Mehr Roboter als Auto und womöglich 2023 schon autonom auf chinesischen Straßen unterwegs. Das ist der Robo-01, mit dem Baidu und die Tochter Jidu Automotive sogar Google und Waymo abhängen könnte.
Futuristisches Äußeres mit großen Türen: So stellt sich der Robo-01 der Automotive-Tochter Jidu des chinesischen Tech-Konzerns Baidu vor.
(Bild: Baidu)
Es kann sprechen und hat eigene Gefühle, die es über Emojis mitteilt. Folgerichtig will dieses Auto auch nicht einfach so heißen wie andere Autos, sondern nennt sich lieber „Robo-01“. Sein Hersteller Baidu, das „chinesische Google“, glaubt, dass sich die Autos der Zukunft immer mehr zu autonom fahrenden Robotern auf vier Rädern verwandeln werden.
Mit dem Robo-01 will Baidu unter anderem das Model Y von Tesla angreifen.
(Bild: Baidu)
Jidu Automotive, die Autoabteilung des chinesischen Internetkonzerns, hat den Robo-01 kürzlich erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Einen echten Prototypen gibt es noch nicht, nur eine 3D-Animation, die während einer Pressekonferenz auf dem Baidu „Roboday” erstmals in einem Video im Internet zu sehen war.
Die Präsentation war sehr futuristisch - und passte damit zum durchaus gelungenen Design des elektrisch angetriebenen Gefährts. Robo-01 hat Vordertüren ohne Griffe, die wie zwei Schmetterlingsflügel nach vorne aufschwingen. Die zwei hinteren Türen schwingen sich nach hinten auf.
Das Fahrzeug kommt fast ohne die üblichen Knöpfe eines Autos aus. Alles soll nur noch über Spracherkennung und Sensoren gesteuert werden - bis hin zu den Fensterhebern und zur Verstellung der Sitze, die mit ihrer Mischung aus Karbon und löchrigem Mesh mehr an Sitzschalen in einem Raumschiff erinnern als die in einem traditionellen Auto. „Wo shi Robo-Ling-Yao”, ich bin Robo-01, stellte sich der rollende Roboter auf chinesisch selbst vor.
Das Gefährt ist mit 31 Sensoren bespickt, war bei der Premiere zu erfahren, darunter zwei Lidar, die sich in der Fronthaube versenken lassen und nur bei Bedarf erscheinen. Fünf Millimeter-Wellenradare, zwölf Ultraschall-Sensoren und zwölf Kameras sind ebenfalls an Bord.
Tesla Model Y als Konkurrenz
Schon ab nächstem Jahr soll Robo-01 bestellbar sein und ab 2024 ausgeliefert werden können, behauptet zumindest der Hersteller.„Jidu zielt auf den Markt der Familien-Passagierwagen mit Preisen oberhalb von 200.000 Yuan (rund 28.400 Euro),“ hatte Robin Li, der CEO und Mitgründer von Baidu, vor kurzem gegenüber Analysten gesagt. Man betrachte das „Model Y“ von Tesla als direkten Konkurrenten, sagte ein Topmanager der Autosparte des Unternehmens.
Zentral für das Selbstverständnis von Jidu Automotive sind die Algorithmen der Baidu-Programmierer für das autonome Fahren und die Hardware-Kompetenz des OEM Geely, mit dem das Tech-Unternehmen kollaboriert. Zwei „Orin X“-Chips von Nvidia mit einer kombinierten Rechenleistung von 500 TOPS sollen all die Spracherkennung und die anderen intelligenten Funktionen ermöglichen.
Das Auto, beziehungsweise das Robocar, ist für das autonome Fahren des Level 4 ausgerüstet, kann ohne Beteiligung des Fahrers selbstständig links abbiegen, Ampeln und Hindernisse erkennen und einparken. Diese Technik ist dem jetzigen Stand der Gesetzgebung in China voraus. Die Hardware ist zwar verbaut, wird aber nicht sofort genutzt werden können.
Durch OTA, also „Over-the-air-Updates”, soll der Robo-01 dann in den Monaten und Jahren nach seiner Auslieferung immer intelligenter werden. So soll eines Tages im Robo-01 ein U-förmiges Lenkrad wegklappbar sein, auch wenn es für diese Funktion nächstes Jahr möglicherweise noch keine behördliche Zulassung geben mag.
Wegklappbares Lenkrad
Apropos Innenraum: Im Cockpit haben die Designer das Instrumenten-Panel und den Bildschirm über der Mittelkonsole in einen einzigen, über die gesamte Breite des Autos laufenden Bildschirm-Streifen integriert. Dieser sei noch besser sichtbar, wenn das Lenkrad weggeklappt wird. „Sobald die Gesetze und Bestimmungen es zulassen, kann sofort die Massenfertigung des neuen Lenkrads beginnen,“ hieß es auf der Pressekonferenz.
Ein großere Bildschirm dominiert das Cockpit. Das Lenkrad soll wegklappbar sein.
(Bild: Baidu)
Xia Yiping, der CEO von Jidu Automotive, sagte in einem Interview mit der chinesischen Autozeitung Weilai Qichebao, dass Robo-01 möglicherweise schon ab nächstem Jahr innerhalb chinesischer Städte autonom fahren könnte. Der Fahrer dürfte die Hände dann vom Lenkrad nehmen und müsste das Geschehen nur noch überwachen, um bei Bedarf einzugreifen.
Sollten die Chinesen den Zeitplan halten, wären Baidu und seine Autosparte Jidu Automotive sogar Google und Waymo einen Schritt voraus. Der chinesische Suchmaschinen-Riese würde dann weltweit der erste große Tech-Konzern sein, der ein beinahe völlig autonom fahrendes Auto auf die Straße gebracht hätte.
Stand: 08.12.2025
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Über den Autor
Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.