Europäischer Erfinderpreis 2026 Preisgekrönte Brunp-Technik wandelt Altbatterien direkt in Kathodenmaterial

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 2 min Lesedauer

In Berlin wurde am 2. Juli das Team um Xie Yinghao und Yu Haijun mit dem Europäischen Erfinderpreis ausgezeichnet. Ihre „Directed Recycling Technology“ (DRT) für Lithium-Ionen-Batterien setzt neue Maßstäbe: Mit Rückgewinnungsraten von bis zu 99,6 Prozent und einer verbesserten CO2-Bilanz sicherten sie sich den Sieg in der Kategorie „Nicht-EPA-Länder“.

Xie Yinghao und Yu Haijun wurden mit dem Europäischen Erfinderpreis 2026 ausgezeichnet. Sie haben eine Methode zur Rückgewinnung von Lithium-Ionen-Batterien mit einer Rate von 99,6 Prozent entwickelt.(Bild:  EPA)
Xie Yinghao und Yu Haijun wurden mit dem Europäischen Erfinderpreis 2026 ausgezeichnet. Sie haben eine Methode zur Rückgewinnung von Lithium-Ionen-Batterien mit einer Rate von 99,6 Prozent entwickelt.
(Bild: EPA)

Erst kürzlich belegte eine Studie des Europäischen Patentamts (EPA) die enorme Dynamik bei Patentanmeldungen rund um den Batteriekreislauf. Nun erhält diese Entwicklung ein Gesicht: Die chinesischen Erfinder Xie Yinghao, Yu Haijun und ihr Team von Brunp Recycling, einer Tochtergesellschaft des Batteriegiganten CATL, gewannen den Europäischen Erfinderpreis 2026 in der Kategorie „Nicht-EPA-Länder“.

Bisherige Recyclingverfahren für Lithium-Nickel-Kobalt-Mangan-Oxid (NCM)-Batterien gelten als „flaschenhals-anfällig“. Sie basieren meist auf langwierigen Prozessen, die enorme Mengen an Wasser, Energie sowie aggressiven Säuren und Laugen verbrauchen. Zudem wird die funktionale Struktur der Materialien oft zerstört, was die Aufbereitung zu neuwertigem Batteriematerial (Kathodenmaterial) erschwert.

Gezieltes Recycling (Directed Recycling)

Der preisgekrönte Ansatz der Brunp-Erfinder setzt auf das sogenannte Directed Recycling (DRT) sowie das Reverse Product Positioning Design (RPPD). Ziel ist es, dass ausgediente Batterien nicht einfach nur in ihre Bestandteile zerlegt werden, sondern sie werden direkt in hochwertige NCM-Kathodenmaterialien in Batteriequalität umgewandelt.

Die technischen Eckdaten der Technologie:

  • Rückgewinnungsraten: 99,6 Prozent für Nickel, Kobalt und Mangan sowie 96,5 Prozent für Lithium.
  • Ressourceneffizienz: Der Verbrauch von Säuren und Laugen sinkt durch das selektive Verfahren um 73 Prozent.
  • Prozessoptimierung: Die Anzahl der Verarbeitungsschritte konnte um mehr als 18 Prozent gesenkt werden.
  • Nachhaltigkeit: Die CO2-Bilanz der so regenerierten Kathodenmaterialien liegt um 61 Prozent niedriger als bei der herkömmlichen Produktion aus Primärrohstoffen.

Vom Labor in die globale Lieferkette

Die Entwicklung der Technologie begann bereits Anfang der 2000er Jahre. Ein entscheidender Meilenstein war das Jahr 2015, als Brunp Teil des CATL-Ökosystems wurde. Das ermöglichte es dem Team, das Verfahren von der Laborentwicklung direkt in den industriellen Maßstab zu überführen. Heute unterstützt das Unternehmen mit diesen Recyclinglösungen weltweit führende Automobilhersteller dabei, geschlossene Materialkreisläufe zu realisieren.

Über die Erfinder

Dr. Yu Haijun ist Research Fellow, Direktor des national-lokalen gemeinsamen Ingenieurforschungszentrums für Batterierecycling für Fahrzeuge mit alternativem Antrieb, Direktor des Labors für Batterierecycling der Provinz Guangdong und Entwickler des RPPD-Konzepts. Er war an 153 nationalen Standards und Regeln der Technik in China beteiligt und hat 43 Auszeichnungen für seine Forschung erhalten. Xie Yinghao ist Direktor bei Brunp und ein hervorragender Forscher; er hat 75 wissenschaftliche Arbeiten verfasst und an 110 nationalen Standards und Regeln der Technik in China mitgewirkt.

Die Bedeutung für den Standort Europa

Die im EPA-Patent-Dashboard identifizierte Dominanz asiatischer Akteure basiert auf massiver verfahrenstechnischer Innovation. Während europäische Akteure wie Bosch oder BASF derzeit stark in die Automatisierung der Demontage und chemische Großanlagen investieren, zeigt das Beispiel Brunp, wie tief die vertikale Integration von Zellherstellung und direktem Material-Recycling bereits fortgeschritten ist.

Der Europäische Erfinderpreis, der jährlich vom EPA vergeben wird, würdigt damit eine Technologie, die eine der größten Hürden der Elektromobilität adressiert: die effiziente und umweltfreundliche Rückgewinnung kritischer Rohstoffe im industriellen Maßstab. (heh)

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