Wie der Datenmarktplatz Caruso neue Automotive-Geschäftsmodelle ermöglicht

Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Die zunehmende digitale Vernetzung verändert die Geschäftsmodelle im Automotive Aftermarket rasant. Der Datenmarktplatz Caruso ermöglicht eine Neugestaltung der Geschäftsprozesse – nicht nur im Flottenmanagement. Alexander Haid, Caruso-Geschäftsführer, erklärt im Interview, für welche Marktplayer das neue Angebot interessant ist und welche Chancen ein vernetzter Automotive Aftermarket bietet.

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"Mit Caruso gibt es eine Plattform, die die Marktteilnehmer befähigt, Daten untereinander auszutauschen. Auf unserem Datenmarktplatz lassen sich Daten finden, bewerten und vergleichen", erläutert Alexander Haid, Geschäftsführer der Caruso GmbH.
"Mit Caruso gibt es eine Plattform, die die Marktteilnehmer befähigt, Daten untereinander auszutauschen. Auf unserem Datenmarktplatz lassen sich Daten finden, bewerten und vergleichen", erläutert Alexander Haid, Geschäftsführer der Caruso GmbH.
(Bild: Caruso)

Herr Haid, warum bringt Caruso Musik in den Independent Automotive Aftermarket?

Alexander Haid: Weil Caruso alle relevanten Marktplayer in einem bislang nicht gekannten Maße vernetzen kann. Alle Teilnehmer des Automotive Aftermarket – egal ob Teilehersteller, Handel, Werkstätten, Versicherungen, Fleet- und Leasing-Unternehmen, Autovermietungen und Carsharing-Anbieter, Mobilfunkanbieter oder Pannenservice-Unternehmen – sind auf fahrzeugbezogene Daten angewiesen, wenn sie ihre Mobilitätsservices verbessern oder völlig neue entwickeln wollen. Ganz zu schweigen von den Herstellern von vernetzten Komponenten in Computern auf vier Räder.

Bis 2020 sind laut Gartner 250 Millionen Fahrzeuge auf der Straße, die Daten senden können. Wer mit den Big Playern im digitalen Zeitalter mithalten will, muss vorhandene Daten intelligent miteinander verknüpfen können. Wenn jeder aber sein eigenes geschlossenes System betreibt, ist das ist nicht möglich. Um im Bild zu bleiben: Bisher spielte im Automotive Aftermarket jeder nach seiner eigenen Partitur. Mit Caruso kann die Branche zu einem kreativen Orchester werden, bei dem alle miteinander im Einklang spielen und jeder von diesem Gleichklang profitiert. Den Takt gibt der gemeinsame Industriestandard vor, der zuverlässig und stabil funktioniert, und den wir mit Caruso entwickelt haben.

Eine Plattform, die eine Vernetzung ermöglichte, gab es bislang nicht. Das treibt in der Praxis Blüten wie diese: Viele Automobilhersteller bieten Mobilitätsservices an, allerdings jeweils nur für die eigenen Marken. Für Flottenmanager, die mehrere Marken wie VW oder Mercedes im Fuhrpark haben, bedeutete das bisher: Sie müssen für jede Marke einen eigenen Mobilitätsservice beantragen. Im Zeitalter des Customizings und der Losgröße 1 ist das nicht mehr zeitgemäß, diese Barrieren lassen sich Kunden kaum noch erklären. Mit Caruso gibt es nun eine Lösung für dieses Problem. Ein anderes Beispiel: Versicherer sind darauf angewiesen, ihre Daten selbst zu erheben. Dafür benötigen sie entweder eine Blackbox im Fahrzeug oder lesen die Daten über das Mobiltelefon des Nutzers aus. Alternativ schließen sie sich an die OBD2-Schnittstelle des Fahrzeugs an. Aber die so gewonnen Daten sind fragmentiert und stehen immer nur dem einzelnen Anbieter und dessen Kunden, mit denen er zusammenarbeitet, zur Verfügung.

Mit Caruso gibt es jetzt eine Plattform, die die Marktteilnehmer befähigt, diese Daten untereinander auszutauschen. Auf unserem Datenmarktplatz lassen sich Daten finden, bewerten und vergleichen. Auf dieser Basis lassen sich Verträge abschließen, diese juristisch und technisch implementieren und überwachen. Caruso stellt die Funktionen zur Verfügung, die der Markt heute und morgen benötigt - für eine zeitgemäße Form der Wertschöpfung.

Wie sieht ein konkretes Anwendungsbeispiel aus?

Alexander Haid: Durch die Verknüpfung von Daten ermöglicht Caruso neue Geschäftsmodelle im Automotive Aftermarket und bündelt verschiedene Prozesse über die Plattform. Als einer der ersten Anwendungsfälle lässt sich der Kilometerstand eines Fahrzeugs mit den Repair-and-Maintenance-Informationen (RMI) verknüpfen, den technischen Daten für Kfz-Reparatur, Mechanik, Wartung und Diagnose, sowie mit dem Terminbuchungssystem von Werkstattketten. Durch die Verknüpfung der Telematikdaten mit den RMI- und Werkstattdaten weiß der Flottenmanager im Voraus, wann bei welchem Fahrzeug die nächste Inspektion ansteht und kann über den Caruso Datenmarktplatz direkt einen passenden Termin in der nächsten Werkstatt buchen. Diese kann dann mithilfe der RMI-Daten die laut Serviceplan fälligen Ersatzteile bestellen – wenn der Teilehändler ebenfalls angebunden ist, sogar automatisiert über den Datenmarktplatz.

Dieser Anwendungsfall soll kontinuierlich weiter ausgebaut werden, beispielsweise könnten zukünftig Versicherungen über den Datenmarktplatz etwaige Kaskofälle, die während der Inspektion auffallen – wie die Reparatur eines Steinschlag-Schadens –, nach Zustimmung des Fahrers direkt mit der Werkstatt regeln. Als weitere Anwendungsfälle will Caruso zukünftig z. B. den Schutz vor manipulierten Kilometerständen und die Remote-Diagnose ermöglichen. Caruso ist dabei der Enabler, der diese Anwendungsfälle mit Daten versorgt und die verschiedenen Partner auf dem Marktplatz zusammenschaltet.

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