In Deutschland sind zu Jahresanfang 2026 so viele Autos zugelassen wie nie zuvor. Gleichzeitig wächst der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge deutlich. Somit steigt auch das Potenzial, Millionen Fahrzeugbatterien künftig zur Stabilisierung des Stromnetzes einzusetzen.
Deutschlands Pkw-Flotte wächst – und wird elektrischer.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Zum Jahresanfang 2026 kamen in Deutschland 593 Personenkraftwagen auf 1.000 Einwohner, berichtet das Statistische Bundesamt Destatis im Juli 2026. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Pkw-Dichte damit erneut gestiegen: 2025 hatte sie bei 590 Fahrzeugen gelegen, 2024 bei 588. Insgesamt waren zum 1. Januar 2026 rund 49,5 Millionen Pkw zugelassen, das sind etwa 200.000 mehr als ein Jahr zuvor und damit neuer Rekord.
Die regionale Verteilung bleibt dabei ausgesprochen unterschiedlich, verändert sich im Vorjahresvergleich allerdings nicht wirklich. Die höchste Pkw-Dichte verzeichneten das Saarland mit 649 Fahrzeugen je 1.000 Einwohner, Rheinland-Pfalz mit 644 und Bayern mit 639. Am niedrigsten lag sie in den Stadtstaaten Berlin mit 330, Bremen mit gerundet 427 und Hamburg mit 432 Pkw. In den Flächenländern nahm die Pkw-Dichte zu, während sie in den Stadtstaaten zurückging. Ein Grund dürfte das dichtere Angebot des öffentlichen Nahverkehrs in den Großstädten sein. In ländlichen Regionen sind die Wege dagegen häufig länger und Alternativen zum eigenen Auto begrenzter.
Mit dem Bestand an Personenkraftwagen wuchs zuletzt auch die Nutzung. Im Jahr 2024 legten Pkw hierzulande insgesamt 576,3 Milliarden Kilometer zurück; etwa ein Prozent mehr als 2023. Vom Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019 ist der Straßenverkehr allerdings noch entfernt: Damals belief sich die Fahrleistung auf 639,3 Milliarden Kilometer. Der größte Teil dieser Leistung entfällt auf private Haushalte. Sie legten 2024 insgesamt 480,3 Milliarden Kilometer zurück und damit 83,3 Prozent der gesamten Pkw-Fahrleistung. Weitere 96 Milliarden Kilometer entfielen auf gewerblich genutzte Fahrzeuge.
Mehr als zwei Millionen Elektroautos im Bestand
Die gute Nachricht mit Blick auf die Energie- und Mobilitätswende: Innerhalb der wachsenden Fahrzeugflotte gewinnen batterieelektrische Autos an Bedeutung. Zum 1. Januar 2026 waren nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts 2.034.260 reine Elektro-Pkw zugelassen. Ihr Anteil am Gesamtbestand stieg damit innerhalb eines Jahres von 3,3 auf 4,1 Prozent. Die absolute Zahl nahm gegenüber Anfang 2025 um 23,2 Prozent zu.
Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung bei den Neuzulassungen. Von Januar bis Juni 2026 kamen 368.006 batterieelektrische Pkw neu auf die Straße. Das waren 48 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der BEV-Anteil an allen Pkw-Neuzulassungen stieg von 17,7 auf 24,8 Prozent. Allein im Juni 2026 entfielen mit 84.057 Fahrzeugen bereits 28,4 Prozent der Neuzulassungen auf reine Elektroautos. Die neue staatliche Förderung dürfte diese Entwicklung unterstützen, denn private Haushalte können für seit dem 1. Januar 2026 erstmals zugelassene Elektroautos rückwirkend einen sozial gestaffelten Zuschuss beantragen.
Wie groß der Anteil der Förderung am bisherigen Zulassungsplus ist, lässt sich aus den KBA-Zahlen allerdings nicht ablesen. Der Aufwärtstrend hatte bereits vor Öffnung des Antragsportals im Mai 2026 eingesetzt; zugleich war die rückwirkende Förderung seit Januar angekündigt.
Elektroautos werden zu steuerbaren Verbrauchern
Mit der Zahl der Elektroautos wächst nicht nur der Strombedarf. Intelligent gesteuerte Ladevorgänge können zugleich Flexibilität für ein zunehmend von Wind- und Solarenergie geprägtes Stromsystem bereitstellen. Dafür muss nicht zwingend Energie aus den Fahrzeugbatterien zurück ins Netz fließen. Bereits die Verschiebung des Ladevorgangs in geeignete Stunden kann das Netz entlasten.
Wie das funktionieren kann, hat das Projekt OctoFlexBW von TransnetBW und Octopus Energy Deutschland mit mehr als 700 Elektrofahrzeugen erprobt. Die Ladevorgänge ließen sich netzdienlich steuern, ohne die Nutzung der Fahrzeuge spürbar einzuschränken. Nach Angaben der Projektpartner erreichte die Flotte eine täglich steuerbare Energiemenge von zwei Megawattstunden.
Auf eine Million Fahrzeuge hochgerechnet entspräche dies drei Gigawattstunden pro Tag. Die Projektpartner gehen davon aus, dass eine solche Flotte jährlich bis zu 0,5 Terawattstunden Flexibilität und damit drei bis fünf Prozent des deutschen Redispatch-Bedarfs bereitstellen könnte. Voraussetzung dafür sind intelligente Messsysteme, standardisierte Schnittstellen, variable Stromtarife und eine sichere Kommunikationsinfrastruktur. Mit mehr als zwei Millionen batterieelektrischen Pkw im Bestand wächst das technisch erschließbare Potenzial – seine Nutzung hängt jedoch davon ab, ob Regulierung und Infrastruktur mit der Fahrzeugflotte Schritt halten. (sb)
Stand: 08.12.2025
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