Arbeitskräftemangel Europa fehlen rund 500.000 Berufskraftfahrer

Von Thomas Günnel 3 min Lesedauer

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Weltweit fehlen Berufskraftfahrer. Allein in Europa rund 500.000. Ein Bericht zeigt: Unternehmen schlagen deshalb Aufträge aus; und bis 2030 gehen voraussichtlich noch mehr Trucker in den Ruhestand.

In Europa fehlte im Jahr 2025 rund eine halbe Million Berufskraftfahrer.(Bild:  Volvo Trucks)
In Europa fehlte im Jahr 2025 rund eine halbe Million Berufskraftfahrer.
(Bild: Volvo Trucks)

Weltweit fehlen immer mehr Berufskraftfahrer. Das berichtet der Dachverband der Transportwirtschaft, IRU. Laut einer Studie zum Fahrermangel im Jahr 2025 waren in 18 Märkten rund 2,9 Millionen Lkw-Fahrerstellen unbesetzt. Das entspricht elf Prozent der gesamten Belegschaft. In Europa sind es 13 Prozent, das entspricht rund 502.000 unbesetzten Stellen; und ist im weltweiten Vergleich eine eher hohe Quote.

In nahezu allen untersuchten Märkten lag die Fachkräftemangelquote 2025 über dem Basiswert des Jahres 2021. Der Fachkräftemangel ist laut IRU entsprechend nicht mehr eng mit kurzfristigen Konjunkturzyklen verknüpft. Stattdessen dominieren Themen wie die alternde Belegschaft, Markteintrittsbarrieren, unzureichende Infrastruktur und veränderte Arbeitserwartungen.

In Europa und Australien ist der demografische Wandel der Hauptgrund für den Fachkräftemangel. In Mexiko und Brasilien führen strukturelle Arbeitskräfteengpässe und unzureichende Ausbildungsmöglichkeiten zu einem anhaltenden Fahrermangel. In Usbekistan und China wächst die Nachfrage nach Gütertransporten schneller als das Angebot an verfügbaren Fahrern.

Zwei Drittel der Unternehmen müssen Aufträge ablehnen

Rund zwei Drittel der europäischen Transportunternehmen geben laut des Verbands an, neue Verträge abzulehnen, weil sie nicht genügend Fahrer finden. Als ihr dringlichstes Problem beschreiben das 65 Prozent. „Trotz erheblicher Anstrengungen der Branche hat sich der Fahrermangel zu einem kritischen strukturellen Problem für die Straßentransportbranche entwickelt. Die Fahrergewinnung beeinträchtigt unmittelbar die Transportkapazität, das Geschäftswachstum und die Zuverlässigkeit der Lieferkette“, beschreibt in einer Mitteilung IRU-Generalsekretär Umberto de Pretto.

Vor allem Fernverkehrsunternehmen und kleinere Betriebe spüren den Druck. Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten verzeichneten um sechs Prozentpunkte höhere Personalengpässe als große Unternehmen. Kleine Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten verfügen oft über weniger Ressourcen für Rekrutierung, Weiterbildung und internationale Personalsuche. Diese Unternehmen machen aber 98 Prozent der Straßengüterverkehrsunternehmen in der EU aus; bei ihnen arbeiten 79 Prozent der Beschäftigten in der Branche.

Frauen und junge Menschen sind laut IRU weiterhin stark unterrepräsentiert. Obwohl Studien belegen, dass sie tendenziell jünger in den Beruf einsteigen als Männer, stellen Frauen nur etwa vier Prozent der europäischen Lkw-Fahrer. Geringere Ausbildungshürden, bessere Einrichtungen und ein moderneres Berufsbild könnten den Zugang zu einem deutlich größeren Pool potenzieller Fahrerinnen und Fahrer ermöglichen, mutmaßt der Verband. Die Zeit drängt: In Europa werden bis zum Jahr 2030 voraussichtlich rund 660.500 Fahrer in den Ruhestand gehen.

Höherer Lohn alleine reicht nicht aus

Im Bericht hebt die IRU außerdem einen wesentlichen Wandel in der Art und Weise hervor, wie Berufskraftfahrer Beschäftigungsmöglichkeiten beurteilen. Die Bezahlung bleibt zwar wichtig, doch immer mehr Spediteure sprechen demnach von einer „Lohngrenze“. Höhere Löhne allein reichen nicht mehr aus, um Fahrer zu gewinnen oder zu halten. Der Zustand der Fahrzeuge, sichere Parkplätze, Zeit zu Hause, planbare Arbeitszeiten und eine ausgewogene Work-Life-Balance werden zunehmend entscheidend, vor allem im Fernverkehr und im Bustourismus.  

Der Verband interviewte Vertreter nationaler Verbände und großer Betreiber in Australien, Brasilien, Kanada, Europa und der Türkei. Diese passen sich bereits an. Einige verbessern ihre Einsatzplanung und Arbeitsbedingungen, andere investieren in Schulungen, Rekrutierungspartnerschaften und klarere Karrierewege.

Einzelne Maßnahmen einzelner Unternehmen dürften jedoch nicht ausreichen. Der Bericht verweist auf Beispiele aus Finnland, den Niederlanden und der Türkei. Dort hat die Zusammenarbeit von Betreibern, Verbänden und öffentlichen Behörden zu effektiveren Rekrutierungsprozessen beigetragen.

Koordinierte Aktionen von Regierungen und Wirtschaft

„Die IRU fordert ein koordiniertes Vorgehen von Regierungen und Wirtschaft. Der Fachkräftemangel lässt sich nicht allein durch Rekrutierungskampagnen beheben“, fordert Umberto de Pretto. „Die Branche muss die Qualität der Arbeit verbessern und den Berufskraftfahrerberuf zu einer Karriere machen, in die man einsteigen, sich weiterentwickeln und langfristig erfolgreich sein kann.“

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Der Bericht umfasst 18 Märkte in Europa, Australien, Brasilien, China, Mexiko und Usbekistan, darunter den Bus- und Reisebussektor in Deutschland und Spanien. Er kombiniert Daten aus Betreiberbefragungen mit qualitativen Interviews.