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Automatisiertes Laden im Praxistest Was eTaxi Austria über automatisiertes Laden gelernt hat

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

33 E-Taxis, 44 Ladepads und mehr als ein Jahr Betrieb im öffentlichen Raum: Das Projekt eTaxi Austria hat automatisiertes konduktives Laden unter realen Bedingungen erprobt. Der Abschlussbericht zeigt hohe Wirkungsgrade – aber auch, warum „Wartezeit = Ladezeit“ im Taxialltag nicht immer aufgeht.

eTaxi Austria erprobte automatisiertes Laden mit Facturee-Bauteilen.(Bild:  Easelink)
eTaxi Austria erprobte automatisiertes Laden mit Facturee-Bauteilen.
(Bild: Easelink)

Automatisches Laden klingt zunächst nach einer Komfortfunktion: Das Elektroauto parkt, die Verbindung zur Ladeinfrastruktur wird selbstständig hergestellt und niemand muss ein Kabel anschließen. Im österreichischen Forschungsprojekt eTaxi Austria wurde dieses Prinzip allerdings unter deutlich anspruchsvolleren Bedingungen erprobt, nämlich im täglichen Taxibetrieb in Wien und Graz.

Zum Einsatz kam das von Easelink entwickelte Matrix Charging. Dabei befindet sich ein Connector im Fahrzeugunterboden, der sich über einem in den Parkplatz eingelassenen Ladepad automatisch absenkt und eine leitende Verbindung herstellt. Für diesen Connector lieferte Facturee verschiedene Dreh- und Frästeile aus Aluminium, die mit unterschiedlichen Fertigungsverfahren und Oberflächenbehandlungen hergestellt wurden.

44 Ladepads und 33 E-Taxis

Das von Juni 2021 bis März 2025 laufende Projekt brachte insgesamt 44 Matrix-Charging-Pads an acht Taxistandplätzen in Betrieb. 33 E-Taxis waren Teil der Pilotumsetzung; in Graz wurden zusätzlich zwei HPC-Standorte als Rückfallebene betrachtet. Nach Angaben der Projektpartner legen Fahrzeuge in diesem Einsatz durchschnittlich rund 46.000 Kilometer pro Jahr zurück.

Der Abschlussbericht bewertet die grundsätzliche Machbarkeit positiv. Die für den öffentlichen Raum entwickelte Hardware musste unter anderem überfahrbar, wetterfest und für den dauerhaften Einsatz ausgelegt sein. Die Pads wurden bündig in die Fahrbahn integriert und für Achslasten bis zwölf Tonnen ausgelegt. Bei Untersuchungen von Connector, Kontaktstiften und Kontaktmatrix wurden laut Projektbericht keine relevanten Verschleißprobleme festgestellt.

Mehr als 99,4 Prozent Wirkungsgrad

Bei Effizienztests der verwendeten Hardwaregeneration wurde ein Übertragungswirkungsgrad von mehr als 99,4 Prozent ermittelt. Die Messungen erfolgten in Zusammenarbeit mit dem externen Forschungszentrum Silicon Austria Labs. Anders als beim induktiven Laden wird die Energie bei Matrix Charging über eine physische elektrische Verbindung übertragen.

Ein 2026 auf dem Wiener Motorensymposium vorgestellter Beitrag von Easelink kommt bei einem untersuchten Betriebspunkt sogar auf bis zu 99,6 Prozent Übertragungseffizienz. Die Autoren kombinieren dafür Labormessungen mit Ladedaten einer urbanen Taxiflotte von 40 Fahrzeugen. Zusammen mit aktuellen Onboard-Chargern errechnen sie gegenüber induktivem Laden einen Vorteil von vier bis zehn Prozentpunkten beim Wirkungsgrad von Netz zu Batterie.

Wenn „Wartezeit = Ladezeit“ nicht aufgeht

Der Praxistest brachte allerdings auch eine weniger offensichtliche Erkenntnis. Die ursprüngliche Idee, ohnehin anfallende Wartezeiten am Taxistand automatisch zum Laden zu nutzen, ließ sich insbesondere in Wien nicht in dem erwarteten Umfang umsetzen. Veränderte Rahmenbedingungen und Geschäftsmodelle führten zu kürzeren und dynamischeren Aufenthalten an den Standplätzen.

Ursprünglich war deshalb eine Ladeleistung von 11 kW vorgesehen. Im Betrieb zeigte sich jedoch der Wunsch nach höheren Leistungen. Matrix Charging ist laut Projektbericht für bis zu 22 kW AC und 50 kW DC ausgelegt; höhere Ladeleistungen sollen in der nächsten Hardwaregeneration umgesetzt werden. Für die vollständige Elektrifizierung urbaner Taxiflotten empfehlen die Projektpartner deshalb einen Mix aus netzdienlichem Laden mit geringerer Leistung und Schnellladen als Rückfallebene.

Gleichzeitig deuteten die Daten darauf hin, dass automatisches Laden das Ladeverhalten verändern kann: Die meisten Ladevorgänge im Projekt fanden zwischen 10 und 16 Uhr statt. Nach Einschätzung der Projektpartner könnte die höhere Verfügbarkeit der Ladeverbindung dazu beitragen, Fahrzeuge häufiger kurz nachzuladen und die Abhängigkeit von zeitkritischen Schnellladevorgängen zu reduzieren.

Vom Aluminiumteil bis zur Serienentwicklung

Die für Matrix Charging von Facturee gelieferten Aluminiumteile sind damit ein vergleichsweise kleiner Baustein eines größeren Entwicklungsprojekts. Nach Angaben des Beschaffungsdienstleisters fließen die Erfahrungen aus eTaxi Austria inzwischen in weitere Projekte, die Standardisierung und die Serienentwicklung der Ladetechnik ein. (sb)

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Literatur

Erfahrungsbericht Dekarbonisierung von Taxiflotten Projekt eTaxi Austria Wien & Graz - https://www.klimafonds.gv.at/wp-content/uploads/2025/07/eTaxiAustria_Erfahrungsbericht_20250523.pdf

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