Das Fahrzeug wandelt sich von einem reinen Hardware-Objekt hin zu einer rollenden Computerplattform, die sich dank Over-the-Air-Updates über ihren gesamten Lebenszyklus optimieren lässt. Das Fahrzeug wird so Teil digitaler Ökosysteme. Daher rücken künstliche Intelligenz und Cybersecurity sowie digitale Infrastruktur und Datenräume in den Vordergrund.
Künstliche Intelligenz im Automobil: In Berlin fand Mitte April das Treffen der eco Kompetenzgruppe Mobility statt, das deutlich zeigte: Die Automobilindustrie befindet sich im Wandel weg vom reinen Produkt hin zur datengetriebenen Plattformökonomie.
(Bild: Stefanie Eckardt)
Berlin gilt als eine der weltweit aktivsten Städte für die Erforschung von künstlicher Intelligenz, Unternehmertum und kritisches Denken über Technologie. Kein Wunder, dass das Unternehmen in der deutschen Hauptstadt das Google AI Center Berlin etabliert hat, um den Austausch zur Zukunft der KI zu ermöglichen. Seit März dieses Jahres bieten die Räumlichkeiten an der Spree mit einer Forschungsetage, einem KI-Demo-Space und eine neue Veranstaltungsfläche Entwicklern und Forschern die Möglichkeit, Grundlagenforschung mit realen Problemen zu verbinden und Lösungen zu erarbeiten. Gleichzeitig steht das Center auch Studenten, die in das Feld einsteigen, aber auch Bürgern und Politikern offen, die verstehen wollen, wohin KI führt.
Im Google AI Center Berlin drehte sich im Rahmen der Veranstaltung "KI im Automobil: Praxisrelevante Herausforderungen aus Sicht der Digitalen Infrastrukturen“ alles rund um künstliche Intelligenz, SDV-Architekturen, Cybersecurity, Performance und Skalierung.
(Bild: Stefanie Eckardt)
Vor diesem Hintergrund bot sich Ende April das Google AI Center Berlin als Diskussionsort für die Veranstaltung des eco - Verband der Internetwirtschaft „KI im Automobil: Praxisrelevante Herausforderungen aus Sicht der Digitalen Infrastrukturen“ an. Der Verband beschäftigt sich vor allem innerhalb der Kompetenzgruppe Mobility mit dem Software-definierten Fahrzeug (Software defined Vehicle, SDV) als wichtigen Bestandteil für die digitale Wettbewerbsfähigkeit von Europa. Damit das SDV zukünftig über die Straße rollt, bedarf es einer engen Zusammenarbeit von Automobil- und Internetwirtschaft. Netze, Cloud, Datenräume, Interoperabilität, KI und Cybersecurity bilden die Basis. Die Veranstaltung diskutierte die folgenden Punkte:
KI im Fahrzeug & autonomes Fahren: SDV-Architekturen, Cybersecurity, Performance und Skalierung.
Industrial & Agentic AI: Einsatzszenarien zwischen industrieller KI, Entscheidungsautomatisierung und operativer Exzellenz.
Digitale Infrastrukturen: Rolle leistungsfähiger Netze, Interconnection, Edge-Strategien, Latenzanforderungen und Resilienz in Deutschland und Europa.
Datenräume als Business-Enabler: Mobility Data Space, Catena-X und Gaia-X als Grundlage für Datensouveränität, Interoperabilität und neue KI-basierte Services
Bitte keine Überregulierung, sondern genaue Definitionen
An einem Strang in puncto europäische Digitalpolitik zieht der eco Verband mit dem VDA. Denn es ist klar, dass die europäische und vor allem die deutsche Automobilindustrie in einer zunehmend digitalen und vernetzten Welt wettbewerbsfähig bleiben muss. Dazu bedarf es einer effizienten und konsistenten Regulierungslandschaft. Vor allem, was das Thema künstliche Intelligenz angeht. Aber – betont Martin Lorenz, Leiter des Bereichs Security, Daten & Digitalisierung bei VDA – „KI muss reguliert werden, aber wir brauchen keine 365 Gesetze. Und auch keinen Flickenteppich“. Wichtig sind genaue Definitionen, wenn man beispielsweise den KI-Begriff im aktuellen EU-Gesetz betrachtet. Eine ungenaue Definition kann die Folge haben, dass alle KI-Systeme rund um das Auto pauschal als hochriskant eingestuft werden – was sie jedoch nicht sind, wenn es sich um Prozesse ohne Gefährdungspotenzial handelt. Des Weiteren werden Doppelregulierungen, etwa wenn KI bereits durch bestehende sektorale Gesetze reguliert ist, zum Hemmschuh.
Grundlage für Datensouveränität: Catena-X und Mobility Data Space
Im Verlaufe der Veranstaltung beschäftigte sich die Veranstaltung mit dem Thema Datenräume als neue Grundlage für Datensouveränität und neue Geschäftsmodelle. In puncto Datensouveränität kommt man um verschiedene Initiativen, wie Mobility Data Space oder Catena-X nicht herum. Catena-X als offenes, speziell für die Automobilindustrie entwickeltes Datenökosystem ermöglicht beispielsweise einen standardisierten und sicheren Datenaustausch, ohne zentrale Datenbestände aufbauen zu müssen. Das Kernelement dieses Netzwerks ist ein gemeinsames Angebot föderierter Daten und Dienste, das es Unternehmen ermöglicht, Markteinführungszeiten zu verkürzen, Ressourcen effizienter zu nutzen sowie die Transparenz und Resilienz von Wertschöpfungsprozessen zu steigern.
Wie ermöglichen Datenräume neue Geschäftsmodelle? Roundtable-Diskussion mit Anja Lang, BMW, Michael Gröschel von der IAV, Andreas Heindl, Acatech Bereich Mobility Data Space, Michael Büttmann von ABB E-Mobility und Moritz Stober, MDS (vlnr).
(Bild: Stefanie Eckardt)
Das klingt auf dem Papier gut, ist aber in der Praxis mit etlichen Herausforderungen verbunden. Zum einen bleiben im Vergleich zu zentralen Plattformen die Daten bei Catena-X dezentral. Unternehmen müssen ihre Systeme so konfigurieren, dass sie die Kontrolle behalten und den Zugriff über strenge Regeln steuern können, was technologisch anspruchsvoll ist. Darüber hinaus ist eine einheitliche Datensprache notwendig. Die Anpassung der bestehenden IT-Landschaften an diese neuen, branchenweiten Standards ist aufwendig. Welche Lösungen es gibt, um die Herausforderungen zu bewältigen und wie Datenräume neue Geschäftsmodelle ermöglichen können, diskutierten Anja Lang, BMW, Michael Gröschel von der IAV, Andreas Heindl, Acatech Bereich Mobility Data Space, Michael Büttmann von ABB E-Mobility und Moritz Stober, MDS. Zunächst war man sich vor allem in einem einig, wie Moritz Stober betonte: „Digitale Souveränität ist ein gesamtgesellschaftliches Thema.“ Das sähe man nicht zuletzt, welche Rolle auch Social Media spielen kann – insbesondere in Hinblick auf die US-amerikanischen Wahlen.
Einer Lösung für die genannten Herausforderungen kam man allerdings im Verlauf des Abends nur bedingt näher. Denn wie lassen sich Daten vergolden, sprich ein sinnvolles Geschäftsmodell entwickeln. Wo ist der Startpunkt? „Rohdaten zu monetarisieren, ist der Tod des Datenraums“, bringt es Anja Lang auf den Punkt. „Da sind wir wieder bei Silos. Am Ende des Tages ist es ganz einfach – man gibt in den Datenraum etwas rein und bekommt etwas zurück.“ Doch so einfach wie es klingt, ist es leider doch nicht. Denn in einer konservativen Branche wie der Automobilindustrie hat man nach wie vor Angst, dass man mit geteilten Daten Kontrolle und Wettbewerbsvorteile verliert.
Stand: 08.12.2025
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Fazit: Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus den Diskussionen ziehen? Wohl vor allem eines: der zentrale Engpass liegt nicht in der technologischen Machbarkeit, sondern im Zugang, Austausch und der Orchestrierung von Daten. Fehlende Interoperabilität und begrenzte Kollaboration, insbesondere zwischen Automobilherstellern verhindern derzeit eine skalierbare Wertschöpfung. Das Ziel muss sein Datenräume aufzubauen, zu nutzen und unternehmensübergreifend in Wertschöpfung zu überführen. Der steinige Weg ist die Klärung des Wie. (se)