PV-Carports und -Überdachungen Die doppelte Nutzung bereits versiegelter Flächen

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 3 min Lesedauer

Parkplätze gelten als versiegelte Notwendigkeit der modernen Mobilität. Solar-Carports und PV-Überdachungen für großflächige Park- und Verkehrsflächen versprechen sauberen Strom, Schatten für Fahrzeuge und eine Energiewende ohne zusätzliche Flächenkonflikte mit der Landwirtschaft.

Was heute noch reine Parkfläche ist, könnte künftig einen wichtigen Beitrag zur lokalen Energieversorgung leisten.(Bild:  frei lizenziert / Pexels)
Was heute noch reine Parkfläche ist, könnte künftig einen wichtigen Beitrag zur lokalen Energieversorgung leisten.
(Bild: frei lizenziert / Pexels)

Wenn es um den Ausbau der Photovoltaik geht, denken die meisten zuerst an Dächer oder an große Freiflächenanlagen auf dem Land. Dabei liegt eine der naheliegendsten Flächenreserven längst versiegelt und ungenutzt vor unserer Nase: der Parkplatz.

Die Fläche ist längst da

Jeder Supermarkt, jedes Messegelände, jeder Firmenparkplatz verfügt über hunderte oder tausende Quadratmeter Asphalt, die den ganzen Tag in der Sonne liegen – und bislang nichts weiter tun, als Autos zu beherbergen. Genau hier setzen Solar-Carports an: Sie nutzen eine Fläche doppelt, ohne dass dafür neues Land versiegelt oder der Landwirtschaft entzogen werden muss.

Das ist ein entscheidender Unterschied zu klassischen Freiflächen-Solarparks, die regelmäßig in Konkurrenz zu Ackerflächen stehen und entsprechend kontrovers diskutiert werden. Carport-Anlagen umgehen diesen Zielkonflikt komplett, weil die Fläche ohnehin schon versiegelt und wirtschaftlich "verbraucht" ist.

Ein Beispiel aus der Praxis: Essen

Wie groß das Potenzial ist, zeigt ein aktuelles Projekt in Essen. Auf dem Messeparkplatz P10 entsteht in Kooperation zwischen dem Energy-Tech-Unternehmen Enpal und dem Generalunternehmer ROOF+ eine der größten Solar-Carport-Anlagen Deutschlands: Auf rund 53.000 Quadratmetern sollen etwa 25.000 Solarmodule installiert werden, mit einer Leistung von über 11 Megawatt und einer geplanten Jahreserzeugung von rund 11,5 Millionen Kilowattstunden. Baustart ist – vorbehaltlich Genehmigung – für Herbst 2026 geplant.

Zum Vergleich: Um die Ziele des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zu erreichen, müssten jährlich rund 10 Gigawatt Solarleistung auf deutschen Dächern entstehen – tatsächlich waren es 2025 nur etwa 3 Gigawatt bei kleineren Dachanlagen. Große Gewerbe- und Parkflächen gelten deshalb zunehmend als der Hebel, der den Ausbau spürbar beschleunigen könnte.

Mehr als nur Strom: der Zusatznutzen für die Autos

Was Solar-Carports gegenüber anderen PV-Formen zusätzlich attraktiv macht, ist der doppelte Nutzen für die Fahrzeuge selbst:

  • Schutz vor Witterung: Die Module dienen gleichzeitig als Dach – Autos stehen geschützt vor Regen, Hagel und starker UV-Einstrahlung.
  • Kühlere Innenräume: Im Sommer bleibt das Fahrzeuginnere deutlich kühler als auf einem offenen Parkplatz, was Klimaanlagenverbrauch und Materialverschleiß reduziert.
  • Strom direkt am Ort des Verbrauchs: Der erzeugte Solarstrom kann unmittelbar dort genutzt werden, wo er anfällt – für die Ladeinfrastruktur der parkenden E-Autos genauso wie für den angeschlossenen Supermarkt, das Einkaufszentrum oder die Messehalle. Lange Transportwege und Netzverluste entfallen weitgehend.

Warum das für die Energiewende zählt

Gerade für Unternehmen mit großen Parkflächen – Logistikzentren, Produktionsstandorte, Einzelhandel, Messegelände – ergibt sich damit eine wirtschaftlich attraktive Lösung, die unabhängig von der Dachfläche funktioniert. Wo das Dach für die gewünschte Anlagengröße nicht reicht oder gar nicht zur Verfügung steht, wird der Parkplatz zum vollwertigen Kraftwerk.

Solar-Carports könnten sich künftig zu einem wichtigen Baustein der Energiewende entwickeln, weil sie mehrere Herausforderungen gleichzeitig adressieren: die Flächenkonkurrenz mit der Landwirtschaft, fehlende Dachkapazitäten und die wachsende Nachfrage nach Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge.

Enpal baut diesen Bereich gerade gezielt aus

Dass Essen kein Einzelfall bleiben soll, zeigt sich an der Strategie hinter dem Projekt. Enpal hat dafür mit ROOF+, einem auf Solar-Carports spezialisierten Generalunternehmer aus Bochum, eine langfristige Partnerschaft geschlossen – Essen bildet lediglich den Auftakt dieser Zusammenarbeit. Enpal ist erst vor rund zwei Jahren in den Gewerbemarkt eingestiegen, hat seither aber schon über 70 Projekte realisiert und mehr als 160 Anlagen mit einem Volumen von rund 55 Megawatt vertraglich gesichert. Mit ROOF+ als Partner für Planung, Genehmigung und Stahlbau will das Unternehmen die Sparte nun gezielt weiter skalieren. Das Essener Projekt ist damit weniger ein Einzelprojekt als ein Signal: Große Player positionieren sich jetzt aktiv dafür, dass Parkplatz-PV vom Nischenthema zum Standardmodell wird.(mr)

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