Personenverkehr Nur ein Ticket: EU will europaweite Zugreisen vereinfachen

Von Thomas Günnel 2 min Lesedauer

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Die Europäische Kommission hat neue Regeln für reibungsloses Reisen in ganz Europa vorgeschlagen. Dazu gehören ein einziges Ticket pro Reise und besserer Fahrgastschutz.

Die Europäische Kommission will Bahnreisen in Europa vereinfachen.(Bild:  Deutsche Bahn)
Die Europäische Kommission will Bahnreisen in Europa vereinfachen.
(Bild: Deutsche Bahn)

Die Europäische Kommission will Fahrgastrechte im grenzüberschreitenden europäischen Eisenbahnverkehr stärken – und das Buchen von Tickets deutlich vereinfachen. Das geht aus einem Vorschlag der Kommission hervor. Demnach sollen Fahrgäste künftig Leistungen verschiedener Bahnbetreiber vergleichen und zu einem einzigen Ticket kombinieren können, das sie in einer einzigen Transaktion auf einer Ticketplattform ihrer Wahl erwerben können. Dies kann eine unabhängige Plattform oder der Ticketservice des jeweiligen Bahnbetreibers sein.

Besserer Fahrgastschutz

Bei verpassten Anschlussverbindungen bei Bahnreisen mit mehreren Betreibern profitieren Fahrgäste mit einem einzigen Ticket von einem neuen, umfassenden Fahrgastschutz, einschließlich Unterstützung, Umleitung, Erstattung und Entschädigung. Die Kommission führt außerdem neue Verpflichtungen für Ticketplattformen und -betreiber ein, um einen fairen Zugang zum Ticketverkauf und die neutrale Darstellung von Reiseangeboten zu gewährleisten.

Plattformen müssen Angebote demnach neutral präsentieren. Reisende sollen Verbindungen zudem filtern können, etwa nach Preis, Dauer oder den entstehenden Treibhausgasen. Die Regelungen sollen sicherstellen, dass alle Verkehrsunternehmen faire, angemessene und diskriminierungsfreie Geschäftsvereinbarungen mit Ticketplattformen abschließen können und umgekehrt.

Wieso der Vorschlag?

Eine aktuelle Eurobarometer-Umfrage hat laut der Europäischen Kommission eine starke Nachfrage nach reibungslosen Reisemöglichkeiten und zuverlässigen Online-Buchungssystemen ergeben. Demnach haben 36 Prozent der Europäer Schwierigkeiten, Tickets zu buchen, die verschiedene Verkehrsmittel kombinieren, etwa Flug-Bahn- oder Zug-Bus-Verbindungen.

Weitere 31 Prozent der Befragten buchten solche Reisen nicht, da der Buchungsprozess zu komplex sei und es an klaren, benutzerfreundlichen Optionen mangele. Bei Bahnreisen gaben 25 Prozent der Befragten an, Schwierigkeiten bei der Buchung von Tickets mit mehreren Anbietern zu haben, und 43 Prozent buchen diese Reisen überhaupt nicht.

Rund 22 Prozent der Reisenden bemängeln, dass Online-Ticketsysteme nicht immer alle verfügbaren Tarife oder Reiseoptionen anzeigen. Versteckte Kosten bereiten 19 Prozent der Befragten Sorgen. Obwohl 76 Prozent der Befragten Tickets online buchen, hält das Fehlen einer unkomplizierten Komplettlösung viele davon ab, multimodale Reisemöglichkeiten zu nutzen.

Ob die Vorschläge alle umgesetzt werden, ist offen. Im Anschluss an die Bekanntgabe am 13. Mai legt die Kommission die vorgeschlagenen Verordnungen dem Rat der Europäischen Union und dem Europäischen Parlament zur Prüfung vor. Erst nach einer Einigung treten die Änderungen in Kraft. Laut des Vorschlags der Europäischen Kommission soll das angedachte System bis zum Jahr 2030 umgesetzt sein.

Starke Nachfrage für innereuropäische Zugverbindungen

Die Deutsche Bahn spricht von einem Nachfrage-Boom für Zugverbindungen innerhalb Europas. Fast ein Drittel mehr Menschen sind demnach seit dem Jahr 2019 für ihre Europa-Reisen auf die Bahn umgestiegen. Laut Deutscher Bahn sind das über 25 Millionen Fahrgäste – mit steigender Tendenz. 

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