Wie der Datenmarktplatz Caruso neue Automotive-Geschäftsmodelle ermöglicht

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Alexander Haid: Der Zugang zum Caruso Datenmarktplatz erfolgt für den Nutzer browserbasiert und ist daher schnell und unkompliziert über alle Endgeräte mit Internetanschluss möglich. Auf der Startseite erhalten die Partner einen aktuellen Überblick über ihre Aktivitäten auf dem Marktplatz: Wie oft wurden ihre Daten in Anspruch genommen und welchen Umsatz haben sie damit erzielt? Wie viele Daten haben sie selbst abonniert und welche Kosten sind ihnen dabei entstanden?

Das Anbieten und Beziehen von Daten erfolgt über eine unkomplizierte Katalogsuche bzw. einfach per Schlagwort im Suchfeld, z. B. „Kilometerstand“. Caruso liefert dann alle auf dem Marktplatz verfügbaren vordefinierten Datenpakete, die dem Suchbegriff entsprechen. Der Datenlieferant hinterlegt hier eine detaillierte Beschreibung seiner Datensätze und definiert die entsprechenden Preise sowie die vertraglichen Rahmenbedingungen. Der Datenkonsument kann dann gegebenenfalls zwischen verschiedenen Anbietern das passende Angebot auswählen oder verschiedene Angebote kombinieren, um die benötigten Daten für seinen Anwendungsfall zu erhalten. Caruso erhebt eine Vermittlungsgebühr, die ist abhängig von den genutzten Plattformfunktionen, dem Datenvolumen und dem Verkaufspreis der Daten.

Wie ist es gelungen, die Marktakteure davon zu überzeugen, Daten mit anderen teilen statt sie eifersüchtig in proprietären Systemen zu horten?

Alexander Haid: Wir sind gerade erst gestartet, aber wir haben aber schon acht Teilnehmer. Dass es sich um bedeutende Marktplayer wie Bosch, Continental, ZF Openmatics, Werbas, Schaeffler, BMW Car Data, Abax und JimDrive handelt, spricht für einen Paradigmenwechsel innerhalb des Automotive Aftermarket insgesamt. Sie alle haben erkannt, dass sie mit ihrem Engagement auf dem gemeinsamen Marktplatz Caruso von einem erheblichen Wettbewerbsvorteil profitieren. Natürlich gibt es immer noch Industrieunternehmen, die weiterhin an ihren proprietären Systemen festhalten und sich dem Marktplatz verweigern. Hier haben wir noch einen erheblichen Aufklärungsbedarf. Denn Caruso ist eine neue Art, in der Industrie miteinander zu arbeiten und Geschäft zu generieren. Wir haben Partner, die feststellen: „Caruso lädt ein zu einem komplett neuen Spiel mit neuen Regeln, die wir erst noch verstehen müssen…“. Aber es gibt auch Partner, die sagen: „Bisher haben wir vor lauter Bäumen den Wald nicht gesehen! Warum haben wir das nicht schon früher erkannt!“ Sie haben unser Konzept auf Anhieb verstanden und waren sofort mit an Bord.

Grundlage für ein Engagement sind digitalisierte Prozesse bzw. Daten. Was stimmt Sie optimistisch, dass Unternehmen mit der Digitalisierung in der eigenen Organisation schon so weit sind?

Alexander Haid: Wie immer gibt es mehr als Schwarz und Weiß. Unsere Zielgruppe ist sehr heterogen. Wir sprechen mit Unternehmen, die ihren kompletten Umsatz und Profit heute allein mit Daten generieren. Auf der anderen Seite haben wir Organisationen, die die Herausforderung Digitalisierung als analoge Bewahrer noch vor sich haben. Daneben stehen wir mit den so genannten digitalen Verfolgern in Kontakt, also Unternehmen, die mit den Chancen der digitalen Transformation in den vergangenen drei, vier Jahren erste Erfahrungen gesammelt haben.

Lassen sich mit Caruso Abläufe in der digitalen Entwicklung beschleunigen, vielleicht sogar einige Stufen in der eigenen Digitalisierungs-Historie überspringen?

Alexander Haid: Auf jeden Fall. Denken Sie an die Geschichte des Telefons: Proprietäre Handys wie beispielsweise von Nokia etwa boten allein die Dienste ihres Herstellers an. Beim Smartphone hingegen laden Sie eine App und nutzen die Dienste unterschiedlichster Anbieter. Genau an dieser Stelle der Entwicklung befinden wir uns zur Zeit im Automotive Aftermarket: Von proprietären Systemen wechseln wir zu gleich zum „Smartphone“-Stadium. Caruso ist der Marktplatz, der Dienste bzw. Daten unterschiedlicher Anbieter liefert. Selbst wenn Sie vorher kein Nokia benutzt haben, sind Sie durchaus in der Lage, gleich die App auf dem Smartphone zu bedienen, oder?

Wie viele Unternehmen werden in zehn Jahren auf Caruso aktiv sein?

Alexander Haid: Wir gehen von einem exponentiellen Wachstum der Platform aus. Schon in diesem Jahr wird die Zahl der angeschlossenen Partner signifikant steigen: Bis jetzt befinden sich schon 48 Unternehmen in unserer Partner-Pipeline. Dazu gehören Teile-Hersteller sein, die erkannt haben, dass sie nur mit, nicht gegen die digitale Transformation schwimmen können. Hinzu kommt der Teile-Handel. Bereits heute haben wir Gesellschafter wie ATR International, der zehn Prozent Anteile an Caruso hält. Mit der CARAT-Unternehmensgruppe, einer der größten deutschen Autoteile-Einkaufskooperationen, ist ein weiteres Handelsunternehmen an Caruso beteiligt. Daneben haben Versicherungen ein hohes Interesse an unserem Datenmarktplatz. Ein weiteres attraktives Marktsegment ist der Bereich Leasing, mit JimDrive haben wir schon den ersten Mobilitätslösungsanbieter im Bereich Abschleppdienste an Bord. Und das Potenzial der Werkstätten ist riesig, ob Einzel-Werkstatt oder Kette mit einem Dutzend oder gar hunderten angeschlossener Betriebe. Darüber hinaus haben wir weitere Service-Provider wie etwa Kartendienste im Zulauf. Telematik-Dienstleister ABAX etwa gehört zu den initialen Partnern.

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