BahntechnikCAF-BEMU fährt 273 Kilometer mit einer Batterieladung
Von
Dipl.-Ing.(FH) Richard Oed
3 min Lesedauer
Bei einem Reichweitentest erreichte ein batterieelektrischer Triebzug des Typs „Civity BEMU“ 273 Kilometer im reinen Batteriebetrieb. VRR und NWL haben zusammen 76 Fahrzeuge dieser Bauart bestellt, die ab 2027 schrittweise in Betrieb gehen sollen.
Vertreter von CAF, VRR und NWL nach dem erfolgreichen Abschluss des Reichenweitentests des Kurztyps CAF-Civity-BEMU im Siemens Prüf- und Validation Center.
(Bild: CAF)
Ende August 2026 absolvierte der erste von Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles (CAF) für den VRR und die NWL gebaute Civity-BEMU einen Langlaufversuch. Die dabei im Siemens Prüf- und Validation Center in Wegberg-Wildenrath erzielte Reichweite im reinen Batteriebetrieb lag bei 273 Kilometern. Während des Tests untersuchte der spanische Hersteller außerdem die Leistungsfähigkeit des Antriebs im Grenzbereich. Getestet wurde die mit serienmäßigen LTO- Batterien ausgerüstete Kurzversion der Baureihe 557 für den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR). Ein weiterer Schwerpunkt des Versuchs lag auf der Erprobung des Zusammenspiels von Fahrzeugsteuerung, Energiemanagement und Batterieverhalten. Laut CAF dienen die während der Tests gewonnenen Daten einerseits dem Abgleich mit den im Entwicklungsprozess verwendeten Simulationsmodellen, andererseits fließen sie in die Weiterentwicklung effizienter batterieelektrischer Antriebstechnologien ein.
Insgesamt 76 der batterieelektrischen Fahrzeuge hatten die deutschen Aufgabenträger VRR und Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) in zwei Varianten bei CAF bestellt. Diese sollen im Niederrhein-Münsterland-Netz im Teilnetz 1 (RE 10 und RB 37) und Teilnetz 2 (RE 14, RB 31, RB 36, RB 43, RE 44, RB 46) sowie auf den noch zu reaktivierenden NWL-Strecken der RB 68 (Münster – Sendenhorst, Teilnetz 3) und RB 76 (Harsewinkel – Gütersloh – Verl, Teilnetz 4) zum Einsatz kommen. Die Betriebsaufnahme ist gestaffelt ab Dezember 2027 vorgesehen und soll bis Dezember 2029 dauern.
Dieses Gesicht wird die Strecken im Niederrhein-Münsterland-Netz und im NWL-Bereich ab Ende 2027: Die Fahrzeuge der Baureihe 557.
(Bild: iovo petrov | CAF)
Der Gesamtauftrag umfasst neben der Entwicklung, Herstellung, Lieferung und Zulassung der Züge auch deren komplette Instandhaltung über einen Zeitraum von 30 Jahren. Dazu investiert CAF in den Aufbau zweier hochdigitalisierter Werkstätten. Das Haupt-Bahnbetriebswerk wird am historischen Standort im ehemaligen Bw Gelsenkirchen-Bismarck entstehen, ein Zweig-Bahnbetriebswerk in Neubeckum.
VRR und NWL bestellen zwei Versionen
Die beiden zu liefernden jeweils 140 km/h schnellen und 2,79 Meter breiten Varianten unterscheiden sich in der Länge der Fahrzeuge und der Anzahl der Sitzplätze. Während der Kurztyp eine Länge von 44,9 Metern aufweist, zwei Einstiegsbereiche besitzt und 122 Fahrgästen einen Sitzplatz bietet, ist der Langtyp 55,48 Meter lang, hat vier Einstiegsbereiche und 160 Sitzplätze. Aufgrund der unterschiedlichen Längen verfügt der Kurztyp über drei Drehgestelle (zwei angetriebene Enddrehgestelle und ein antriebsloses mittiges Jakobsdrehgestell, Radsatzfolge Bo´2´Bo´). Der Langtyp hingegen hat vier Drehgestelle (zwei angetriebene Enddrehgestelle und zwei Laufdrehgestelle an den inneren Wagenkastenenden, Radsatzfolge Bo´2´ + 2´Bo´).
Die Einstiegshöhe beträgt 800 mm und es sind zwei Rollstuhlbereiche vorhanden. Klimatisiert wird der Fahrgastraum nach DIN EN 14750-1/-2, der Führerstand gemäß DIN EN 14813-1/-2. Die Streckenklasse ist C2, das Umgrenzungsprofil G1/GI2.
Diese Aufnahme aus dem CAF-Werk in Saragoza zeigt den Langtyp des Civity-BEMU. Unterscheidbar vom Kurztyp ist er durch die vier Türen pro Fahrzeugseite.
(Bild: iovo petrov | CAF)
Züge besitzen flexibles Ladekonzept
Die Triebzüge können flexibel aufgeladen werden. Vorgesehen ist die Ladung mittels Oberleitung mit 15 kV und 16,7 Hz oder 15 kV / 50 Hz. Zusätzlich ist ein System für die Ladung aus dem dreiphasigen Landesnetz mit 400 V / 50 Hz verbaut. Optional kann auch mit 1 kV / 16,7 Hz oder 50 Hz nachgeladen werden.
Auf elektrifizierten Strecken wird das Fahrzeug aus der Oberleitung gespeist und kann gleichzeitig geladen werden. Auf oberleitungsfreien Abschnitten dienen die LTO-Batterien als Energiequelle. Die Batteriepakete für das modulare Energiespeichersystem stellt CAF selbst her, kauft die Zellen aber von Toshiba zu. Mit der bei dem jetzigen Langlaufversuch demonstrierten Reichweite von 273 Kilometern erfüllt der Zug die Reichweitenanforderungen der Besteller. So wünscht der VRR auf dem Teilnetz 1 eine Reichweite von 220 Kilometern, wobei während der Fahrt nach rund 110 Kilometern für etwa 10 Minuten nachgeladen werden kann, was CAF für ausreichend erachtet.
Für das Teilnetz 2 ist für den RE 14, die RB 36 und die RB 43 eine Reichweite von 90 Kilometern vorgeschrieben, für die RB 31 und den RE 44 nur 65 Kilometer. Ein Umbau zwischen den verschiedenen Reichweitentypen muss innerhalb von 6 Stunden möglich sein, um die Fahrzeuge betrieblich flexibel einsetzen zu können.
Stand: 08.12.2025
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CAF wird den Triebzug 557 001 auf der InnoTrans 2026 in Berlin im Freigelände (Gleis 2 / Platz 10) einem internationalen Fachpublikum vorstellen. (se)