Mondial de l'Auto Laues Lüftchen an der Seine

Von Andreas Wehner

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bemühte sich redlich, der Pariser Automesse mit seiner stundenlangen Anwesenheit etwas Bedeutung zu verleihen. Allerdings gibt es dort kaum etwas zu sehen. Nicht mal die französischen Autobauer sind mit allen Marken in den lediglich drei Messehallen vertreten.

Der Wey Coffee 01, ein Plug-in-Hybrid mit 145 Kilometern rein elektrischer Reichweite, steht symbolisch für die Pariser Automesse: Die Chinesen machen den großen Aufschlag, während es sonst wenig zu sehen gibt.
Der Wey Coffee 01, ein Plug-in-Hybrid mit 145 Kilometern rein elektrischer Reichweite, steht symbolisch für die Pariser Automesse: Die Chinesen machen den großen Aufschlag, während es sonst wenig zu sehen gibt.
(Bild: Wehner/Vogel Communications Group)

Es ist meine erste Mondial de l'Auto. „Und? Haben Sie schon alles gesehen?“, frotzelt ein Gesprächspartner, mit dem ich mich am Pressetag gegen Mittag in den Pariser Messehallen verabredet hatte. Ich brauche einen Moment, bis ich den Sarkasmus in dieser Frage verstanden habe. Ich habe tatsächlich schon alles gesehen. Nach etwa drei Stunden auf der Messe inklusive einer knapp halbstündigen Testfahrt im Citytransformer.

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Es ist fast schon traurig, was von einer der einst größten weltweiten Automessen übrig geblieben ist. Nicht einmal die französischen Autokonzerne sind mit allen Marken vor Ort: Citroën fehlt. Deutsche, japanische und koreanische Hersteller blieben der Pariser Messe komplett fern. Lediglich bei Mercedes gab es eine Veranstaltung im Umfeld der Messe, bei der der EQE SUV vorgestellt wurde. Das spricht allerdings nicht für ein Interesse an der einzigen europäischen Autoshow des Jahres – eher im Gegenteil.

Europastart für Chinesen

Recht große Auftritte haben dagegen neue Marken aus Asien. BYD stellte seine kommende europäische E-Auto-Produktpalette vor, die aus dem C-SUV Atto 3, dem siebensitzigen D-SUV Tang und der Limousine Han besteht. Zudem präsentieren die Chinesen mit dem Seal schon das nächste Modell. Die kleine Limousine ist ein Konkurrent des Tesla Model 3 und könnte bereits in der ersten Jahreshälfte auf den Markt kommen.

Great Wall Motors ist mit seinen Fabrikaten Wey und Ora vertreten. Wey wollen die Chinesen als Premiummarke positionieren. Der Fokus liegt auf Plug-in-Hybrid-SUVs, die mit einer besonders hohen elektrischen Reichweite punkten sollen. So kommt das erste Modell Coffee 01, das noch in diesem Jahr startet, nur mit Strom rund 150 Kilometer weit. Der Marktstart des kleineren Coffee 02 steht noch nicht fest. Er soll aber über eine ähnliche rein elektrische Reichweite verfügen.

Die Schwestermarke Ora setzt auf batterieelektrische Modelle und startet noch in diesem Jahr mit dem Vertrieb des Lifestyle-Kompaktmodells Funky Cat. In Deutschland sollen die ersten Kunden Anfang 2023 ihre Fahrzeuge bekommen. Importeurs-Chef Jens Schulz rechnet mit mindestens 6.000 verkauften Einheiten im kommenden Jahr. Als zweites Modell stellte Ora eine größere Limousine vor.

Auch der vietnamesische Autobauer Vinfast plant den Start in Europa und präsentiert seine Elektro-Palette: VF 6, VF 7, VF 8 und VF 9. Mit ihnen deckt der Hersteller die Segmente B bis E ab. Im Frühjahr sollen die ersten Fahrzeuge ausgeliefert werden. Das Unternehmen hat inzwischen nach eigenen Angaben weltweit etwa 65.000 Reservierungen eingesammelt.

Ebenfalls in Paris zu sehen sind die Elektro-SUVs der Marke des chinesischen Herstellers DFSK. Der Seres 3 ist auch in Deutschland über den Importeur Indimo erhältlich. Auf der Messe steht zudem der größere Seres 5.

Renault im Retro-Fieber

Ach – und da sind ja noch die Franzosen: Bei Renault ist Revival-Zeit. Dass es eine Neuinterpretation des R5 geben soll, ist bereits bekannt. In Paris zeigt der Autobauer jetzt als abgefahrene Sportvariante den R5 Turbo. Auch vom R4 wird es eine Neuauflage geben – als Elektro-SUV. Die Studie 4-Ever Trophy gibt einen Ausblick. Schon im Frühjahr kommt die Elektro-Variante des Kangoo als Personenwagen auf den Markt.

Bei der Tochter Dacia steht der Jogger als Hybrid in den Startlöchern. Vor allem aber zeigt Dacia in Paris die neue Optik. Dafür steht vor allem die Offroad-Studie Manifesto. Bei Renaults Sportwagenableger Alpine ist das Konzept eines Elektro-Supersportwagens zu sehen. Sollte der Alpenglow tatsächlich in Serie gehen, dürfte er jedoch nicht für große Stückzahlen gut sein.

Und dann ist da noch Mobilize. Die Limousine Limo ist bereits bekannt. Künftig Renaults Mobilitäts-Tochter dem Twizy neues Leben einhauchen. Der Nachfolger Duo ist ein für Carsharing konzipierter zweisitziger City-Flitzer, den es auch im Abo geben soll.

Stellantis ist mit Peugeot, DS und einem kleinen Jeep-Stand in Paris. Neben der Messepremiere des408 präsentiert der Konzern die Facelift-Varianten des DS3 und des DS7. Und bei Jeep ist mit dem Avenger der erste batterieelektrische Geländewagen der Marke zu sehen. Eine Marke fehlt dagegen: Citroën ist auf der Messe in diesem Jahr nicht vertreten.

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Kleinfahrzeuge an allen Ecken

Ansonsten stehen auf der Messe diverse Elektro-Kleinfahrzeuge. Der Isetta-Clon Microlino dürfte darunter noch der bekannteste sein. Aber auch der City-Transformer, ein Mini-Flitzer mit zwei hintereinander angeordneten Sitzen und einer verstellbaren Spur, wagt einen Aufschlag. Und auch E-Go ist mit einem Derivat seines Elektro-Cityflitzers vor Ort – da ist dann also doch noch ein deutscher Hersteller vertreten. Auch zwei Exoten haben den Weg nach Paris gefunden: Der Namx HUV und der Hopium Machina sind beides Luxuslimousinen mit Wasserstoffantrieb. Ersterer will ein Kapselsystem etablieren, um die Autos mit Wasserstoff zu versorgen.

Obwohl nur drei Hallen offen sind, finden sich viele luftige Flächen auf der Messe. Zwar haben die Veranstalter versucht, den Leerstand mit ein paar Sportwagen und Oldtimern aufzufüllen. Zudem finden sich Teile- und Zubehörhersteller sowie Dienstleister.

Das täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass die Zeit der großen Automessen in Europa offenbar vorbei ist. Da nützt es auch nichts, dass Frankreichs Präsident Emanuel Macron den großen Aufschlag machte und trotz der überschaubaren Zahl an Ständen mehrere Stunden auf der Messe verbrachte. Es war meine erste Mondial de l‘Automobile. Und es wird vermutlich meine letzte sein.

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