ADACities-Program Paris, Bolt und Stellantis wollen im Versuchsbetrieb autonome Mobilitätsdienste einführen

Von Stefanie Eckardt 3 min Lesedauer

Die „Métropole du Grand Paris“, Bolt und Stellantis wollen im Rahmen eines Pilotprogramms im Großraum Paris autonome Fahrzeuge auf die Straße bringen. Das Projekt soll 2028 starten und bis 2030 auf rund 30 Kommunen ausgeweitet werden.

Gemeinsam wollen Stellantis, Bolt und die Métropole du Grand Paris untersuchen, wie sich Technologien für autonomes Fahren in europäische Städte integrieren lassen.(Bild:  Stellantis)
Gemeinsam wollen Stellantis, Bolt und die Métropole du Grand Paris untersuchen, wie sich Technologien für autonomes Fahren in europäische Städte integrieren lassen.
(Bild: Stellantis)

Im „Greater Paris Autonomous Driving Living Lab“ bündeln die Métropole du Grand Paris, zu der Paris und 129 umliegende Gemeinden gehören, Stellantis und Bolt ihre Kräfte. Gemeinsam wollen die Partner untersuchen, wie sich Technologien für autonomes Fahren in europäische Städte integrieren lassen, um potenziell ein Modell für eine breitere Einführung zu schaffen. Im Rahmen des Projekts wird man untersuchen, welche bestehenden öffentlichen und privaten Verkehrsangebote durch autonome Fahrzeuge ergänzt oder aber ungedeckte Mobilitätsbedürfnisse adressiert werden könnten.

Das Projekt wurde im Rahmen der Initiative „Autonomous Drive Ambition Cities“ (ADACities) der Europäischen Kommission eingereicht. Deren Ziel ist es, den breiteren Einsatz autonomer Mobilität in europäischen Städten zu fördern. Als Teil von ADACities soll das Projekt einen praxisnahen Rahmen für die Bewertung der betrieblichen, gesellschaftlichen und regulatorischen Voraussetzungen schaffen, die für autonome Mobilitätsdienste in dicht besiedelten städtischen Gebieten erforderlich sind. Die gewonnenen Erkenntnisse werden sowohl die öffentliche Entscheidungsfindung als auch die zukünftige Entwicklung autonomer

Mobilitätslösungen in Europa unterstützen.

Erste Einsätze sind in bis zu fünf Gemeinden im Nordwesten des Großraums Paris geplant. In dieser Phase sollen die Betriebsleistung, die Sicherheit, die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sowie die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen autonomer Mobilitätsdienste bewertet werden. In einer zweiten Phase wird das Projekt die Bedingungen für eine mögliche breitere Ausweitung auf den gesamten Großraum Paris prüfen, mit dem Ziel, vorbehaltlich der erforderlichen Genehmigungen bis 2030 den kommerziellen Betrieb aufzunehmen.

Nahverkehr ergänzen; Angebotslücken schließen

Der Großraum Paris verfügt über eines der größten und komplexesten Verkehrsnetze Europas mit 7,2 Millionen Einwohnern. Zwar werden durch Großinvestitionen wie den „Grand Paris Express“ die Anbindungen des öffentlichen Nahverkehrs ausgebaut. Es bestehen jedoch weiterhin Lücken beim Zugang zu Gewerbe- und Bürostandorten, bei den „First-Mile“- und „Last-Mile“-Strecken sowie bei den Verbindungen außerhalb der Stoßzeiten.

In der Testphase wird untersucht, wie autonome Fahrzeuge den bestehenden öffentlichen Nahverkehr ergänzen und diese Lücken schließen können. Über die Erprobung der Technologie selbst hinaus soll das Projekt auch politischen Entscheidungsträgern fundierte Erkenntnisse über die Vorteile, Grenzen und Einsatzbedingungen autonomer Mobilitätslösungen in einem dicht besiedelten städtischen Umfeld liefern.

Das Projekt bündelt die Kompetenzen von drei Organisationen:

  • Die „Métropole du Grand Paris“ wird das Projekt in Abstimmung mit lokalen Behörden und Interessengruppen koordinieren, den Rahmen für Versuche unter realen Bedingungen schaffen, relevante Anwendungsfälle ermitteln und die Ziele des Projekts für das öffentliche Interesse sowie die Bewertung überwachen. Ihre Aufgabe ist es, die Bewertung der betrieblichen, gesellschaftlichen und regulatorischen Bedingungen autonomer Mobilitätsdienste zu unterstützen und Erkenntnisse zu gewinnen, die zukünftige Entscheidungen der zuständigen Behörden unterstützen.
  • Bolt wird über „Bolt Autonomous Driving Solutions“ die Serviceintegration und die Einsatzplanung leiten und dabei die Technologie für autonomes Fahren, die Fahrzeuge und seine Mobilitätsplattform zusammenführen, um einen Service zu entwickeln, der auf lokale Bedürfnisse zugeschnitten ist.
  • Stellantis wird Fahrzeuge bereitstellen, die auf seinen erstklassigen „L4-Ready-Plattformen™“ basieren, sowie seine Kompetenzen in den Bereichen Design, Engineering, Fertigung und Fahrzeugintegration einbringen.

Des Weiteren wurden Pony.ai als potenzieller Anbieter der autonomen Fahrtechnologie identifiziert, die auf Nvidia Hyperion und dem Nvidia Halos-Sicherheitssystem basieren soll.

Die Partner werden mit den beteiligten Kommunen und zuständigen Behörden zusammenarbeiten, um geeignete Routen zu ermitteln, die erforderlichen Genehmigungen einzuholen und die Einführung vorzubereiten. Alle Dienstleistungen unterliegen den geltenden Sicherheits-, Regulierungs- und Datenschutzanforderungen. Die erste Einführungsphase wird einer unabhängigen Bewertung unterzogen, um Erkenntnisse für eine mögliche spätere Ausweitung auf den Großraum Paris zu gewinnen.

Rahmenbedingungen schaffen

Im Rahmen ihrer Aufgaben in der ersten Projektphase wird die Métropole du Grand Paris einen Bewertungsrahmen beaufsichtigen, der die öffentliche Entscheidungsfindung unterstützt. Die Bewertung konzentriert sich dabei auf die Betriebssicherheit, die Servicequalität und Akzeptanz der Nutzer, Auswirkungen auf Mobilität und Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, soziale und ökologische Auswirkungen sowie wirtschaftliche und betriebliche Rahmenbedingungen für einen möglichen Einsatz.

Die im Rahmen des Pilotprojekts generierten aggregierten Betriebsdaten werden diese Auswertung unterstützen und dazu beitragen, die Leistungsfähigkeit des Dienstes sowie dessen Integration in das städtische Mobilitätsökosystem in vollem Einklang mit den geltenden Datenschutzanforderungen zu bewerten. (se)

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