Wie der Datenmarktplatz Caruso neue Automotive-Geschäftsmodelle ermöglicht

Seite: 3/3

Anbieter zum Thema

Das Daten-Paket, das Sie schnüren, dürfte für einen der Big Five spannend sein.

Alexander Haid: Dazu muss ich zwei Dinge vorausschicken. Erstens: Nicht Caruso besitzt die Daten, sondern der Datenlieferant. Caruso hostet die Daten zudem nicht, sondern routet sie „lediglich“ durch. Zweitens: Unser Ziel ist es eben nicht, das Google-Pendant vom Automotive Aftermarket zu werden. Natürlich sind Firmen wie Google ebenfalls sehr stark an diesen Daten interessiert. Sie wollen diese Daten nutzen und würden sie zur Not auch beim jeweiligen Unternehmen kaufen. Doch dann bieten sie nicht nur den Marktplatz, sondern diktieren auch die Regeln. Und möglicherweise stoßen sie ihn nach drei oder fünf Jahren mit Gewinn wieder ab und was passiert dann mit den Daten?

Genau das wollen wir nicht und das ist in unseren Statuten entsprechend verankert. Caruso ist neutral und nachhaltig. „Neutral“ bedeutet: Nicht der Marktplatz entscheidet, wer als Anbieter oder Konsument aktiv werden kann. Der Datenlieferant bleibt Besitzer seiner Daten, er bestimmt Preis und Einsehbarkeit seiner Daten. „Nachhaltigkeit“ heißt: Wir wollen und müssen mit dem Marktplatz Geld verdienen. Dies motiviert uns dazu, die richtigen Funktionen für unsere Partner zur Verfügung zu stellen. Dafür muss der Marktplatz in jedem Winkel der Welt betrieben werden können, entsprechend der lokalen Gesetzgebung. Caruso ist nicht der Akteur, sondern ein Industriestandard, wenn Sie so wollen, eine Technologie, die es allen angeschlossenen Teilnehmern ermöglicht, ihre Angebote auszubauen, ein neues Geschäftsmodell. Der Endkunde sieht und hört von Caruso in der Regel nichts.

Caruso wurde in Deutschland entwickelt. Wie stehen Marktteilnehmer anderer Länder dem Datenmarktplatz gegenüber?

Alexander Haid: Der Caruso-Standard kennt keine Ländergrenzen. Alle unsere Shareholder sind international aufgestellt. Es gibt im Automotive Aftermarket keine Alternative zum globalen Engagement. Unternehmen in Russland oder Indien arbeiten nicht anders als in Europa. Länderspezifische Schnittstellen und Datenformate wären hochgradig ineffizient und viel zu teuer. Im ersten Schritt wollen wir natürlich Europa erobern, aber parallel arbeiten wir schon an einem Roll-Out in Nordamerika um Asien, um die nächste Welle der Implementierung zu starten. Allein im Caruso-Team haben wir heute schon mehr als zehn Nationen.

Caruso stand in der Kritik, nicht neutral zu sein, sondern die Nähe zu den Fahrzeugherstellern zu suchen und deren Interessen zu vertreten.

Alexander Haid: Das ist nicht richtig. Bis heute gibt es zahlreiche Portale mit nach wie vor proprietären Daten. Caruso dagegen ist das erste offene System, bei dem völlige Datenportabilität herrscht. Wenn ein Fahrzeughersteller einen Vorteil darin sieht, seine Daten bei Caruso einzustellen, sind wir sicherlich nicht dagegen. BMW ist mit CarData seit dem Launch mit an Bord, mit weiteren OEMs stehen wir konkret in Verhandlungen.

Caruso ist der erste Marktplatz, der einen Zugang zu Daten aller relevanten Akteure ermöglicht, eine Beschränkung auf bestimmte Lieferanten besteht bei uns nicht. Meines Erachtens war die Kritik Stellvertreter im Zusammenhang mit der Diskussion über die generelle Freiheit des Datenzugangs, die zurzeit die Branche beherrscht. Dazu kann Caruso nichts beitragen. Hier besteht Regulierungsbedarf seitens Brüssel. Ich kann es mir aus heutiger Sicht aber nur schwer vorstellen, dass dies unser Business-Modell negativ beeinflusst. Bei einer weiteren Verzögerung könnte das die Nachfrage, sich unserem offenen System anzuschließen, eher weiter beflügeln. Wir hoffen, dass die Gesetzgebung den Datenhandel klar und verlässlich regelt.

Wie ist Caruso in puncto Datenschutz und Datensicherheit aufgestellt?

Alexander Haid: Wir arbeiten mit dem Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering in Kaiserslautern zusammen, einem in Europa führenden Anbieter von Plattform- und Softwarearchitektur und Datensicherheit. Bei diesem strategischen Technologieberater sind wir und unsere Partner gut aufgehoben. Daneben haben wir natürlich weitere Partner, die für ein hohes Level in punkto Cyber Security sorgen.

Was bedeutet es, Gesellschafter bei Caruso zu sein und welche Chancen und Pflichten sind damit verbunden?

Alexander Haid: Jeder Partner kann entscheiden, ob er auch Gesellschafter werden will. In dieser Funktion kann er die Geschicke von Caruso mitbestimmen, hat also Mitspracherechte in Bezug auf das Business-Modell oder strategische Ziele. Diese Struktur unterscheidet uns von allen anderen existierenden Marktplätzen. Die Caruso GmbH ist natürlich gewinnorientiert ausgerichtet, schüttet aber keine Dividende an die Gesellschafter aus, sondern die Gewinne fließen vollständig in die Weiterentwicklung des Marktplatzes ein. Damit wird Caruso kontinuierlich die Funktionalitäten seines Datenmarktplatzes erweitern und entsprechend der Bedürfnisse der Partner weiterentwickeln. In enger Abstimmung mit ihnen legen wir Datenindex, Daten- und Servicekatalog sowie die Standardisierung fest und bauen diese stetig weiter aus. Hauptgesellschafter ist die TecAlliance als Digitalisierungsspezialist für den Automotive Aftermarket, an dem 34 Shareholder aus dem Independent Automotive Aftermarket beteiligt sind. Weitere Gesellschafter sind ATR International, die CARAT-Unternehmensgruppe sowie die Eucon Group. Um die Offenheit und Neutralität des Datenmarktplatzes auch in der Gesellschafterstruktur abzubilden, sind wir mit weiteren potenziellen Gesellschaftern aus den Segmenten Versicherung, Werkstatt, Handel, Serviceanbieter und Fleet- und Leasingunternehmen im Gespräch.

Wie kommt man bei Caruso als Partner an Bord?

Alexander Haid: Wir begleiten Partner als Datenlieferant oder Datenkonsument von der Anfrage über die Klärung von Compliance- bzw. Datenschutzfragen bis hin zum operativen Betrieb. Am Anfang des Prozesses steht ein NDA, im Rahmen eines Letter of Intent erfolgt der strategische und technische Onboarding-Prozess. Mit dem Partner ermitteln wir den Ist-Status, seine Ziele, mögliche Use Cases sowie die konkrete Planung der technischen Seite. Security by Design unter anderem durch Verschlüsselung, Benutzerauthentifizierung und die Einbindung ins Risk Management sind bei uns wichtige Prinzipien des Onboardings. Dieser Prozess dauert erfahrungsgemäß einige Monate, richtet sich allerdings nach den Voraussetzungen auf Partnerseite. Sind alle Aspekte geklärt und ist das Partnership-Agreement getroffen, kann der Go-Live erfolgen. Unser mittelfristiges Fernziel ist das „Self-Onboarding“ per Online-Registrierung.

(ID:45279639)