ElektromobilitätStudie zur Batteriegesundheit von Elektrofahrzeugen veröffentlicht
Von
Stefanie Eckardt
5 min Lesedauer
Mit dem Certified EV Battery Report hat Aviloo eine unabhängige Studie zur Batteriegesundheit gebrauchter Elektrofahrzeuge veröffentlicht. Diese wertet mehr als 500.000 einzelne, unabhängige Tests aus, die zwischen 2022 und 2026 an gebrauchten Stromern durchgeführt wurden. Dabei wurden 20 gängige Fahrzeugmodelle abgedeckt.
Der Batteriediagnose-Experte Aviloo hat mit seinem Certified EV Battery Report eine Studie zur Batteriegesundheit gebrauchter Elektrofahrzeuge veröffentlicht.
(Bild: Aviloo)
Die Studie stützt sich auf einen Teilbestand der Aviloo-Diagnosedatenbank, die inzwischen weltweit mehr als 1 Million unabhängige Tests in Nord- und Südamerika, Europa, Australien und Asien umfasst. Das Batteriediagnose-Unternehmen will seinen Report in Zukunft zweimal jährlich veröffentlichen.
Die Ergebnisse helfen allen, die ein gebrauchtes E-Auto kaufen, verkaufen, finanzieren oder versichern wollen. Denn Batteriegesundheit sollte nicht vermutet, sondern unabhängig getestet werden. Jede Zahl in diesem Report basiert auf einer unabhängigen Messung von Aviloo – nicht auf der Werksanzeige des Fahrzeugs. Diese kann je nach Hersteller stark variieren und spiegelt den tatsächlichen Batteriezustand nicht immer zuverlässig wider.
Die Batteriegesundheit am Markt ist insgesamt weiterhin robust. Doch die ermittelten Daten zeigen deutliche Unterschiede – zwischen Modellen, aber auch zwischen einzelnen Fahrzeugen desselben Modells. Unterschiede, die groß genug sind, um den tatsächlichen Fahrzeugwert zu verändern.
Wie ist die Batterie gealtert?
Der Certified EV Battery Report basiert auf Daten gebrauchter Elektrofahrzeuge, die mit dem unabhängigen Flash Test des Unternehmens geprüft wurden. Für jedes Modell zeigt der Report den medianen Batteriezustand bei drei Kilometerständen – 50.000 km, 100.000 km und 150.000 km, sowie die Bandbreite, in der sich 99 Prozent der Fahrzeuge an diesen Punkten bewegen‡
Der State of Health (SoH), also der Prozentsatz der ursprünglich nutzbaren Batteriekapazität, der noch vorhanden ist, ist die deutlichste Einzelkennzahl dafür, wie eine gebrauchte E-Auto-Batterie gealtert ist. Eine Batterie mit 95 Prozent SoH liefert noch rund 95 Prozent der ursprünglichen Reichweite pro Ladung.
Batteriegesundheit verschiedener Modelle im Vergleich
Der Tesla Model Y (78.8 kWh) war drei Jahre in Folge das meistverkaufte Auto weltweit, unabhängig vom Antrieb. In den Aviloo-Daten liegt der mediane State of Health gebrauchter Model Y bei 94,5 Prozent bei 50.000 km und sinkt auf 90,3 Prozent bei 150.000 km – das entspricht einer realen Reichweite von rund 379 km pro Ladung, die auf etwa 362 km sinkt. Dieser Median beschreibt allerdings nur ein durchschnittliches Model Y, einzelne Fahrzeuge weichen davon um bis zu 11 Prozent State of Health ab, was rund 46 km realer Reichweite pro Ladung entspricht. Das zeigt: Der typische Wert für ein Modell sagt nichts darüber aus, wie ein einzelnes Fahrzeug tatsächlich gealtert ist.
Der Volkswagen ID.4 (77 kWh) gehörte 2025 zu den meistverkauften E-Autos Europas: über 40.000 Stück allein im ersten Halbjahr. Die Batteriegesundheit reicht von 95,3 Prozent nach 50.000 km bis 90,6 Prozent nach 150.000 km, rund 373 km Reichweite, sinkend auf etwa 354 km. Einzelne Autos schwanken bei höheren Kilometerständen um bis zu 11 bis 12 Prozent SoH, das sind rund 45 km Unterschied in der Reichweite.
Der Hyundai Ioniq 5 (72.6 kWh) ist eines der bekanntesten E-Autos auf der Straße. In den Daten des Batteriediagnoseunternehmens reicht der SoH von 97,2 Prozent nach 50.000 km bis 92,8 Prozent nach 150.000 km, rund 335 km Reichweite, sinkend auf etwa 319 km. Die Streuung zwischen einzelnen Autos wächst bis 150.000 km auf über 12 Prozent SoH, das sind rund 42 km Reichweite Unterschied, ein weiterer Beleg dafür, dass nur ein unabhängiger Test zeigt, wo ein bestimmtes Auto wirklich steht.
Der Nissan Leaf ZE1 (40 kWh) hat die mit Abstand kleinste Batterie der vier Modelle, nur etwa halb so groß wie bei den anderen, und muss deshalb viel öfter geladen werden. Das sieht man auch in den Daten: Der SoH sinkt im Median von 91,1 Prozent nach 50.000 km auf 86,3 Prozent nach 150.000 km, durchgehend der niedrigste Wert im Vergleich. Auch die Streuung ist hier am größten: bis zu 13,5 Prozent SoH nach 150.000 km, das sind rund 29 km Realreichweite Unterschied.
In der Praxis bedeutet das: Der mediane SoH entspricht nach 50.000 km rund 196 km Reichweite, nach 150.000 km sind es nur noch etwa 185 km, deutlich weniger als bei den anderen drei Modellen. Das liegt an der kleineren Batterie und macht den Leaf ideal für kurze, lokale Strecken.
Stand: 08.12.2025
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State of Health bestimmt Reichweite
Zehn Prozentpunkte oder mehr Unterschied beim State of Health können mehrere Dutzend Kilometer Reichweite ausmachen – den Unterschied zwischen einem Auto, das einen langen Tagesausflug locker schafft, und einem, das einen zusätzlichen Ladestopp braucht. Genau das wollen Käufer, Händler oder Kreditgeber wissen, bevor ein gebrauchtes E-Auto den Besitzer wechselt. Ein einzelner Durchschnittswert pro Modell reicht dafür nicht aus.
Über alle Klimazonen hinweg
Batteriegesundheit hängt nicht nur vom Kilometerstand ab. Auch die Temperatur spielt eine wichtige Rolle: Sie beeinflusst, wie schnell eine Batterie altert und wie gut sie lädt. In kühleren Regionen lädt eine Batterie zum Beispiel langsamer, und sie verschleißt anders als in wärmeren Klimazonen. Deshalb zählt die globale Reichweite des Anbieters. Weil der Report auf Tests aus Nord- und Südamerika, Europa, Australien und Asien basiert, zeigt er ein echtes Bild über alle Klimazonen und Fahrbedingungen hinweg, nicht nur das Muster eines einzelnen Landes.
Zuverlässige Daten notwendig
Wer einen gebrauchten Benziner oder Diesel kauft, achtet auf Kilometerstand und Fahrzeughistorie. Wer einen gebrauchten Stromer erwerben will, braucht verlässliche Daten zur Batterie. Denn diese ist die teuerste Komponente im Fahrzeug – und die, die am stärksten von Auto zu Auto schwankt. „Was diese Daten wirklich zeigen: Durchschnittswerte verschleiern eine Menge. Ja, E-Auto-Batterien altern besser, als ihr Ruf vermuten lässt, aber das ist nicht die spannendste Erkenntnis. Viel wichtiger: Die Batteriegesundheit unterscheidet sich stark zwischen Modellen, und noch stärker zwischen einzelnen Autos desselben Modells“, betont Marcus Berger, CEO von Aviloo. „Zehn oder fünfzehn Prozentpunkte Unterschied beim State of Health bedeuten einen echten Unterschied bei Reichweite, Wert und Verlässlichkeit. Ohne unabhängigen Test wissen Sie einfach nicht, wo Ihr Auto in dieser Bandbreite steht“ Daher will Aviloo mit seinem Flash Test Abhilfe schaffen. Dabei handelt es sich um eine unabhängige Diagnose über den OBD-Anschluss, der drei Minuten dauert und diese Frage für jedes einzelne Auto, nicht nur im Modelldurchschnitt beantworten will.
Unabhängige Messung statt Werksanzeige
Das Besondere am Test: Die Zahl kommt aus einer unabhängigen Messung, nicht aus der Selbstauskunft des Autos, wie der Anwender betont. Man liest keinen intern erzeugten Wert des Batteriemanagementsystems (BMS) aus, sondern berechnet den SoH mit einem statistischen Modell, trainiert an Hunderttausenden vergleichbaren, echten Gebrauchtwagen. Neben der Einschätzung des Autos selbst fließen auch State of Health, Kilometerstand, Alter, Ladezyklen, Zellspannung, Energiezählwerte und weitere Werte mit ein.
Diese Unabhängigkeit ist für Privatkäufer genauso wichtig wie für Flottenmanager, Remarketer und Versicherer: Alle brauchen eine Zahl, die über Marken und Modelle hinweg vergleichbar ist, statt einer Angabe, die je nach Hersteller-Software unterschiedlich ausfällt. (se)