Schifffahrt Strom auf Schiffen mittels Methanol-Brennstoffzelle erzeugen

Von Thomas Günnel

Strom an Bord von Schiffen aus Methanol-Brennstoffzellen statt aus Dieselgeneratoren: Das dänische Unternehmen Blue World Technologies entwickelt ein entsprechendes System. Start der Serienproduktion soll noch in diesem Jahr sein.

Das Unternehmen Blue World Technologies will ein Hilfsstromaggregat für Schiffe herstellen, das mittels Methanol-Brennstoffzelle funktioniert.
Das Unternehmen Blue World Technologies will ein Hilfsstromaggregat für Schiffe herstellen, das mittels Methanol-Brennstoffzelle funktioniert.
(Bild: Hapag-Lloyd AG)

Der Schiffsverkehr verursacht rund drei Prozent der jährlichen weltweiten Treibhausgasemissionen. Der dänische Brennstoffzellenhersteller Blue World Technologies will mit einem neuen Hilfsstromaggregat (Auxiliary Power Unit, APU) diese Emissionen zumindest teilweise senken. Das Aggregat wird betrieben mittels Methanol-Brennstoffzelle und soll herkömmliche Dieselgeneratoren für die Stromversorgung an Bord ersetzen. Die Serienproduktion der Hochtemperatur-Polymerelektrolytmembran-Brennstoffzellen (HT-PEM) soll noch im Dezember 2022 beginnen.

Die Konfiguration der modularen Stromversorgungssysteme besteht aus 200-Kilowatt-Gehäusen mit einer gebündelten Energieleistung im Megawattbereich. Die Energieeffizienz des System beziffert Blue World Technologies mit 45 bis 60 Prozent. Sie eignen sich für neue Schiffe und zum Nachrüsten in bestehende Schiffe.

„Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass sich die Verwendung von erneuerbarem Methanol als Kraftstoff für Schiffe zu einem globalen Trend entwickelt. Es werden mehr und mehr methanolbetriebene Schiffe gebaut – Frachter, Kreuzfahrtschiffe und große Hochseecontainerschiffe", begründet Mads Friis Jensen, Mitgründer und Chief Commercial Officer von Blue World Technologies, die Strategie.

Erneuerbares Methanol für den Schiffsverkehr

„Erneuerbares Methanol gilt als einer der vielversprechendsten Kraftstoffe im Schiffsverkehr. Weltweit haben namhafte Reedereien damit begonnen, ihre Flotten auf diesen grünen Kraftstoff umzurüsten“, teilte eine Sprecherin von Blue World Technologies mit. Die angekündigten Brennstoffzellen arbeiten CO2-frei. Zudem stoßen sie laut Hersteller keine NOx-, SOx- und Partikelemissionen aus.

Erst Anfang November hatte Bundesforschungsministerin Stark-Watzinger das mit Methanol betriebenen See- und Forschungsschiff „Uthörn II“ des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, getauft. Die „Uthörn II“ fährt ausschließlich mit klimafreundlichem Methanol als Treibstoff. Bei dessen Verbrennung gelangen deutlich weniger Rußpartikel in die Luft als bei Benzin, Schiffsdiesel oder Schweröl. Zudem hinaus löst sich Methanol rückstandslos in Wasser.

Grünes Methanol könnte aus Bremerhaven kommen

Um das neue Forschungsschiff nach der Übergabe von Beginn an CO2-neutral zu betreiben, wird laut Bundesregierung ein Liefervertrag für grünes Methanol vereinbart. Mittelfristig könnte der außerdem vor Ort in Bremerhaven entstehen. In der Nähe des Alfred-Wegener-Instituts entsteht ein Kompetenzzentrum für Wasserstoff.

„In einem Modellprojekt soll dort aus regenerativem Strom einer Windenergie-Anlage durch Elektrolyse grüner Wasserstoff hergestellt werden“, teilte die Bundesregierung Anfang November mit. „Im nächsten Schritt soll dann mit CO2 aus einer nahen Kläranlage grünes Methanol synthetisiert werden. Dessen Verbrennung setzt lediglich das CO2 frei, das bei seiner Produktion zuvor gebunden wurde.

Methanol-Brennstoffzelle auch für den Schiffsantrieb

Blue World Technologies will in den kommenden Jahren auch Schiffsantriebe mit seiner Methanol-Brennstoffzelle auszurüsten. Die Hochtemperatur-Brennstoffzellen arbeiten bei 160-180 Grad Celsius. Ein Teil der Abwärme lässt sich für die Dampfreformierung von Methanol nutzen; also das Erzeugen von Wasserstoff aus einem Methanol-Wasser-Gemisch. Außerdem eignet sich die Abwärme für eine zusätzliche Energierückgewinnung.

Das Engagement des Unternehmens in maritimen Anwendungen wird unterstützt von der von Bill Gates gegründeten Investorengruppe Breakthrough Energy Ventures. Sie hat sich im August 2022 am Unternehmen beteiligt und damit die zweite Finanzierungsrunde in Höhe von insgesamt 37 Millionen Euro abgeschlossen.

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