Luftfahrt China: Erste reguläre Logistik-Route mit unbemannter Frachtdrohne

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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An Bord waren nur rund 200 Kilo Blaubeersaft und ein Paar Express-Pakete, aber der Flug hat Geschichte gemacht. Die unbemannte, autonom fliegende Drohne vom Typ „CarryAll V2000CG“ hat damit am 18. September 2025 ihren ersten kommerziellen Einsatz absolviert.

Die unbemannte, autonom fliegende Drohne CarryAll V2000CG von AutoFlight hat am 18. September 2025 ihren ersten kommerziellen Einsatz absolviert. (Bild:  AutoFlight)
Die unbemannte, autonom fliegende Drohne CarryAll V2000CG von AutoFlight hat am 18. September 2025 ihren ersten kommerziellen Einsatz absolviert.
(Bild: AutoFlight)

Mit dem Flug ist eine regelmäßige, unbemannte Drohnen-Frachtroute zwischen dem Blaubeer-Anbaugebiet rund um den Kreis Huaining in der Provinz Anhui und der Provinzhauptstadt Hefei eröffnet worden, wo es einen großen Markt für landwirtschaftliche Produkte gibt. Der 161 Kilometer lange Flug dauerte eine Stunde, berichtet die China Daily. Es sei ein Meilenstein für die Entwicklung der chinesischen „Low Altitude Economy“ im Bereich Logistik, kommentierte die Zeitung, insbesondere für die Niedrigflug-Wirtschaft mit großen Frachtdrohnen. Das Blaubeer-eVTOL wiegt zwei Tonnen und kann bis zu 400 Kilogramm Fracht transportieren.

Entwickelt von dem erst 2019 gegründeten Startup AutoFlight in Shanghai ist es die erste Drohne dieser Größe (mehr als eine Tonne Eigengewicht) weltweit, die erfolgreich grünes Licht von den Aufsichtsbehörden für reguläre, kommerzielle Frachtflüge erhalten hat, in diesem Fall von der chinesischen Luftaufsichtsbehörde CAAC.

eVTOL ideal für Logistik-Bereich

Das eVTOL vereint die Vorzüge eines Helikopters, weil es auch voll beladen senkrecht starten und landen kann und dafür wenig Platz braucht, mit denen eines Starrflügel-Flugzeugs (“fixed-wing“), was ihm eine Reisegeschwindigkeit von 200 km/h und eine Reichweite von 200 Kilometern ermöglicht, wie die chinesische Wissenschaftszeitung Keji Ribao schreibt.

Im August hatte dieselbe Drohne bereits erste Schlagzeilen gemacht, als sie auf einer Offshore- Ölbohrinsel gelandet ist, die gut 150 Kilometer von Shenzhen entfernt im Südchinesischen Meer verankert ist. Dieser Flug dauerte 58 Minuten und chinesische Medien betonten, dass die Lieferung von frischem Obst für die Besatzung, Medizin für die Notfallversorgung und anderen Gütern für die Plattform normalerweise mit dem Schiff erfolge und rund zehn Stunden dauere.

Hier hatte es sich noch um einen Testflug gehandelt, gemeinsam durchgeführt von der „China National Offshore Oil Corporation“ (CNOOC), CITIC Offshore Helicopter und Autoflight. Die große unbemannte Drohne sei aber auf Dauer billiger als Hubschrauber, die neben Booten für die Versorgung solcher Öl- und Gas-Plattformen eingesetzt werden, zitierte die Global Times einen Mitarbeiter des Flugbetreibers. Darüber hinaus fliegen die E-Drohnen emissionsfrei und haben eine so geringe Reaktionszeit, dass sie in Notfällen jede Hubschrauber-Crew in punkto Schnelligkeit schlagen, so der Betreiber.

Wertschöpfungskette eVTOL in China(Bild:  Asia Waypoint)
Wertschöpfungskette eVTOL in China
(Bild: Asia Waypoint)

Touristische Sightseeing-Flüge

Außer in der Logistik für den Transport landwirtschaftlicher und sonstiger Güter und für solche Versorgungsflüge zu Bohrinseln werden Drohnen in China in diesem Jahr immer häufiger für Sightseeing-Flüge von Touristen eingesetzt. In Shenyang im Norden Chinas hat man erste Testflüge zu diesem Zweck durchgeführt. Die Provinz Jiangxi hat mit touristischen Flügen auf dem „Ganpo Luftkorridor“ begonnen.

Mehrere Hersteller in China lassen gerade die Testphase hinter sich und beginnen, mit ihren Drohnen sowohl im Inland wie im Ausland Geschäfte zu machen. So hat beispielsweise die „Guizhou Scenic Tourism Development Co., Ltd.“ im Juni eine Bestellung für 50 Drohnen vom Typ EH216-S bei EHang Intelligent aufgegeben, berichtet das chinesische Fachportal Dianzi Gongcheng Shijie.

Ehang hatte als erster Hersteller eine Lizenz für „bemannte eVTOL-Flugdienste für Endverbraucher“ erhalten und hatte auch auf der diesjährigen „Paris Air Show“ Aufsehen erregt. Seine EH216-S wird genauso wie das Zweitonnen-Gerät von Autoflight rein elektrisch angetrieben. Immer bessere Batterien, vor allem Festkörperbatterien („solid state“) und deren Vorgänger („semi solid“), ermöglichen immer größere Reichweiten und den Transport von immer mehr Nutzfracht.

Die chinesische Regierung in Peking setzt stark auf die Low-Altitude-Economy, sieht „großes Potenzial“, wie auch die regierungsnahe Global Times kommentiert. Das gilt auch für den Export. Das Startup TCAB Tech (Shidi Keji) hat Mitte Juli bekannt gegeben, 350 seiner Drohnen vom Typ „E20“ an den Betreiber Autocraft in den Vereinigten Arabischen Emiraten verkaufen zu können. Eine entsprechende Absichtserklärung über den Deal sei von beiden Seiten unterzeichnet worden. Er habe einen Gesamtwert von einer Milliarde US-Dollar, berichtet die Global Times. (se)

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