Back to the Roots. Volkswagen besinnt sich seiner Wurzeln und möchte erschwingliche Mobilität für „jedermann“ bieten. Dazu elektrifiziert der Automobilhersteller das B-Segment und bringt den Polo erstmals als Stromer auf die Straße. Der Vorverkauf des ID.Polo ist nun gestartet – der Presse bot sich bereits im Vorfeld die Gelegenheit, das Fahrzeug auf Herz und Nieren zu prüfen.
Volkswagen stellte Anfang April der Presse den neuen ID.Polo als Teil seiner neuen Produktoffensive vor.
(Bild: Stefanie Eckardt)
„Wir haben uns von den Werten entfernt, für die Volkswagen immer stand“, gab Martin Sander, Mitglied des Markenvorstands Volkswagen bei der Pressevorstellung seiner neuen Elektrofahrzeuge Anfang April in Hamburg zu und betonte: „Wir mussten uns wieder neu denken und uns neu damit auseinandersetzen, was unsere Kunden von uns erwarten. Und zwar alle unsere Kunden. Dafür haben wir unseren Entwicklungsprozess überdacht. Wir starten nicht mehr mit der Entwicklung von Funktionen, sondern stellen zunächst den Menschen in den Mittelpunkt. Echte Menschen mit Sorgen, Nöten und Bedürfnissen.“
Bereits auf der letztjährigen IAA Mobility in München stellten die Wolfsburger eine Neuausrichtung ihrer Marke unter dem Begriff „True Volkswagen“ in den Mittelpunkt des Messeauftritts. Dabei betonte der Hersteller, dass man sich auf ein klares Design, hohe Wertigkeit, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, intuitive Bedienung und innovative Technologie konzentrieren wolle. Nun konnte man mit dem ID.Polo ein erstes Ergebnis der Produktoffensive begutachten. Der erste Blick fiel durchaus positiv aus.
Der Vorverkauf des neuen elektrischen ID. Polo startet noch diesen Monat zu Preisen ab 24.995 Euro. Was kann der Käufer hierfür erwarten? Zunächst einmal mehr Raum. Das neue Frontantriebskonzept macht es möglich. Die kompakten Antriebsmodule des MEB+, einer Weiterentwicklung des Modularen E-Antriebsbaukasten, bringen den Passagieren 19 mm mehr Innenraum als im klassischen Polo. Vergrößert haben sich ebenfalls die Innenraumbreite und die Kopffreiheit. Um gut 25 Prozent – von 351 auf 441 Liter – wuchs zudem das Kofferraumvolumen.
Antriebstechnik
Auf das Antriebskonzept ist man bei Volkswagen ziemlich stolz. Die Schlüsseltechnologie dazu bietet der bereits erwähnte MEB+. Auf der Basis dieser Weiterentwicklung konnte man den Frontantrieb neu entwickeln, der mit weniger Bauteilen auskommt und somit auch leichter geworden ist. Das spiegelt sich beim Endverbraucher im Preis, aber auch bei Effizienz und Agilität wider. Der Antrieb für den neuen elektrischen Polo wird als Teil der „Electric Urban Car Family“, im ungarischen Werk Győr gefertigt.
Herzstück des neuentwickelten Antriebs ist die ebenfalls neue E-Maschine, die APP290. APP steht dabei für die achsparallele Anordnung – Axial Parallel Position – die 290 für das maximale Drehmoment in Nm. Die E-Maschine soll es Volkswagen zufolge zunächst in drei Leistungsstufen mit 85 kW (116 PS), 99 kW (135 PS) und 155 kW (211 PS) geben. An das Motorgehäuse angeflanscht ist das 1-Gang-Getriebe samt Gehäuse und der ebenfalls neu entwickelte Pulswechselrichter.
Neuer Pulswechselrichter
Auch beim Pulswechselrichter handelt es sich um eine Neuentwicklung aus dem Konzern. koordiniert die Leistungs- und Drehmomententwicklung sowie die Rekuperation des Antriebs. Zudem wandelt diese Leistungselektronik mit Siliziumkarbid-Leistungsmodulen aus dem Hause Bosch den Gleichstrom der Batterie in den von der E-Maschine benötigten Wechselstrom (AC) um. Weil Volkswagen das Bauteil intern entwickelt und gebaut hat, entsteht wiederum ein Kostenvorteil, der sich direkt auf den Einstiegspreis auswirken soll. Zu den weiteren Komponenten des kompakt im Vorderwagen integrierten Antriebs gehören unter anderem die AC- und DC-Ladebuchse vorn auf der rechten Seite, das dort in der Nähe integrierte Ladegerät und der elektrische Klimakompressor. Letzterer wurde als wichtiges Bauteil des Thermomanagements aufwendig von der Karosserie entkoppelt und überträgt somit keine Vibrationen in den Innenraum.
Batterie
Mit PowerCo hat der Konzern eine eigene Tochter, die die Batterien konzernweit – Ausnahme ist Porsche – ausliefert. Daher stammt auch der Name „Einheitszelle“. Die 2022 gegründete Tochter baut derzeit Gigafabriken in Salzgitter, Valencia und St. Thomas in Kanada mit einem Gesamtvolumen von bis zu 200 GWh aus. Die Produktion in Salzgitter konnte Ende letzten Jahres anlaufen. Die hier gefertigten Zellen sollen nicht nur in den ID. Polo, sondern auch in den Cupra Raval verbaut werden.
Im ID.Polo hat der Hersteller die Einheitszelle zwischen der Vorder- und Hinterachse im Fahrzeugboden verbaut. Für das neue Batteriesystem kommt die Cell-to-Pack-Technologie zum Einsatz, bei der die Zellen ohne den Zwischenschritt über Modulgehäuse direkt zu einem Batteriepack zusammengeführt werden. Drei dieser Batteriepacks bilden den Energiespeicher im Batteriesystem. Dessen Gehäuse verstärkt parallel die Karosseriestruktur. Angeboten wird die Batterie für das Kompaktmodell mit einem Netto-Energiegehalt von 37 kWh als Lithium-Ferrophosphat-Version (LFP) und mit 52 kWh als Nickel-Mangan-Kobalt-Variante (NMC) mit einer nochmals höheren Energiedichte. Die AC-Ladeleistung beträgt an der Wallbox und öffentlichen Ladesäulen 11 kW. Die kleinere Batterie kann an DC-Schnellladesäulen mit bis zu 90 kW geladen werden, die größere mit bis zu 105 kW. Die Prognosen für das DC-Laden von 10 bis 80 Prozent mit 90 kW gehen von rund 27 Minuten Ladezeit aus; mit 105 kW und einer besonders flach verlaufenden Ladekurve reduziert sich der Wert auf rund 24 Minuten.
Stand: 08.12.2025
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Fahrwerk
Auf den neuen Frontantrieb wurde das ebenfalls neu entwickelte Fahrwerk abgestimmt. Ziel war es auch hier, bei einer hohen Kosten-, Raum- und Gewichtseffizienz eine optimale und für Volkswagen typische Lösung zu konzipieren. Vor diesem Hintergrund entstand ein Verbund aus einer MacPherson-Vorderachse und einer Verbundlenker-Hinterachse. Das Zusammenspiel dieser beiden neuen Achsen ist geprägt durch hohe präzise Linearität, wie der Autobauer im Presse-Workshop betonte, weil sich so ein Fahrverhalten erzielen lässt, das dem Fahrer ein „maximales Feedback“ vermittelt. Darüber hinaus kennzeichnet den ID. Polo ein hoher Fahrkomfort, der seinen Vorgänger deutlich übertrifft. Im Vergleich zum MQB-Polo konnten zum Beispiel die Eigenfrequenzen der Vorder- und Hinterachse um jeweils 5 Prozent reduziert werden, wodurch sich der Schwingungskomfort deutlich verbessert. Durch ein neues One-Box-Bremssystem mit Scheibenbremsen an der Vorder- und Hinterachse wurde indes die Dosierbarkeit der Bremsen und das Pedalgefühl perfektioniert.
Cockpit und Fahrerassistenz
Wer sich im Cockpit und am Lenkrad umschaut, wird feststellen, dass es vermehrt Tasten statt Touch-Funktionen gibt. Auch hier reagierte das Unternehmen auf die Kundenwünsche. Die neue Cockpit-Landschaft des ID. Polo ist horizontal gegliedert. Auf einer Sichtachse angeordnet sind dabei das „Digital Cockpit“ – die digitalen Instrumente – und das Infotainment-Display. Das „Digital Cockpit“ ist in der Diagonale 26,0 cm groß (10 Zoll) und zeigt eine brillante Grafik. Aktiviert der Fahrer über die „View“-Taste im Lenkrad die „Retro-Anzeige“, tauchen im „Digital Cockpit“ die Instrumente eines späten Golf I auf. Links gibt es in diesem Fall einen klassischen Tacho, rechts einen stilisierten Drehzahlmesser, der allerdings die Energieaufnahme des Antriebs zeigt. Auch Funktionen wie etwa die Anzeige der Verkehrszeichenerkennung sind in das Layout der frühen 80er Jahre integriert. Das in der Mitte des Dashboards angeordnete Touchdisplay des Infotainmentsystems ist mit einer Diagonale von 32,77 cm (13 Zoll) so groß wie ein Tablet.
Für den Fahrer hilfreich ist das Multifunktionslenkrad mit eindeutigen Tasten. Im Tastenquadrat links von Airbag und Hupe sind die Funktionen der Geschwindigkeitsregelanlage respektive je nach Ausstattung der automatischen Distanzregelung ACC und des Connected Travel Assist zusammengefasst. Dort ebenfalls angeordnet: die Lautstärkereglung. Rechts neben dem Airbag befindet sich das Tastenquadrat für die Steuerung des „Digital Cockpits“, die Aktivierung der Sprachsteuerung sowie die Taste für die Lenkradheizung. Die Heizfunktion lässt sich auch im Nachgang per „on demand“ aktivieren. Das Lenkrad selbst ist im oberen und unteren Bereich (12 und 6 Uhr) abgeflacht. Hinter dem Lenkrad befinden sich gut einseh- und erreichbar die Lenkstockhebel für die Schaltung und Parkbremse (rechts) sowie die Blink-, Licht- und Scheibenwischerfunktionen (links). Links im Dashboard angeordnet sind zudem die Zentralfunktionen für die Scheinwerfer und Rückleuchten.
Nennenswert neu an Assistenzsystemen hat das Unternehmen den „Connected Travel Assist“ mit Ampelerkennung integriert, die nächste Generation des „Travel Assist“. Das Assistenzsystem zur assistierten Quer- und Längsführung reagiert fortan auch auf Ampeln. Erkennt das System eine rote Ampel, bremst es den Stromer automatisch im Rahmen der Systemgrenzen bis zum Stillstand ab. Ebenfalls neu und serienmäßig: das One-Pedal-Driving – das starke Verzögern allein über die Regulierung des Fahrpedals. (se)