Autonom, vernetzt, Software-getrieben – Automobilindustrie und Mobilität stehen vor einem tiefgreifenden Wandel. Das hat Einfluss auf das Fahrerlebnis. Pascal Peguret, Senior Vice President Connectivity bei Harman Automotive erklärt, wie Fahrzeuge zu digitalen Lebensräumen werden, welche Technologien der flächendeckenden Vernetzung zum Durchbruch verhelfen und warum Satellitenkommunikation dabei eine entscheidende Rolle spielt.
Das Fahrzeug entwickelt sich zum digitalen Lebensraum. Dabei wird der Satellitenkommunikation eine entscheidende Rolle zukommen.
(Bild: Harman)
Die Mobilität verändert sich schneller als je zuvor: Elektromobilität, vernetzte Fahrzeuge und autonome Technologien – Automobilhersteller und ihre Zulieferer müssen viele Dinge unter einen Hut bringen, um wettbewerbsfähig zu sein und zu bleiben. Vernetzte Fahrzeuge sind beileibe keine Zukunftsmusik mehr, aber nach wie vor eine Herausforderung.
Next Mobility: Herr Peguret, wie wird sich die Konnektivität im Automobilsektor in den nächsten Jahren entwickeln? Wird es dabei regionale Unterschiede geben?
Pascal Peguret: Die Konnektivität im Automobilsektor entwickelt sich rasant weiter – wir sehen eine sehr starke Dynamik nach oben, auch wenn bislang nur ein kleiner Teil der Fahrzeuge tatsächlich vernetzt ist. Viele Hersteller haben jahrelang darauf gesetzt, dass die Nutzer ihr Smartphone als Verbindungselement ins Auto mitbringen – um Musik zu streamen oder einfache Funktionen zu steuern. Doch der Markt verlangt heute etwas anderes: Fahrzeuge sollen eigenständig mit dem Internet verbunden sein – mit integrierter Telematikplattform und direkter Cloud-Anbindung. Ohne Umweg über das Smartphone. Die Take-Rate der ab Werk vernetzten Fahrzeuge steigt in praktisch allen Regionen deutlich an. Es zeichnet sich weltweit der Trend ab: Die Vernetzung im Fahrzeug wird zum Standard und ist nicht mehr optional.
Pascal Peguret ist Senior Vice President Connectivity bei Harman Automotive.
(Bild: SGStudio)
Für Anbieter im Connectivity-Bereich ist das ein enormes Wachstumsfeld. Vehicle-to-Vehicle (V2V) oder Vehicle-to-Everything (V2X) Vernetzung sind hingegen noch immer Nischenmärkte. Die Entwicklung verläuft deutlich langsamer, als man früher angenommen hat. Der Nutzen dieser Technik entsteht erst durch eine kritische Masse – wenn ein gewisser Prozentsatz der Fahrzeuge und Infrastrukturen dieselben Kommunikationsstandards einsetzet. Deshalb bräuchte es hier klare politische Signale und Vorgaben, um den Durchbruch zu schaffen. In China ist man damit weiter, in Europa und Nordamerika zögern die Gesetzgeber noch. Aus technischer Sicht ist V2X eine hervorragende Sicherheitslösung, um Unfälle zu reduzieren oder auch Rettungseinsätze im Verkehrsraum effizienter zu machen, und deshalb sind wir bei Harman ein großer Unterstützer dieser Technologie.
Next Mobility: Welche Bereiche im Automobilsektor werden sich durch die zunehmenden technischen Möglichkeiten verändern – und warum?
Pascal Peguret: Die größte Veränderung findet gerade in der Wahrnehmung des Autos selbst statt. Heute entwickelt sich das Fahrzeug zu einem digitalen Consumer-Produkt, das den Nutzer in seinem vernetzten Alltag begleitet – mit nahtloser Verbindung zu Home- und Office-Umgebungen.
Parallel dazu nimmt die Autonomie der Fahrzeuge zu. Je stärker die Fahrfunktionen automatisiert werden, desto stärker verschiebt sich der Fokus auf das Erlebnis im Innenraum. Fahrer – oder besser gesagt: Passagiere – wollen ihre Zeit im Fahrzeug sinnvoll nutzen, ob für Arbeit, Unterhaltung oder Entspannung. Das verändert die Erwartungen grundlegend. Studien wie die McKinsey Consumer Pulse Mobility Survey 2025 zeigen, dass gerade Käufer von Elektrofahrzeugen heute viel mehr auf das Nutzererlebnis, auf Konnektivität, Komfort und digitale Funktionen achten. Damit verschieben sich auch die Schwerpunkte in der Industrie. Neue Felder wie Connectivity, E/E-Architektur, Software sowie zentrale Rechenplattformen gewinnen an Gewicht und genau dort spielt sich die technologische Differenzierung zwischen den Herstellern ab.
Für Unternehmen wie Harman liegt der Fokus auf dem Fahrerlebnis im Innenraum, das durch Software-definierte Architektur und Konnektivität ermöglicht wird. Das sind die Faktoren, die darüber entscheiden, wie relevant ein Auto im digitalen Alltag seiner Nutzer bleibt. Anstelle von isolierten Infotainment-Modulen gestalten wir ganzheitliche digitale Plattformen mit skalierbarer Software-Integration, die auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten sind und ein nahtloses, unterbrechungsfreies digitales Erlebnis ermöglichen.
Satellitenkommunikation bietet hohes Potenzial
Next Mobility: Was muss getan werden, dass eine vernetzte Mobilität möglichst schnell und flächendeckend erreicht wird?
Pascal Peguret: Wenn wir über Geschwindigkeit reden, müssen wir zwei Dinge unterscheiden: Bandbreite und Latenz. Bandbreite beschreibt, wie viele Daten gleichzeitig übertragen werden können – etwa beim parallelen Streaming oder bei Software-basierten Over-the-Air-Updates. Latenz hingegen ist die Reaktionszeit des Netzes, also wie lange ein Signal braucht, bis es beim Empfänger ankommt. Sie ist vor allem für sicherheitsrelevante Anwendungen, Cloud-basierte Fahrassistenzsysteme oder Videokonferenzen entscheidend.
Die gute Nachricht: 5G kann beides – hohe Datenraten im Gigabitbereich und niedrige Latenzen im Millisekundenbereich. Technologisch sind damit schon heute viele der Szenarien möglich, über die wir im Kontext vernetzter Mobilität sprechen. Das Problem liegt weniger in der Technologie selbst, sondern in ihrer flächendeckenden Verfügbarkeit. In Deutschland ist die 5G-Abdeckung mit rund 93,2 Prozent der Landesfläche mittlerweile deutlich besser, als viele denken. In großflächigen Märkten wie den USA oder Australien stellt sich jedoch die Frage, wie Fahrzeuge auch außerhalb terrestrischer Netze verbunden bleiben können – für Navigation, Kommunikation und Sicherheitsdienste gleichermaßen.
Stand: 08.12.2025
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Die Antwort liegt in der Satellitenkommunikation, also SatCom oder NTN, was für Non-Terrestrial Networks steht. Wir sehen hier enormes Potenzial, insbesondere für Märkte mit geringer Mobilnetzdichte. Anbieter wie Starlink zeigen schon heute, dass stabile und schnelle Verbindungen über Satelliten möglich sind und profitabel angeboten werden können. Im Heimbereich ist SatCom längst Realität, und wir sind überzeugt, dass diese Technologie auch im Fahrzeugbereich bald ihren Durchbruch erleben wird. Gerade dort, wo 5G an seine Grenzen stößt, wird SatCom zur entscheidenden Ergänzung.
Next Mobility: Welche technologischen Voraussetzungen treiben die Entwicklung vernetzter Mobilität – und welche fehlen derzeit noch?
Pascal Peguret: Zunächst einmal: Es gibt heute kaum noch echte technologische Hürden. Viele der Grundlagen sind längst vorhanden. V2X funktioniert seit Jahren zuverlässig. Dass sie sich trotzdem nicht breit durchsetzt, liegt vorwiegend am mangelnden politischen Willen, an der fehlenden Standardisierung und Marktdurchdringung.
Ein anderes Thema sind die Fortschritte bei der Satellitenkommunikation. Hier unterscheiden wir zwischen Schmal- und Breitbandlösungen. Die gute Nachricht: Für den Schmalbandbereich sind die technologischen Voraussetzungen schon heute erfüllt. Auf dem diesjährigen Mobile World Congress haben wir gemeinsam mit Qualcomm und Skylo die erste Automotive- Telematic-Control-Unit mit nativer Satellitenunterstützung vorgestellt. Schon heute lassen sich über schmalbandige Satellitenverbindungen grundlegende Dienste wie eine SMS-ähnliche Notrufnachricht abbilden. Diese enthält wichtige Informationen wie die Position des Fahrzeugs sowie die zuletzt bekannten Fahrzeugdaten, die den Rettungskräften helfen sollen, die gemeldete Notfallsituation einzuschätzen und angemessen zu reagieren.
Beim Breitband-SatCom ist die noch größte technische Herausforderung die Antennentechnologie, die höhere Frequenzbänder und eine robuste Integration in die Fahrzeugarchitektur unterstützt. Ziel ist es, diese Systeme tauglich für den Einsatz in Fahrzeugen zu machen – also klein, widerstandsfähig, kosteneffizient, 3GPP-kompatibel, und zuverlässig im Hinblick auf eine stabile Verbindung in möglichst vielen alltäglichen Fahrsituationen. In Zukunft könnten dann auch Videokonferenzen, Streaming oder Daten-Updates in Echtzeit über SatCom ermöglicht werden.
Wir arbeiten eng mit Satelliten-Kommunikationsunternehmen, aber auch mit Forschungsinstituten und Partnern aus anderen Branchen, etwa der Agrarindustrie zusammen, damit diese Technologie in den nächsten Jahren reif für den Automobilmarkt wird. Spannend ist dabei, dass die entscheidenden Innovationen oft nicht aus Grundlagenforschung, sondern aus dem Transfer zwischen Branchen entstehen. So werden Technologien, die im Heimnetz, im Mobilfunk-Bereich, in der Landwirtschaft, in der Raumfahrt oder etwa auch im Verteidigungssektor längst funktionieren, für Automotive skaliert und industrialisiert.
Weltraum wird Wettbewerbsfeld
Next Mobility: Welche Akteure sind entscheidend für eine flächendeckende und qualitativ hochwertige vernetzte Mobilität?
Pascal Peguret: Neben den klassischen Mobilfunknetzbetreibern gewinnen auch Satellitennetzbetreiber, die globale Konnektivität für sicherheitskritische Automotive-Anwendungen bereitstellen, in Mobilitäts-Anwendungsfällen zunehmend an Marktrelevanz. Interessanterweise sehen wir hier einen regelrechten Boom: Nicht nur, dass etablierte SNO-Anbieter die Expansion der 3GPP-Standards vorantreiben, sondern es bauen auch neue Player – beispielsweise aus China – ihre eigenen proprietären Systeme auf. Parallel dazu erwägen auch einige OEMs, eigene Satellitenkonstellationen aufzubauen oder Kapazitäten von bestehenden Betreibern zu leasen. Der Weltraum wird im wahrsten Sinne des Wortes zu einem neuen Wettbewerbsfeld für die Automobilindustrie.
Darüber hinaus spielen MNOs und damit auch Mobile Virtual Network Operators eine wichtige Rolle, da sie mithilfe integrierter (e)SIM-Profile ein dynamisches Netzwerkmanagement und die Umschaltung zwischen 4G, 5G und SatCom in verschiedenen Ländern anbieten können. Diese nahtlose Architektur ist für die Schaffung globaler, unterbrechungsfreier Konnektivität unerlässlich – unabhängig von Land, Netzwerk oder Anbieter. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Ökosystem der vernetzten Mobilität in Zukunft sowohl auf MNOs/MVNOs als auch auf SNOs beruht. Erst das Zusammenspiel dieser Akteure ermöglicht eine stabile, globale und wirklich umfassende Konnektivität. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die vernetzte Mobilität in Zukunft nicht nur funktioniert, sondern zur Normalität wird.
Auf dem Weg zum SDV
Next Mobility: Wo liegen in der Automobilbranche die unternehmerischen Potenziale vernetzter Mobilität?
Pascal Peguret: Das hängt stark mit der E/E-Architektur der Fahrzeuge zusammen. Bisher hatten Fahrzeuge bis zu 100 einzelner Steuergeräte, von denen jedes für eine bestimmte Funktion zuständig war. Doch dieser Ansatz ist überholt. Die Zukunft gehört klar dem Zentralrechner, also einer zentralisierten Architektur, in der fast alle Fahrzeugfunktionen Software-basiert gesteuert, aktualisiert und erweitert werden.
Damit wird das Auto im Kern zum SDV, also zum Software Defined Vehicle. Das bedeutet: Die allermeisten Funktionen lassen sich über Software ein- und ausschalten, konfigurieren und aktualisieren. Der OEM kann also neue Funktionen oder Verbesserungen per Over-the-Air-Update aktivieren, optimieren oder hinzufügen, ähnlich wie bei einem Smartphone. Für den Nutzer heißt das: Sein Auto entwickelt sich weiter, selbst wenn es längst auf der Straße ist.
Unternehmerisch liegt hier enormes Potenzial – auf mehreren Ebenen:
Erstens für Hardware- und Plattformanbieter. Unternehmen, die Zentralcomputer, Domain-Controller und Hochleistungsnetzwerke entwickeln, werden zum Rückgrat dieser neuen Fahrzeugarchitekturen. Sie schaffen die technische Grundlage für die Software-Steuerung und damit den größten Hebel für Wertschöpfung.
Zweitens Software- und Enabler-Layer. Darunter liegt die Ebene, die die Softwareplattform selbst möglich macht – Betriebssysteme, Hypervisoren, Over-the-Air-Update-Management, Sicherheits- und Kommunikationssysteme. Wer diese Infrastrukturen bereitstellt, kontrolliert im Prinzip das neue „Betriebssystem des Autos“.
Drittens App-Ökosystem und Services. Hier beginnt die eigentliche Revolution. Wenn OEMs es schaffen, offene Ökosysteme zu etablieren, können externe Entwickler eigene Anwendungen für den Innenraum entwickeln, unter anderem Entertainment, Navigation, Wellbeing, Produktivität, Fahrzeugdiagnose, Personalisierung. Das macht das Auto zu einer Plattform, die sich kontinuierlich weiterentwickelt und monetisiert werden kann.
Man kann das vergleichen mit dem Smartphone: Der größte Mehrwert entsteht nicht durch die Hardware, sondern durch das Ökosystem aus Apps und Services, das darauf läuft. Genau dorthin bewegt sich die Automobilbranche. Hersteller, die den Mut haben, ihre Plattformen zu öffnen, werden künftig enorme Netzwerkeffekte und neue Umsatzquellen generieren – von App-Verkäufen über datenbasierte Services bis hin zu abonnementbasierten Funktionen.
Autonomes, Software-definierte Fahren kommt nicht nächstes Jahr
Next Mobility: Wie sieht aus Ihrer Sicht die vernetzte Mobilität der Zukunft aus?
Pascal Peguret: Ich glaube, wir stehen an der Schwelle zu einem der größten Umbrüche überhaupt. Das vollautonome und Softwaredefinierte Fahren wird kommen, nicht morgen, nicht nächstes Jahr, aber unausweichlich. Und sobald es so weit ist, wird sich alles ändern: die Definition von Mobilität, unser Verhältnis zum Auto, sogar unsere Städte und Lebensgewohnheiten.
Wenn Fahrzeuge wirklich ohne Lenkrad oder aktive Fahrbeteiligung unterwegs sind, wird das Auto zu einem multifunktionalen Raum für Produktivität, Unterhaltung und Wohlbefinden. Wir werden während der Fahrt arbeiten, entspannen, kommunizieren oder uns unterhalten – in einer sicheren, hochvernetzten Umgebung mit kontinuierlicher Cloud-Anbindung und Echtzeitdiensten.
Damit verändert sich auch die Frage des Besitzes: Muss man überhaupt noch ein Auto besitzen, oder nutzt man Mobilität als On-Demand-Service? Diese Entwicklung wird auch das urbane Umfeld grundlegend verändern. Wenn Autos nach dem Aussteigen weiterfahren, brauchen wir keine Parkplätze mehr in der Innenstadt. Das Verhältnis von Stadt und Land wird sich verschieben. Wer will, kann wieder weiter draußen wohnen, weil Mobilität kein Zeitverlust mehr ist.
Natürlich wird es immer Menschen geben, die gern selbst fahren – so wie heute Oldtimerliebhaber oder Motorradfans. Selbst zu fahren an sich wird zu einer Art Leidenschaft oder Hobby werden, aber nicht mehr zwangsläufig zum Alltag gehören. Die Masse wird das Auto anders nutzen – als digitalen, vernetzten Raum, der sich nahtlos in ihr Leben einfügt.