Strategie „Accelerate“ „Wir werden Volkswagen so stark verändern wie nie zuvor“

| Aktualisiert am 05.03.2021Autor: Christoph Seyerlein

Volkswagen will die eigene Transformation beschleunigen. Passend dazu nennt der Hersteller seine neue Strategie „Accelerate“. Was der Vorstand bei Elektromobilität, Digitalisierung und autonomen Fahren vorhat.

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VW-Markenchef Ralf Brandstätter stellte am Freitag die neue Strategie „Accelerate“ vor.
VW-Markenchef Ralf Brandstätter stellte am Freitag die neue Strategie „Accelerate“ vor.
(Bild: Volkswagen)

Volkswagen verpasst sich eine neue Strategie namens Accelerate – und verschiebt damit die eigenen Themenschwerpunkte ein Stück weit. Markenchef Ralf Brandstätter erklärte am Freitag: „Wer glaubt, mit dem Elektroauto allein sei man schon in der Zukunft angekommen, der irrt. Der wahre Gamechanger ist die Digitalisierung.“ Hier stehe die „echte Disruption“ noch bevor, kündigte der CEO an. „Wir werden Volkswagen in den kommenden Jahren so stark verändern wie nie zuvor.“

Trinity wird für unsere Kunden eine Art Zeitmaschine, die ihnen Zeit schenkt und Stress erspart. Diese Technologie darf nicht zum Privileg einiger weniger werden.

Ralf Brandstätter

Zum einen will VW seine Fahrzeuge auf ein neues Software-Level hieven. Die ID-Modelle sollen alle 12 Wochen over-the-air-Updates erhalten. In zwei Jahren rechnen die Wolfsburger damit, mehr als eine halbe Million vollvernetzte Fahrzeuge auf der Straße zu haben. Darüber will der Hersteller selbst direktes Kundenfeedback einsammeln.

Das wiederum soll die Grundlage für datenbasierte Geschäftsmodelle sein. Volkswagen will künftig nicht mehr nur hauptsächlich am Verkauf von Autos verdienen, sondern auch über die gesamte Nutzungsdauer eines Fahrzeugs. Dabei denkt VW etwa an Lade- und Energiedienstleistungen und functions on demand, also digital zuschaltbare Funktionen. Neuwagen der Marke sollen in naher Zukunft praktisch vollausgestattet ausgeliefert werden. Einzelne Features muss der Kunde dann aber per Update freischalten lassen.

„Zeitmaschine“ Trinity

Dadurch will der Hersteller einerseits die Komplexität in der Produktion verringern. Doch nicht nur das. Vertriebsvorstand Klaus Zellmer sagte: „Wir können uns durchaus vorstellen, dass uns functions on demand in den nächsten Jahren dreistellige Millionenbeträge in unsere Kassen spülen werden.“

Der „Kristallisationspunkt der neuen Strategie“, wie Ralf Brandstätter es nannte, soll ein Auto mit dem Projektnamen „Trinity“ werden. Der Marktstart ist für 2026 geplant. Einerseits soll es das erste Fahrzeug auf einer evolutionären Weiterentwicklung des MEB werden. Andererseits verspricht Brandstätter ein „Software-Dreamcar“.

Erster Ausblick auf Volkswagens Projekt „Trinity“.
Erster Ausblick auf Volkswagens Projekt „Trinity“.
(Bild: Volkswagen)

Mit dem Modell will VW auch ein Statement beim autonomen Fahren setzen. Das sei für den Hersteller „die technologisch härteste Aufgabe“, erklärte Brandstätter. Trinity soll vom Start weg zu Level-2+-teilautomasiertes Fahren fähig sein, später soll bis zu Level 4 möglich sein. „Trinity wird für unsere Kunden eine Art Zeitmaschine, die ihnen Zeit schenkt und Stress erspart. Diese Technologie darf nicht zum Privileg einiger weniger werden, darum machen wir sie durch unsere Skalierung für viele Menschen erreichbar“, so Brandstätter.

Mehr Tempo bei der Elektromobilität

Bei der Elektromobilität sieht sich Volkswagen dagegen offenbar bereits jetzt so gut aufgestellt, dass die Wolfsburger bereits jetzt zu den nächsten Sprüngen ansetzen. Bislang plante das Fabrikat in Europa mit einem E-Auto-Anteil von 35 Prozent am Neuwagen-Absatz bis 2030. Nun peilt VW stattdessen 70 Prozent an. In China und den USA sollen es dann jeweils mehr als Prozent sein.

„Wir haben eine klare Vision: Volkswagen wird die begehrenswerteste Marke für nachhaltige Mobilität“, sagte Brandstätter. Bei der Elektromobilität stehe man mit dem eigenen Modularen Elektrifizierungs-Baukasten (MEB) erst am Anfang der technologischen Möglichkeiten. Schon zeitnah werde man auch E-Autos mit Allrad einführen, zudem verbessre man Reichweiten, Ladeleistung oder auch Beschleunigung regelmäßig.

Verbrenner haben noch nicht komplett ausgedient

Anders als bei bisherigen Elektromodellen wie dem E-Golf oder dem E-Up zahlt der Hersteller laut Brandstätter bei den neuen ID-Modellen nicht drauf. Diese Fahrzeuge seien von Beginn an profitabel. Und die Margen würden mit jeder Volumensteigerungen auch wachsen, so der Markenchef. Noch im ersten Halbjahr soll der ID 4 GTX mit Allradantrieb starten, in der zweiten Jahreshälfte soll ein ID 5 folgen und China bekommt noch 2021 darüber hinaus einen ID 6. Unterhalb des ID 3 will VW 2025 ein kleineres E-Auto mit einem Einstiegspreis von 20.000 Euro einführen.

Ganz ausgedient haben klassische Verbrenner-Modelle bei den Wolfsburgern aber noch nicht. Anders als bei anderen Herstellern wie zuletzt etwa Ford, Volvo oder General Motors, gab es von VW keine klare Ansage, wann man sich vom Verbrennungsmotor verabschiedet. Brandstätter kündigte stattdessen an, dass die Kernmodelle Golf, Tiguan, Passat, Tayron und T-Roc noch einmal einen Nachfolger bekommen werden – auch mit Verbrennungsmotoren. „Wir brauchen den Verbrenner noch auf bestimmte Zeit, aber so effizient wie möglich“, sagte er. Deshalb werde man alle genannten Fahrzeuge auch mit der neuesten Plug-in-Hybrid-Technik anbieten. Zur weiteren Produktplanung hielt sich der Markenchef bedeckt, teilte aber zumindest mit, dass für den Touran derzeit kein Nachfolger mehr vorgesehen sei.

Von allen großen Herstellern hat Volkswagen die besten Chancen, das Rennen zu gewinnen.

Ralf Brandstätter

Die digitale Pressekonferenz am Freitag nutzte Ralf Brandstätter auch für manche Ansage an die Konkurrenz. „Es gehört zum Kern von Volkswagen, seinen Kunden immer mehr zu bieten als der Wettbewerb“, erklärte der VW-Markenchef.

Man sehe sich selbst in einer guten Position, da viele andere Hersteller gerade noch mit dem Wandel hin zur Elektromobilität beschäftigt sein. Selbst könne man dagegen schon die nächsten Schritte gehen und sei deshalb überzeugt: „Von allen großen Herstellern hat Volkswagen die besten Chancen, das Rennen zu gewinnen“, so Brandstätter.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility