Forschungs- und Technologiereserve erlaubt es dem Unternehmen, einzelne Entwicklungen fortzuführen, ohne ein serienreifes Fahrzeug oder einen verbindlichen Marktstart versprechen zu müssen.

Zweifel an den präsentierten Fahrzeugen

Darüber hinaus werfen die chinesischen Medienberichte Fragen zum Entwicklungsstand der gezeigten Fahrzeuge auf. Ehemalige Mitarbeiter behaupten laut China Economic Net, dass das auf der CES präsentierte Modell kein vollständiges Fahrgestell besessen habe und ferngesteuert bewegt worden sei. Das später in San Francisco ausgestellte Raketenfahrzeug soll dem Bericht zufolge auf einem zugekauften Modell basiert haben, das für die Präsentation mit einem Fahrgestell und Schubkörpern ausgerüstet worden sei.

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Auch diese Aussagen lassen sich derzeit nicht unabhängig verifizieren. Sie stehen jedoch im Gegensatz zu dem Eindruck, den Dreame mit Begriffen wie „Launch“ und detaillierten Leistungswerten vermittelte. Bei dem Nebula NEXT 01 JET Edition handelte es sich nach den verfügbaren Informationen um ein Konzept- und Demonstrationsfahrzeug. Ein öffentlich dokumentierter Fahrversuch, bei dem die behaupteten 0,9 Sekunden tatsächlich gemessen wurden, ist nicht bekannt.

Ähnliches gilt für die angekündigte Feststoffbatterie. Mehr als 450 Wh/kg wären für eine sulfidbasierte Zelle ein beachtlicher Wert. Ohne Angaben zu Messbedingungen, Zellaufbau, Zyklenfestigkeit, Sicherheit und Produktionsausbeute lässt sich daraus jedoch keine Serienreife ableiten. Eine Energiedichte auf Zellebene ist zudem nicht mit der Energiedichte eines vollständigen Batteriepakets gleichzusetzen.

Nach Darstellung ehemaliger Beschäftigter soll das Automobilprojekt stark auf öffentliche Aufmerksamkeit und die Einwerbung von Kapital ausgerichtet gewesen sein. Entwicklungsbudgets seien teilweise davon abhängig gemacht worden, zunächst Investoren oder Fördermittel zu gewinnen. Auch diese Aussagen stammen aus dem Umfeld früherer Mitarbeiter und wurden von Dreame nicht bestätigt.

Hinweis: Die Behauptungen über das angeblich unvollständige CES-Modell, das zugekaufte „Rocket Car“ und die bevorstehende Abwicklung stammen aus dem Bericht von China Economic Net. Mehrere andere Medien greifen diese Recherche lediglich auf. Unabhängigen Bestätigungen gibt es aktuell nicht. (mr)

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