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„Typisches Großstadtphänomen“: Städtebund fordert wegen Corona neue Strategien

Redakteur: Svenja Gelowicz

Menschen nutzen aus Angst vor Viren verstärkt Privatfahrzeuge. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund fordert Verkehrsplaner auf, diesen Wunsch zu berücksichtigen – und eine neue ÖPNV-Strategie aufzusetzen.

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(Bild: ADAC/Christoph Michaelis)

Die Coronakrise verleiht dem Privatfahrzeug einen großen Schub. Privatfahrzeuge bleiben für viele Menschen auch nach der Corona-Pandemie für viele Menschen ein bevorzugtes Verkehrsmittel. Öffentliche Verkehrsmittel und Angebote wie Carsharing sinken in der Beliebtheit eher. 31 Prozent der Teilnehmer in Deutschland gaben an, dafür ihren Pkw öfter als zuvor nutzen zu wollen. Für 45 Prozent ändert sich demnach nichts, während 24 Prozent den Wagen seltener nehmen wollen. PWC Strategy& hat dazu etwa 2.600 Konsumenten in Deutschland, den USA und China befragt und jüngst im „Digital Auto Report 2020“ veröffentlicht.

Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer vom Deutschen Städte- und Gemeindebund (DstGB), fordert nun eine neue Strategie für den ÖPNV. Die Krise werde das Mobilitätsverhalten dauerhaft verändern, Homeoffice-Möglichkeiten und weniger Büroflächen in den Städten beschleunigten diese Entwicklung. So würden Beschäftigte langfristig mehrere Tage pro Woche von zuhause arbeiten, außerdem seien Co-Working-Räume am Rande von Ballungsräumen künftig deutlich attraktiver, um nicht in die Zentren der Metropolen fahren zu müssen. Landsberg fordert die Verkehrsplaner auf, solche Räume mit Schienen- oder Busverkehr eng getaktet zu vernetzen.

Die autofreie Stadt nicht als alternativlos ansehen

Man müsse außerdem Individualverkehr weiter zulassen, so Landsberg. Händler*innen der autofreien Berliner Friedrichstraße würden sich „massiv beschweren“; und auch die Pop-up-Radwege seien ein „typisches Großstadtphänomen“, das „weder die kalte Jahreszeit noch den Umstand, dass die Menschen immer älter werden“ berücksichtige.

Laut Landsberg sollten sich auch die Verkehrspolitik davor hüten, den Menschen Mobilitätsverhalten vorzuschreiben. „Genauso wie es in den Siebzigerjahren falsch war die autogerechte Stadt zu fordern und zu bauen, ist es heute falsch, flächendeckend die autofreie Stadt als alternativlos anzusehen.“

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