Digitales Servicegeschäft Daten statt Werkstattbesuch nach dem Defekt

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 2 min Lesedauer

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Statt erst nach einem Defekt zu reagieren, sollen Werkstätten künftig handeln, bevor Probleme entstehen. Mit neuen digitalen Services setzt Volkswagen im Nutzfahrzeugbereich verstärkt auf datenbasierte Wartung und vernetzte Flotten.

Wartung vor dem Ausfall statt Reparatur danach: Volkswagen baut seine digitalen Dienste für Nutzfahrzeugflotten aus und setzt stärker auf datengetriebene Serviceprozesse.(Bild:  Connected Cars)
Wartung vor dem Ausfall statt Reparatur danach: Volkswagen baut seine digitalen Dienste für Nutzfahrzeugflotten aus und setzt stärker auf datengetriebene Serviceprozesse.
(Bild: Connected Cars)

Volkswagen will die Wartung seiner Nutzfahrzeuge stärker datenbasiert organisieren und setzt dafür auf eine Kooperation mit dem dänischen Unternehmen Connected Cars A/S. Ziel ist es, Fahrzeugzustände künftig kontinuierlich zu überwachen und Servicearbeiten möglichst vor dem Auftreten eines Ausfalls einzuplanen.

Im Rahmen der Zusammenarbeit werden Telematik-Hardware und digitale Werkstattdienste in bestehende Flottenmanagement-Systeme integriert. Fahrzeugdaten, Fehlercodes und Wartungshinweise können dadurch in Echtzeit zwischen Fahrzeug, Werkstatt und Betreiber ausgetauscht werden. Insbesondere gewerbliche Kunden sollen von geringeren Standzeiten und besser planbaren Serviceintervallen profitieren.

Predictive Maintenance wird zum Geschäftsmodell

Der Schritt zeigt, wie stark sich das Automobilgeschäft derzeit verändert. Während früher vor allem Produktion und Verkauf im Mittelpunkt standen, gewinnen digitale Dienstleistungen und datengetriebene Serviceangebote zunehmend an Bedeutung.

Die Idee dahinter ist einfach: Erkennt ein System frühzeitig Auffälligkeiten an Bremsen, Batterie oder Antriebsstrang, lassen sich Werkstatttermine planen, Ersatzteile beschaffen und ungeplante Ausfälle vermeiden. Für Flottenbetreiber, deren Fahrzeuge täglich im Einsatz sind, kann bereits ein einzelner Stillstand erhebliche Kosten verursachen.

Gleichzeitig entstehen für Hersteller neue Erlösmodelle. Wer über die Fahrzeugdaten verfügt, kann zusätzliche Wartungsleistungen anbieten, Kunden enger an das eigene Servicenetz binden und den Aftersales-Bereich langfristig ausbauen.

Keine Revolution, sondern die nächste Entwicklungsstufe

Trotz entsprechender Formulierungen in Unternehmensmitteilungen handelt es sich jedoch nicht um eine grundlegende Neuerfindung der Branche. Zustandsüberwachung, Ferndiagnose und digitale Serviceplattformen gehören bei Nutzfahrzeugen seit Jahren zum Standard vieler Hersteller.

Neu ist vor allem die engere Verzahnung unterschiedlicher Systeme. Fahrzeugdaten werden nicht mehr isoliert betrachtet, sondern direkt mit Werkstätten, Ersatzteillogistik und Flottenmanagement verbunden. Dadurch entsteht ein durchgängiges digitales Ökosystem, das betriebliche Abläufe automatisieren und beschleunigen soll.

Nach Einschätzung von David Bailey spiegelt diese Entwicklung einen breiteren Wandel der Automobilindustrie wider. Kooperationen zwischen Fahrzeugherstellern und Technologieunternehmen nehmen zu, weil Daten und Konnektivität zunehmend zu zentralen Wettbewerbsfaktoren werden.

Wem gehören die Fahrzeugdaten?

Mit der technischen Entwicklung wächst allerdings auch die Diskussion um Datenhoheit und Marktstrukturen. Werden Wartungsinformationen ausschließlich über herstellereigene Plattformen bereitgestellt, könnten unabhängige Werkstätten künftig benachteiligt werden.

Flottenbetreiber profitieren zwar von einer höheren Transparenz und effizienteren Prozessen, gleichzeitig steigt jedoch die Bindung an das jeweilige Service-Ökosystem des Herstellers. Die Kontrolle über Fahrzeugdaten entwickelt sich damit zu einem strategischen Faktor – ähnlich wichtig wie das Fahrzeug selbst.

Der Weg zur echten vorausschauenden Wartung

Ob die neuen Systeme tatsächlich eine vollwertige Predictive Maintenance ermöglichen, bleibt abzuwarten. Echte Vorhersagemodelle basieren auf umfangreichen Betriebsdaten und statistischen Analysen, mit denen sich Ausfallwahrscheinlichkeiten einzelner Komponenten bestimmen lassen.

Viele heute eingesetzte Lösungen arbeiten dagegen noch überwiegend regelbasiert: Sie erkennen bekannte Fehlerbilder oder melden Grenzwertüberschreitungen, prognostizieren jedoch nicht zwangsläufig den tatsächlichen Zeitpunkt eines Defekts.

Die Kooperation zeigt dennoch, wohin sich die Branche entwickelt. Im Wettbewerb der Zukunft werden nicht allein Motoren, Reichweiten oder Nutzlasten entscheidend sein, sondern zunehmend die Qualität digitaler Dienste, die Fahrzeuge, Werkstätten und Betreiber miteinander vernetzen.(mr)

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