Simulation Was autonom fahrende Autos mit dem Verkehrsfluss anstellen würden

Autor: Jens Rehberg

Ob und wann selbstfahrende Autos in der Breite die Städte erobern, steht noch in den Sternen – auf jeden Fall aber wird sich damit einiges verändern. So zum Beispiel die Qualität des Verkehrsflusses – darauf könnten sich die Kommunen heute schon vorbereiten.

Firmen zum Thema

Simulation eines Szenarios ohne Roboterautos – je stärker die Farbe in Richtung Rot oder Pink geht, desto langsamer fließt der Verkehr an dieser Stelle.
Simulation eines Szenarios ohne Roboterautos – je stärker die Farbe in Richtung Rot oder Pink geht, desto langsamer fließt der Verkehr an dieser Stelle.
(Bild: PTV)

Jochen Lohmiller verändert ein paar Parameter in seiner Simulationssoftware, und ein paar längere Straßenabschnitte auf der animierten Kartenansicht werden rosa. Rosa ist nicht gut. Die Signalfarbe steht für eine Durchschnittsgeschwindigkeit unter 10 km/h – Stop-and-go-Verkehr.

Lohmiller arbeitet als Projektmanager bei der Porsche-SE-Tochter PTV. Der Informationsdienstleister mit Hauptsitz in Karlsruhe entwickelt unter anderem Software für Verkehrsplanung. Jede größere deutsche Stadt simuliert mit den Programmen von PTV alle möglichen Verkehrsszenarien – weltweit haben rund 2.500 Städte Software des badischen Anbieters installiert.

Bildergalerie

Normalerweise schauen Verkehrsplaner mit einem solchen Programm in die Zukunft, um zu sehen, wie sich eine bauliche Veränderung auf den Verkehrsfluss einer Straße oder eines ganzen Viertels auswirkt. Oder sie versuchen herauszufinden, welche Art von Ampelschaltung den Verkehr auf einer viel befahrenen Kreuzung zur abendlichen Rush Hour am besten durchleitet.

Jetzt gerade simuliert Jochen Lohmiller aber nicht den Bau einer zusätzlichen Verkehrsinsel, sondern die breite Präsenz voll autonom fahrender Pkw in den Straßen rund um die Uniklinik in Köln-Lindenthal.

Eigentlich sollte man meinen, ein auf Level 5 – also maximal autonom – fahrendes Auto bewegt sich nicht viel anders als ein menschlich geführtes Kraftfahrzeug. Dem ist aber nicht so. „Alle Prototypen von Waymo, Tesla, etc. sind sehr zurückhaltend unterwegs“, erläutert Jochen Lohmiller. Und man könne nicht davon ausgehen, dass sich das in der Anfangsphase – also dann, wenn die selbstfahrenden Pkw auch tatsächlich nach und nach auf die Straße kommen – ändern wird.

Laut Lohmiller werden die Algorithmen der Hersteller die Roboterautos erst dann zügiger von der Leine lassen, wenn die Vernetzung der Verkehrsinfrastruktur einen gewissen Grad erreicht hat. Das heißt, sobald eine kritische Dichte an miteinander kommunizierenden Fahrzeugen im Verkehr erreicht ist beziehungsweise Teile der Infrastruktur oder auch Leitstellen verschiedenster Art verlässlich Informationen an die selbstfahrenden Fahrzeuge senden. Erst dann würden die autonom fahrenden Pkw enger auffahren oder auch mal einen vorteilhaften Spurwechsel unternehmen.

Achtsame KI

„Bis es soweit ist, fahren Roboterautos deutlich vorsichtiger als Personen“, sagt Jochen Lohmiller. „Prinzipiell halten sie immer mindestens so viel Abstand, dass sie ohne Probleme zum Stehen kommen können, falls ein Verkehrsteilnehmer vor ihnen aus welchen Gründen auch immer abrupt abbremsen sollte.“ Und das hat Konsequenzen.

Zoomt man in die Straßenkarte der PTV-Software hinein, bis beispielsweise ein einzelner Kreuzungsbereich den kompletten Sichtbereich ausfüllt, sieht man tatsächlich ganz detailliert den fließenden Verkehr mit roten und schwarzen Fahrzeugumrissen (autonom / nicht autonom fahrend) – fast wie in einem Computerspiel.

Auf dieser Mikroebene, also in der Sicht auf einzelne Fahrzeuge, wird nicht sofort augenscheinlich, was nicht rund läuft. Entfernt man sich aber wieder etwas vom Gewimmel der fiktiven Fahrzeuge oder schaut man in den Kennzahlenbereich unterhalb der Karte, kann man feststellen, dass sich mit zunehmender Dichte vorsichtig fahrender, autonom steuernder Autos die Qualität des Verkehrsflusses verschlechtert.

(ID:47589829)

Über den Autor

 Jens Rehberg

Jens Rehberg

Teamlead Newsdesk / Content Pool