Luftfahrt Neue Flugautos mit KI: Chinas Low-Altitude-Economy hebt ab

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Xpeng hat Anfang November ein neues Flugauto vorgestellt. Der „Aridge A868” ist das erste, das seit der Umbenennung der Flugsparte des Unternehmens in Aridge mit Flugtests begonnen hat. Zuvor hatte sich die Flugauto-Abteilung des chinesischen E-Auto-Startups „Xpeng AeroHT“ genannt.

Der Xpeng Aridge A868 ist ein reines Flugauto mit einer Kabine für sechs Passagiere. Es hat einen Hybrid-Antrieb, erreicht damit eine Spitzengeschwindigkeit von 360 km/h und eine Reichweite von rund 500 Kilometern.(Bild:  Xpeng)
Der Xpeng Aridge A868 ist ein reines Flugauto mit einer Kabine für sechs Passagiere. Es hat einen Hybrid-Antrieb, erreicht damit eine Spitzengeschwindigkeit von 360 km/h und eine Reichweite von rund 500 Kilometern.
(Bild: Xpeng)

Es ist das zweite Modell von Xpeng aus dem Bereich neue Mobilität nach dem „Land Aircraft Carrier“, das aus einem E-Auto mit Passagier-Drohne auf dem Dach besteht und 2026 in Serie gehen soll. Das neue A868 ist ein reines Flugauto mit einer Kabine für sechs Passagiere. Es hat einen Hybrid-Antrieb, erreicht damit eine Spitzengeschwindigkeit von 360 km/h und eine Reichweite von rund 500 Kilometern, gab Xpeng bekannt.

Dank seiner Rotoren kann es senkrecht starten, ist also ein Electrical Vertical Take-Off and Landing (eVTOL). In der Luft können die Rotoren dann so nach vorne und in eine vertikale Position gedreht werden, dass sie wie Propeller wirken und der A686 wie ein normales „Fixed-Wing“-Flugzeug weiterfliegt. Zur Landung werden die Rotoren dann erneut in die waagerechte Position gebracht, die man von Hubschraubern kennt. Es handelt sich also um eine sogenannte Tilt-Rotor-Architektur.

Neues KI-Modell

In einem Video, das Xpeng veröffentlicht hat, ist ein Pilot zu sehen, der das eVTOL vom Cockpit aus mit einer Art Joystick kontrolliert. Der A686 ist also keine autonom fliegende Passagierdrohne. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis autonome Passagierdrohnen in China Lizenzen erhalten können. Dem Piloten des A868 wird aber genau wie schon beim Land Aircraft Carrier ein Autopilot mit KI- und VLA-Technologie zur Verfügung stehen.

Auf seinem diesjährigen „Xpeng AI Day” am 5. November hat das Unternehmen sein neues Produkt XPENG VLA 2.0 vorgestellt. Dabei soll es sich um einen neuen Typ von KI-Modell handeln, ein „Physical World Large Model“, das die Fähigkeiten eines LLM im Text- und Bildbereich um die Interaktion mit der Hardware erweitert, hieß es. Bei der Umsetzung von visuellen Signalen in Handlungsanweisungen entfalle dabei durch eine neuartige „Vision Implicit Token Action“ der Zwischenschritt über die Sprache, hieß es seitens des Unternehmens.

Embodied-AI branchenübergreifend einsetzen

Diese Form von „embodied AI“, die Domänen-übergreifend, also auch für humanoide Roboter und Robotaxis genutzt werden kann, soll nicht nur in dem neuen Flugauto A686 zum Einsatz kommen, sondern auch in zukünftigen Produkten anderer Art, sagte Firmengründer He Xiaopeng auf dem Event. Er habe die Positionierung seines Unternehmens in die eines „Mobilitätspioniers in der Welt der physikalischen KI und als globales Unternehmen für Embodied Intelligence“ geändert, so He. Zuvor hatte er bereits als erstes chinesisches E-Auto-Start bewusst auf KI gesetzt.

Nun signalisiert er als globale Ambitionen nicht als Hersteller von Elektrofahrzeugen mit künstlicher Intelligenz, sondern als Hersteller verschiedener Mobilitäts-Lösungen mit KI. Auch das Rebranding der Flugsparte von „Xpeng Aeroht“ in „Xpeng Aridge“ ist in diesem Kontext zu verstehen.

Nahverkehrsmarkt im Fokus

Mit dem nun vorgestellten Flugauto Aridge A686 zielt Xpeng auf den Nahverkehrsmarkt für Flüge von unter einer Stunde, etwa innerhalb der Megacity-Cluster „Greater Bay Area“ rund um Shenzhen und Hongkong, sowie in dem Cluster um das Mündungsdelta des Jangtsekiang-Flusses zwischen Shanghai, Hangzhou und Nanjing. Auch für den Tourismus soll es vermarktet werden, für sogenannte Selbstflug-Touren. „Zwischen 2027 bis 2030 dürfte das Fluggerät zu einem ergänzenden Verkehrsmittel für den interurbanen Pendelverkehr werden“, schreibt die Tageszeitung Nanfang Ribao. Das ist eine recht realistische Prognose, denn Chinas kommunistische Staats- und Parteiführung hat die „Low Altitude Economy“ – auf Deutsch so viel wie Niedrig-Flugraum-Wirtschaft, also alles was sich bis etwa 1.000 Meter über dem Erdboden bewegt – im neuen Fünfjahresplan zu einem Schwerpunkt der nationalen Entwicklung erklärt.

Das neue Flugauto von Xpeng ist ein weiteres Beispiel dafür, dass diese Low-Altitude-Economy in China sich sehr schnell aus der Design- und Konzeptphase in Richtung Marktreife und Massenfertigung bewegt. Man könnte auch sagen, sie „hebt ab“. (se)

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