Mikromobilität Tier übernimmt Nextbike

Autor / Redakteur: Christoph Seyerlein / Christoph Seyerlein

Erst kürzlich hatte Tier Mobility angekündigt, künftig auch Übernahmen ins Auge zu fassen. Jetzt hat das Start-up ein erstes Mal zugeschlagen: Mit Nextbike zählt künftig Europas Bike-Sharing-Marktführer zu den Berlinern. Gemeinsam entsteht ein Branchenriese mit mehr als 250.000 Fahrzeugen in über 400 Städten.

Tier und Nextbike werden gemeinsam mit 250.000 Fahrzeugen in über 400 Städten aktiv sein.
Tier und Nextbike werden gemeinsam mit 250.000 Fahrzeugen in über 400 Städten aktiv sein.
(Bild: Tier)

Großübernahme in der Mikromobilitätsbranche: Der Berliner Anbieter Tier Mobility übernimmt alle Anteile am Leipziger Unternehmen Nextbike, wie beide Firmen am Montag (15. November) mitteilten. Tier erweitert dadurch sein Portfolio um Mietfahrräder, nachdem das Start-up zuletzt bereits in den E-Bike-Verleih eingestiegen war.

Nextbike wurd 2004 gegründet und ist derzeit in mehr als 300 Städten in 28 Ländern aktiv. Das Unternehmen betreibt Bikesharingsysteme sowohl in Eigenregie als auch in einem Netz internationaler Franchisepartner. Nach eigenen Angaben ist Nextbike damit rentabel.

Zumeist agieren die Leipziger im öffentlichen Auftrag. Zuletzt verzeichneten der Anbieter laut eigener Aussage trotz der Corona-Pandemie einen Nutzungszuwachs von 50 Prozent. Im laufenden Jahr expandierte das Unternehmen beispielsweise nach Montenegro und Italien. Erst im September konnte Nextbike einen weiteren Erfolg feiern, als die Stadt Wien dem Anbieter den Zuschlag für die Umsetzung des Konzepts „Wien Mobil Rad“ mit über 3.000 Rädern gab.

Stellt sich die Frage, warum die Eigentümer ihr Unternehmen nun verkaufen. „Wir haben uns bewusst für einen Zusammenschluss mit Tier entschieden, weil es viele Überschneidungen in der Unternehmenskultur gibt“, erklärte Nextbike-CEO Leonhard von Harsch. Tier-Chef Lawrence Leuschner erklärte, man wolle Bikesharing gemeinsam „auf ein gänzlich neues Level heben“. Die Übernahme bezeichnete er als „einzigartige Gelegenheit“. Nextbike werde „von der Innovationsstärke und Finanzkraft von Tier“ profitieren, hieß es in einer Mitteilung. Zum Kaufpreis äußerten sich beide Seiten nicht.

Über 400 Städte, mehr als 250.000 Fahrzeuge

Tier hatte erst kürzlich 200 Millionen Dollar eingesammelt, der Wert der Firma wird auf zwei Milliarden Dollar geschätzt. Im Zuge der Finanzierungsrunde hatte das Unternehmen bereits angekündigt, nun auch Übernahmen ins Auge zu fassen.

Nun haben die Berliner jenes Vorhaben erstmals in die Tat umgesetzt. In den kommenden Monaten soll nun ein gemeinsames Team einen Plan erarbeiten, wie beide Organisationen bestmöglich zusammengeführt werden können. Durch die Übernahme entsteht ein Anbieter, der in über 400 Städten mit mehr als 250.000 Fahrzeugen (E-Scooter, E-Mopeds, E-Bikes, Fahrräder, Lastenräder) agieren kann.

Der Deal ist auch als Zeichen an die Konkurrenz zu werten. Im Mikromobilitäts-Umfeld rüsteten zuletzt verschiedene Anbieter auf. Erst jüngst sammelte etwa US-Anbieter Lime mehr als eine halbe Milliarde Dollar ein. Mit Bird wagte sich ein erstes Unternehmen auch an die Börse. Tier will gemeinsam mit Nextbike nun als „erste wirklich multimodale Plattform der Branche“ punkten.

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