Radar übernimmt Lidar-Aufgaben Valeo liefert Radarsensorik mit 50-facher Auflösung an US-Elektroautohersteller

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 2 min Lesedauer

Mit einer 50-fachen Auflösung und Deep-Learning-Unterstützung ermöglicht die Radartechnik von Valeo den Sprung von L2+ auf Level 3 via Over-the-Air-Update.

Höhere Auflösung: Valeo hat eine Sensorplattform entwickelt, die eine 50-fach höhere Auflösung bietet. Erkannt werden nicht nur statische Objekte, sondern das System erstellt eine detaillierte Umfeldkarte.(Bild:  Valeo)
Höhere Auflösung: Valeo hat eine Sensorplattform entwickelt, die eine 50-fach höhere Auflösung bietet. Erkannt werden nicht nur statische Objekte, sondern das System erstellt eine detaillierte Umfeldkarte.
(Bild: Valeo)

In der Welt der Fahrerassistenzsysteme (ADAS) verschieben sich die Grenzen zwischen Hardware und Software. Valeo hat den Zuschlag eines führenden nordamerikanischen Elektrofahrzeug-Herstellers für die Lieferung seiner aktuellen Radarplattform erhalten. Das System, das sowohl Corner- als auch Frontradare umfasst, bildet das Rückgrat für kommende Level-2+- und Level-3-Systeme.

Präzision durch 50-fache Auflösungssteigerung

Kernstück des Auftrags ist eine technologische Neuentwicklung. Die Sensoren bieten eine 50-mal höhere Auflösung als bisherige Generationen. Das Radar erkennt nun nicht mehr nur statische Objekte, sondern erstellt eine detaillierte Umfeldkarte, die bisher eher Lidar-Systemen vorbehalten war. Die Frontradare erreichen eine Reichweite von bis zu 250 Metern und nutzen Waveguide-Antennentechnologie, um Störeinflüsse in komplexen Umgebungen wie Tunneln oder bei Starkregen zu minimieren.

Software-Defined-Hardware

Ein kritischer Aspekt für moderne OEMs ist der modulare Aufbau. Valeos Plattform ist so konzipiert, dass sie vom Einstiegssegment bis hin zu autonomen Fahrfunktionen nach Level 3 skaliert werden kann, ohne die zugrunde liegende Hardware-Komplexität massiv zu erhöhen. Die Systeme unterstützen Over-the-Air-Updates. Ein Fahrzeug kann somit mit L2+-Hardware ausgeliefert werden, während die Software für hochautomatisiertes Eyes-off-Fahren später freigeschaltet wird, sobald die regulatorischen Rahmenbedingungen und die Softwarevalidierung das zulassen.

KI und Sensorfusion im Edge-Computing

Hinter den Datenströmen steht eine leistungsfähige Rechenarchitektur von Valeo. Das Unternehmen setzt auf Deep-Learning-basierte Sensorfusion. Die Corner-Radarsensoren erzeugen einen 360-Grad-Sicherheitsgürtel um das Fahrzeug. Über klassische Funktionen wie den Totwinkel-Assistenten (BSD) oder den Spurhalteassistenten (LKA) hinaus ermöglicht die hohe Datenqualität präzise Manöver im Millimeterbereich. Das ist vor allem für autonomes Parken in engen urbanen Räumen notwendig.

„Dieser Auftrag bestätigt unsere Strategie, Hardware-Exzellenz mit Software-Intelligenz zu verknüpfen“, erklärt Marc Vrecko, CEO der Valeo Brain Division. „Unsere Technologie erfüllt nicht nur die strengen GSR- und NCAP-Anforderungen, sondern ist bereits für die kommenden zentralisierten KI-Softwarearchitekturen der Fahrzeughersteller ausgelegt.“

Während Radar lange Zeit nur als ein grobkörniger Sensor galt, schließt Valeo durch eine höhere Auflösung zusammen mit einer KI-Auswertung die Lücke zu teureren Sensoren und Sensorfusion. Mit dem Programm „Elevate 2028“ positioniert sich Valeo damit endgültig als Systemlieferant, der nicht nur Komponenten liefert, sondern die Software-Architektur des autonomen Fahrens aktiv mitgestaltet. (heh)

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