Unbemannte Luftfahrzeuge Neues Technologiezentrum Drohnensicherheit geht in Cochstedt an den Start

Von Stefanie Eckardt 4 min Lesedauer

Der Drohnenangriff am Flughafen Halle/Leipzig Anfang August zeigte deutlich, wie verletzlich die deutsche Infrastruktur ist. Der Schutz von Flughäfen, kritischen Infrastrukturen und öffentlichen Einrichtungen vor missbräuchlich eingesetzten Drohnen muss daher forciert werden. Dem widmet sich nun das neue Technologiezentrum Drohnensicherheit, das am 18.August 2026 am Flughafen Magdeburg-Cochstedt seinen Betrieb aufnahm.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, Bundesforschungsministerin Dorothee Bär, Sven Schulze, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt und Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des DLR eröffneten am 18.08.2026 am Flughafen Magdeburg-Cochstedt feierlich das Technologiezentrum für Drohensicherheit.(Bild:  Stefanie Eckardt)
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, Bundesforschungsministerin Dorothee Bär, Sven Schulze, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt und Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des DLR eröffneten am 18.08.2026 am Flughafen Magdeburg-Cochstedt feierlich das Technologiezentrum für Drohensicherheit.
(Bild: Stefanie Eckardt)

Traurig, aber wahr: Störungen des Flugbetriebs durch Drohnen gehören mittlerweile fast zum Alltag. Das belegen auch die Zahlen: Allein 2025 wurden 116 relevante Drohnenstörfälle an 25 Verkehrsflughäfen gezählt. Der geschätzte betriebswirtschaftliche Schaden beläuft sich auf mindestens 60 Millionen Euro. Wie verletzlich Deutschland ist, dürfte nicht zuletzt der versuchte Anschlag mit einer Sprengstoffdrohne auf den Leipziger Flughafen am 4. August 2026 gezeigt haben. Eine Gefahr, die durchaus bekannt ist, wie Alexander Dobrindt, Bundesminister des Innern, bei der feierlichen Eröffnungsveranstaltung des neuen Technologiezentrums Drohnensicherheit in Cochstedt erklärte: „Wir wissen nicht erst seit Leipzig, dass wir von Drohnen bedroht werden. Hybride Angriffe sollen uns politisch und wirtschaftlich bezwingen. Wer auf Deutschland zielt und trifft, der trifft ganz Europa.“ Um dem „Schattenkrieg des 21. Jahrhunderts“ entgegenzutreten, bedarf es „gemeinsame Kraftanstrengungen, die wir als Bund und Länder antreten“.

Eine wichtige Errungenschaft dieser gemeinsamen Bemühungen konnte nun am 18. August 2026 eröffnet werden – nämlich das neue Technologiezentrum Drohnensicherheit am Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Flughafen Magdeburg-Cochstedt. Etwa 35 Kilometer südsüdwestlich von der sachsen-anhaltischen Hauptstadt Magdeburg entfernt, befindet sich der 1957 erbaute Flughafen Cochstedt, der 1994 zum Verkehrsflughafen umgebaut wurde. 2019 wurde der Flughafen an das DLR verkauft, das diesen als Reallabor für Drohnen und als Forschungsflughafen nutzt. Das DLR eröffnete dort 2021 ein „Nationales Erprobungszentrum für Unbemannte Luftfahrtsysteme“; seit 2022 sind auch Starts und Landungen nach vorheriger Anmeldung im Rahmen des Sichtflugbetriebs für kleinere Luftfahrzeuge möglich.

Neues Technologiezentrum Drohnensicherheit geht in Cochstedt an den Start
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Damit ist man am Standort prädestiniert, um Forschungen auch im Realbetrieb durchzuführen, wie Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt unterstrich: „Hier werden neue Anwendungen und Technologien getestet, für die Wirtschaft, für Behörden und nun verstärkt auch für unsere Sicherheit. Wir müssen alle gemeinsam anpacken, die Bundesregierung zusammen mit den Ländern, Wissenschaft, Wirtschaft sowie Sicherheitsbehörden und öffentliche Verwaltung, für Deutschlands Zukunft – eine Zukunft in Freiheit, Sicherheit und Wohlstand.“ Sie bezeichnete Cochstedt als ein Leuchtturm für Drohnenforschung, von dem sie sich viel erhofft: „In der Grundlagenforschung sind wir führend, in der Anwendung müssen wir schneller werden.“ Das soll nun in Cochstedt passieren.

Schnelligkeit ist entscheidender Faktor

Schnell klingt gut in den Ohren von Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Sven Schulze, der als Diplom-Wirtschaftsingenieur seine beruflichen Wurzeln in der Autobranche hat: „Im Vergleich zur Automobilentwicklung betragen die Entwicklungszyklen in der Drohnentechnik nur wenige Wochen.“ Vor allem die Entwicklung militärischer Drohnentechnologie. Denn wie sich leider am Beispiel des Ukraine-Russland-Kriegs sieht, überholt sich die Technik rasant durch elektronische Kampfführung wie Jamming oder Spoofing. Software-Anpassungen, KI-Integrationen und Modifikationen an FPV-Drohnen werden innerhalb von 2 bis 4 Wochen entwickelt, getestet und direkt an die Front gebracht.

Technologien für unbemannte Luftfahrtsysteme sowie für deren Detektion und Abwehr entwickeln sich also mit hoher Geschwindigkeit. Daher soll das Technologiezentrum Drohnensicherheit zukünftig dazu beitragen, neue Ansätze frühzeitig zu bewerten, weiterzuentwickeln und schneller in die praktische Anwendung zu überführen. Ein besonders wichtiger Aspekt ist der Einsatz von Drohnen in sicherheitsrelevanten Situationen sowie die effektive Abwehr von Bedrohungen durch Drohnen.

Im Fokus stehen Forschung und Entwicklung, die sich an konkreten Einsatzanforderungen orientieren. So hat sich das DLR auf die Fahnen geschrieben, bestehende und künftige Technologien realitätsnah zu bewerten. Dazu zählen beispielsweise Verfahren für den sicheren Drohnenbetrieb sowie Technologien zur Detektion und Abwehr unerwünschter Drohnen. Dafür werden unterschiedliche Szenarien und aktuelle sowie zukünftige Drohnensysteme unter kontrollierten Bedingungen dargestellt und ausgewertet.

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Lücken schließen, Know-how ausbauen

Des Weiteren will das DLR gemeinsam mit Unternehmen neue Ansätze schneller weiterentwickeln und damit bestehende Fähigkeitslücken gezielt schließen. Dafür stellt das DLR umfangreiches Fachwissen, Entwicklungsumgebungen, Simulatoren sowie Labor- und Testinfrastrukturen zur Verfügung. „Durch Transfer und Wissensaustausch können neue Ansätze aus der Forschung schnell und zielgerichtet in nutzbare Lösungen überführt werden“ betonte Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des DLR. „Denn wir entwickeln Technologie nicht um ihrer selbst willen – wir lösen konkrete Probleme und decken einen konkreten Bedarf. Forschung muss Wirkung entfalten – insbesondere dort, wo es um die Sicherheit unseres Landes geht.“

Das Angebot richtet sich an Unternehmen unterschiedlicher Größe – vom Start-up bis zum etablierten Hersteller. Sie können gemeinsam mit dem Zentrum Technologien entwickeln, erproben und demonstrieren. Gleichzeitig sollen die Anforderungen der späteren Anwender möglichst früh in die Entwicklung einfließen.

Auch außerhalb derartiger Projekte können Behörden und Unternehmen die Infrastruktur des Technologiezentrums für Tests und Demonstrationen nutzen. Behördenvertreterinnen und -vertreter können zudem beispielsweise in Projekten, über Hospitationen oder im Rahmen von Qualifizierungsangeboten mitwirken.

Drohnenentwicklung am DLR-Standort Braunschweig

Neben Cochstedt ist auch der DLR-Standort Braunschweig Teil des Technologiezentrums. In der niedersächsischen Stadt befindet sich ein Labor, wo Drohnen und entsprechende Technologien entwickelt und getestet werden, bevor man sie in Cochstedt unter realen Bedingungen erprobt. Braunschweig verfügt beispielsweise über einen Drohnenkäfig mit einer Grundfläche von 1.500 Quadratmetern und bietet auch Platz für Aufbauten wie Hindernisse oder Landeplätze. Über Stahlträger ist ein Netz aufgespannt, damit die Drohnen die Testumgebung nicht verlassen. (se)

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