Nach ersten Tests mit seinen Robotaxis in Europa will Pony.ai nun auch Robotrucks nach Europa bringen, also autonom fahrende, elektrische Lkw. Man sei bereits mit Häfen und einzelnen Regierungen in Europa im Gespräch über entsprechende Pilotprojekte, sagen Manager des Unternehmens.
Nach ersten Tests mit seinen Robotaxis in Europa will Pony.ai nun auch Robotrucks nach Europa bringen.
(Bild: Pony.ai)
Für die Weltpremiere des neuen Lkw hatten sich Pony.ai und GAC die IAA Transportation in Hannover ausgesucht, wo sie ihn am 14. September vorstellten. Die vierte Generation eines vollelektrischen Schwerlastkraftwagens mit Software von Pony.ai für autonomes Fahren auf der Stufe 4 hat das chinesische Unternehmen gemeinsam mit dem Hersteller GAC entwickelt. Der Lkw basiert auf dem batterieelektrischen T9 von GAC und dem KI-Weltmodell von Pony.ai und soll noch in diesem Jahr erstmals in Serie gefertigt werden, haben die beiden Soft- und Hardware-Partner angekündigt.
Treiber: Fahrermangel und hohe Kraftstoffpreise
Der auf das autonome Fahren spezialisierte Anbieter Pony.ai ist 2016 von James Peng und Tiancheng Lou gegründet worden, die zuvor für den chinesischen Internetriesen Baidu im Silicon Valley gearbeitet hatten. Die Firma unterhält Büros im südchinesischen Guangzhou und im kalifornischen Fremont. Ihre Ambitionen waren von Anfang an international. „Wir schauen uns Märkte an, in denen die Arbeitskosten hoch sind oder ein erheblicher Arbeitskräftemangel herrscht“, erklärte He Xing, Vizepräsident von Pony.ai und Leiter des Robotruck-Geschäfts, der Nachrichtenagentur Reuters bei der Premiere. Europa sei deshalb ein wichtiger Markt.
Als Erstes bemüht man sich um die Genehmigung zu Straßentests und um erste Verkäufe an Betreiber von Fahrzeugflotten mit einer überschaubaren, für autonome Lkw relativ sicheren Umgebung. „Wir haben bereits mehrere Häfen und europäische Regierungen zu diesem Thema angesprochen“, so He Xing. In Shenzhen sollen autonom fahrende Lkw von Pony.ai Medienberichten zufolge im dortigen Mawan-Hafen eingesetzt werden. Der Anbieter habe sich einen entsprechenden Vertrag gesichert und plane die Auslieferung „von dutzenden der Fahrzeuge“, berichtete CNEVPOST.
Beim Fahren nach Autonomielevel 4 dürfen die Lkw unter bestimmten Bedingungen ganz ohne menschlichen Fahrer unterwegs sein. Für Flottenbetreiber in Bergwerken, Häfen oder auch für Spediteure im Schwerlastverkehr mit gut definierten Logistikrouten wird das immer interessanter, je schwerer Lkw-Fahrer zu finden sind und je höher die Dieselpreise klettern.
Niedrige Transportkosten im Fokus
Jetzt fallen zusätzlich die Produktionskosten für die Fahrzeuge in China. Die Stücklistenkosten seines Hardware-Pakets für das autonome Fahren seien im Vergleich zur Vorgängergeneration um 70 Prozent gesunken, erklärt Pony.ai in seiner September-Mitteilung auf der IAA. Die Transportkosten je Tonnenkilometer sollen für Spediteure angeblich um 30 Prozent niedriger sein als bei herkömmlichen Schwerlastkraftwagen, behauptet das Unternehmen. Für beide Angaben gibt es noch keine unabhängigen Bestätigungen.
Die Erfahrungen und ersten Serienfertigungen im Robotaxi-Geschäft helfen dem Unternehmen, die Kosten für Robotrucks zu senken. Im T9 arbeitet derselbe zentrale Steuerrechner wie in Pony.ais siebter Robotaxi-Generation. Zur Erfassung der Umgebung kommen neun laserbasierte Lidar-Sensoren, drei Radarsensoren und 13 Kameras hinzu, gab die Firma bekannt.
GAC liefert ein elektronisch gesteuertes Fahrgestell, das konsequent als „Drive-by-Wire“ ausgelegt ist. Lenkung, Bremsen, Kommunikation, Stromversorgung, Rechner und Sensorik seien redundant ausgelegt, sollen also beim Ausfall einzelner Komponenten abgesichert bleiben.
Die Übertragung der Entwicklungserfahrungen hat allerdings Grenzen. Größe, Gewicht und längere Bremswege erfordern bei schweren Lkw zusätzliche Anpassungen. Noch wichtiger ist daher wohl, dass Pony.ai in China schneller Genehmigungen für Straßentests bekommt als in den USA und Europa. Einige Hundert L4-Lkw seien dort auf ersten Routen unterwegs, teils ohne Fahrer, teils mit Sicherheitsfahrern, berichtete Reuters im September. Für die vierte Generation hatte das Unternehmen vor einigen Wochen den Einsatz von 500 bis 1.000 schweren Lkw in China innerhalb von zwei bis drei Jahren angekündigt.
Herausforderung: bürokratische Genehmigungsverfahren in Europa
Die größte Hürde für die nun angekündigte Expansion mit autonomen Lkw nach Europa werden die dort besonders bürokratischen Genehmigungsverfahren sein. Pony.ai ist allerdings geduldig, was seine jüngsten Fortschritte in Sachen Robotaxis belegen. Für Luxemburg sind Tests auf der Basis des Peugeot e-Traveller vorgesehen. Einen kommerziellen Einsatz von Robotaxis gibt es noch nicht. Immerhin erschien die Verkehrsministerin schon mal zu einer Testfahrt.
Stand: 08.12.2025
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Mutiger ist man in Kroatien. In Zagreb können sich Kunden über eine App von Verne seit April dieses Jahres auf dem Handy ein Robotaxi mit Technik von Pony.ai bestellen. In den Wagen sitzt noch ein Aufpasser dabei, der zur Not eingreifen soll. Seit August können die Autos dort auch auf Uber bestellt werden. Verne betreibt die Flotte, Pony.ai liefert das Fahrsystem und Uber über seine App (UberX und Comfort) die Fahrgäste.
Seit dem vergangenen Jahr kooperiert Pony.ai auch mit Stellantis, um seine Software auf mittelgroßen Transportern auf Europas Straßen zu bringen. In Luxemburg wird auf der Basis des Peugeot e-Traveller getestet. Und Uber und Pony.ai wollen auch bald mit Tests in London starten.
Es handelt sich hier also offensichtlich um ein Unternehmen, das sich weder von den Straßenverkehrsbehörden in China und Kalifornien noch von dem notorischen europäischen Papierkrieg abschrecken lässt. (se)