Smart Cities Studie prognostiziert Boom im Smart-City-Sektor

Redakteur: Alina Hailer

Die wachsenden Herausforderungen in der Energieeffizienz und Nachhaltigkeit sowie die voranschreitende Digitalisierung geben dem Smart-City-Sektor Aufschwung. Eine aktuelle Studie schlägt einen Finanzierungsplan für konkrete Projekte vor.

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Mit der voranschreitenden Digitalisierung entstehen neue Geschäftsmodelle mit großen Potenzialen für Smart Cities.
Mit der voranschreitenden Digitalisierung entstehen neue Geschäftsmodelle mit großen Potenzialen für Smart Cities.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Eine gemeinsame Studie des Eco-Verbands und der Unternehmensberatung Arthur D. Little zeigt: Smart Cities gehört die Zukunft. Die Studie prognostiziert ein durchschnittliches jährliches Wachstum von mehr als 17 Prozent in diesem Sektor.

Dies entspricht einem Umsatzplus von über 46 Milliarden Euro innerhalb von fünf Jahren. Für insgesamt neun Segmente des deutschen Smart-City-Marktes skizziert die Studie ausführlich Trends und Herausforderungen. Besonders hohe Umsätze erwarten die Autoren in den Marktsegmenten Digitale Bildung (16,6 Milliarden) Transport & Logistik (14,8 Milliarden) sowie Gebäudeautomatisierung (14,1 Milliarden).

Digitalisierung bietet hohe Potenziale

„Smart Cities sind längst nicht mehr Science Fiction, sondern ein sehr attraktiver Markt“, sagt Eco-Vorstandsvorsitzender Oliver Süme. Die voranschreitende Digitalisierung, die damit einhergehende Verfügbarkeit und zunehmende Bedeutung von Daten, aber auch die wachsenden Herausforderungen in der Energieeffizienz und Nachhaltigkeit ließen zahlreiche innovative Geschäftsmodelle mit großen Potenzialen für lebenswertere Städte entstehen.

Um diese Potenziale zu heben, brauche es vor allem leistungsfähige und sichere digitale Infrastrukturen, eine klare Governance zum Umgang mit Daten, starke Kooperationen zwischen Unternehmen und Verwaltungen sowie ganzheitliche Konzepte. Auch der Staat und die Verwaltung müssten eine Vorreiterrolle bei der Anwendung smarter Technologien und digitaler Lösungen einnehmen: „Smart City funktioniert letztlich nur mit Smart Government“, betont Süme.

Datenökosysteme als Basis für Smart-City-Plattformen

Kommunikationsnetze, Rechenzentren sowie Sicherheitsinfrastrukturen bilden das Fundament des Smart-City-Ökosystems. „Die europäische Cloud und Dateninfrastruktur GAIA-X dürfte sich schon bald auch für Städte und Kommunen zur wichtigen Grundlage für erfolgreiche Smart-City-Plattformen entwickeln“, sagt Süme.

Die Internetwirtschaft profitiere insbesondere in den Feldern Colocation & Housing, aber auch bei Services & Applications vom anhaltenden Trend zum Outsourcing, dem steigenden Bedarf an zusätzlichen Datenspeicher- und Rechenleistungskapazitäten sowie den damit verbundenen Anforderungen an Cloud-Kapazitäten, Datenmanagement-Plattformen und Cybersecurity-Produkten.

„Gerade in den zurückliegenden Monaten der Pandemie wurde deutlich, dass resiliente Infrastrukturen und Städte für unsere künftige Gesellschaft und Wirtschaft überlebenswichtig sind. Eine zentrale Grundlage dafür sind digitale Infrastrukturen“, erklärt Timo von Lepel, Geschäftsführer des regionalen Telekommunikationsanbieters NetCologne. Digitale Souveränität sei dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor für erfolgreiche Smart Cities: „Wir werden mit einer Smart City nur dann unsere gesellschaftliche wie wirtschaftliche Zukunft bauen können, wenn wir selbstbestimmt digital handeln und entscheiden können“, so von Lepel.

Um dies zu erreichen arbeite man gemeinsam mit weiteren Partnern in unterschiedlichen Smart-City-Modellprojekten der Stadt Köln – vor allem an drei Schwerpunkten: dem Aufbau und Betrieb einer leistungsfähigen und sicheren digitalen Infrastruktur, dem Aufbau von Schlüsselkompetenzen und Technologien sowie dem Aufbau eines funktionsfähigen, digitalen Ökosystems.

Smart Cities sicher gestalten

Bei einem Blick auf die einzelnen Marktsegmente von Smart Cities wird deutlich, dass Cybersecurity ein weiterer elementarer Faktor ist, um die Vernetzung und Funktionsfähigkeit aufrechtzuerhalten und vor allem vor möglichem Schaden zu bewahren.

Schließlich sollen Smart Cities sicher und verlässlich vernetzt sein. Ob Gebäudesysteme, Gesundheitsdaten oder demokratische Prozesse: Alle Ebenen des städtischen Lebens werden in Zukunft auf dem Internet aufbauen. Damit gehen Risiken in Bezug auf Sicherheit und Geschwindigkeit einher. Cybersecurity ist dann essenziell.

Deutsche Städte international abgeschlagen

Trotz vielversprechender Best Practices und Leuchtturmprojekte bewegen sich viele deutsche Städte nur langsam von vereinzelten Pilotprojekten zum ganzheitlichen Ausbau von Segmenten und Plattformen. „Deutsche Städte nutzen derzeit noch nicht die Möglichkeiten, die sich am Kapitalmarkt bieten. Hier gibt es zahlreiche Infrastrukturinvestoren, die gerne das Kapital in deutsche Smart Cities investieren wollen“, sagt Lars Riegel, Partner bei Arthur D. Little. „Daher empfehlen wir Städten, genau zu untersuchen, wie man mit intelligenten Partnerschaften den Bürgern neueste Infrastruktur zur Verfügung zu stellen kann, die Umwelt schützt und das eigene Budget schont.“

Dreistufiger Masterplan

Die Studie schlägt außerdem einen dreistufigen Smart-City-Masterplan bei der Finanzierung von konkreten Projekten vor, der einen integrierten Ansatz über die wichtigsten Projektphasen hinweg verfolgt.

Smarte Quartiere seien gute Erprobungsräume für solche ganzheitlichen Betrachtungen, das zeigten Beispiele in führenden deutschen Smart Cities wie Hamburg, Köln, Berlin und München.

Um den eigenen Weg zur Smart City zu ebnen, sollten deutsche Städte und Kommunen gemäß der Studie ihre vorhandene Datenbank-Landschaft kontinuierlich hinterfragen und mit den technologischen Trends und deren Anforderungen validieren. Denn erst eine segmentübergreifende Architektur von Datenökosystemen und einer entsprechenden „Data Governance“ ermögliche es, die unzähligen Datenpunkte zu aggregieren, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und Synergien zwischen den Segmenten und den Bausteinen zu nutzen.

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