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Von „syncro“ zu „4MOTION“ – 35 Jahre Allradantrieb im Passat

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Vor 35 Jahren hat Volkswagen den ersten Passat mit Allradantrieb vorgestellt. Seither zählen Modelle mit vier angetriebenen Rädern zu den Eckpfeilern der erfolgreichen Mittelklasse-Baureihe.

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35 Jahre Allradantrieb: Volkswagen Arteon, Golf Alltrack, Tiguan R-Line und Passat Alltrack
35 Jahre Allradantrieb: Volkswagen Arteon, Golf Alltrack, Tiguan R-Line und Passat Alltrack
(Bild: Volkswagen)

In den vergangenen 35 Jahren hat Volkswagen den Allradantrieb technisch revolutioniert. Aus „syncro“ wurde dabei „4MOTION“. Heute ist der Allradantrieb des Passat mit modernsten Assistenzsystemen vernetzt und bietet dabei so viel Sicherheit und eine Performance wie nie zuvor. Nicht nur bei Wintersportlern stehen die allradgetriebenen Passat Versionen deshalb hoch im Kurs. Die höchste Allrad-Ausbaustufe innerhalb der Baureihe bietet der Passat Alltrack.

1983: Los geht es mit der Studie Passat Variant Tetra

Als Studie unter dem Namen Passat Variant Tetra sorgte er bereits 1983 für Aufsehen, ein Jahr später startete er unter der Bezeichnung Passat Variant syncro richtig durch. Fakt ist: Mit der zweiten Passat Generation (B2) zog erstmals der Allradantrieb in die Pkw-Palette von Volkswagen ein – und er kam, um zu bleiben. Schon das erste Modell setzte Zeichen. Optisch überzeugte es mit sportlicher GT-Ausstattung, akustisch mit einem sonor klingenden 2,0-Liter-Fünfzylinder sowie technisch mit Traktions- und Sicherheitsvorteilen. Der längs installierte Motor leitete seine 85 kW/115 PS über ein zentrales Differenzial im Verhältnis 50:50 an die vier permanent angetriebenen Räder weiter. Mittel- und Hinterachsdifferenzial ließen sich jeweils manuell sperren, um den Vortrieb bei besonders widrigen Grip-Verhältnissen zu optimieren. Das neue 4x4-Modell stieß sofort auf große Nachfrage – insbesondere unter Autofahrern, die auch bei winterlichen Bedingungen auf sichere Mobilität setzten oder ein praktisches Zugfahrzeug für den Pferde- oder Bootsanhänger benötigten. Weitere Motorvarianten mit 66 kW/90 PS und 88 kW/120 PS ergänzten schon bald das Angebot.

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1988: Die Visco-Kupplung ersetzt die starre Hinterachsanbindung

Mit dem Debüt der dritten Passat Generation (B3) vollzog 1988 auch der syncro-Antrieb dieser Baureihe den nächsten Schritt: Der Wechsel auf quer installierte Motoren erlaubte den Einsatz einer Visco-Kupplung, wie sie bereits im Golf II zum Einsatz kam. Das Mitteldifferenzial wurde dabei durch einen mit Silikonöl befüllten Zylinder ersetzt. Er steuerte die Kraftübertragung an die Hinterräder, ohne die Kardanwelle starr mit der Getriebeseite zu verbinden – bei Drehzahlunterschieden übernahm die hochviskose, also zähe Flüssigkeit den Kraftschluss. Vorteil: Das System war ABS-tauglich und wartete mit besserer Verbrauchseffizienz auf, da die Hinterachse nur bei Bedarf zugeschaltet wurde. Der moderne 4x4-Antrieb stand für den 85 kW/115 PS starken Passat zur Wahl, im sportlichen Passat GT G60 mit mechanischem G-Lader und 118 kW/160 PS gehörte er sogar zur Serienausstattung.

1996: 4MOTION mit Torsen-Differenzial übernimmt das Kommando

Seit der Einführung der fünften Passat Generation (B5) im Jahr 1996 tragen die Versionen mit Allradantrieb die Zusatzbezeichnung 4MOTION. Erneut wurde der Motor längs eingebaut; nun übernahm allerdings ein zentrales Torsen-Differenzial die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse. Sie erfolgte im Normalfall im Verhältnis 50:50, konnte zugunsten der langsamer drehenden Seite aber auch 75:25 erreichen. Die Hinterachssperre diente allein als Antriebshilfe: Sie ließ sich über einen Schalter manuell aktivieren und wurde bei Geschwindigkeiten von über 25 km/h automatisch abgeschaltet. Serienmäßig gehörte das 4MOTION-System zum Lieferumfang des 142 kW/193 PS starken Passat 2.8 V6 sowie des heute bereits als Youngtimer gesuchten Passat W8 mit 202 kW/275 PS starkem Achtzylinder. Für einige Dieselvarianten war sie optional erhältlich.

Voll variable Lamellen-Kupplung ersetzt Torsen

Mit der Passat Generation B6 erreichte auch der 4MOTION-Antrieb die nächste Entwicklungsstufe: Gepaart mit Quermotoren setzt er seither auf eine nasslaufende Lammellen-Kupplung. Ihre Funktionsweise ähnelt der einer Visco-Kupplung, allerdings spricht sie dank elektronischer Regelung extrem schnell an und kann zudem ein höheres Drehmoment übertragen. Die Motorleistung wird im Normalfall zu 100% auf die Vorderräder übertragen. Bei Bedarf erreichen aber bis zu 100% der Antriebskraft in Sekundenbruchteilen die Hinterräder – im Mittelpunkt steht die bestmögliche Fahrsicherheit bei möglichst geringem Verbrauch.

2018: Elektronisch geregeltes 4MOTION-System als Stand der Dinge

Heute arbeitet im aktuellen Passat ein permanenter 4MOTION-Allradantrieb mit einer elektronisch gesteuerten Lamellen-Kupplung der fünften Generation. Ihre Besonderheit: Die Antriebskraftverteilung an alle vier Räder wird bereits aktiv, bevor Schlupf auftritt. Ein Traktionsverlust kann auf diese Weise nahezu ausgeschlossen werden. Im Normalfall leitet das Allradsystem das Antriebsmoment an die Vorderachse. Sobald notwendig, werden die Hinterräder in Sekundenbruchteilen zugeschaltet. Während die Lamellen-Kupplung als Längssperre fungiert, übernehmen elektronische Differenzialsperren (Vierrad-EDS) an allen vier Rädern die Aufgabe von Quersperren. Sie sorgen dafür, dass die Antriebskraft beim Durchdrehen eines Rades ebenfalls in Sekundenbruchteilen an das Rad auf der jeweils gegenüberliegenden Seite gelenkt wird.

Der Passat Alltrack im robustem Offroad-Look besitzt ein nochmals leistungsfähigeres 4MOTION-System: An Vorder- und Hinterachse kommt die Zusatzfunktion XDS+ hinzu. Sie bremst bei schneller Kurvenfahrt die kurveninneren Räder an und optimiert über einen präziseren Lenkwinkel das Lenkverhalten, verbessert nochmals die Traktion, steigert die Agilität und ermöglicht eine höhere Geschwindigkeit im Kurvenausgang. Technisch handelt es sich beim XDS+ um eine Funktionserweiterung der elektronischen Differenzialsperren.

4x4: Der Allradantrieb setzt seinen Siegeszug fort

Modellvarianten mit Allradantrieb gehören heute längst zum Bestandteil der meisten Volkswagen Baureihen. Neben dem Passat, Passat Variant und Passat Alltrack ist der Allradantrieb 4MOTION an Bord des Golf, Golf Variant, Golf Alltrack, Sharan, Arteon sowie der SUV-Baureihen T-Roc, Tiguan und Touareg (letzterer in einer anderen technischen Konfiguration) zu finden. Auch wenn 4MOTION bei jeder Witterung die Sicherheit und Performance verbessert – in diesen Monaten sind viele Volkswagen 4MOTION Modelle dort zu finden, wo der Winter besonders Spaß macht: in den Skigebieten rund um den Globus.

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