Metropolen werden verbunden Dank Brüssel: schneller von Berlin nach Brüssel

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 3 min Lesedauer

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Aus nationalen Bahnnetzen soll ein europäisches Verbundnetz entstehen. Dafür setzt sich die EU-Kommission ein und möchte Metropolen miteinander verbinden. Reisen zwischen den Hauptstädten sollen so in wenigen Stunden möglich sein.

Mit der Bahn quer durch Europa: Durch die neuen Pläne sollen Flüge reduziert werden und der Schienenverkehr ausgebaut werden.(Bild:  frei lizenziert / Pexels)
Mit der Bahn quer durch Europa: Durch die neuen Pläne sollen Flüge reduziert werden und der Schienenverkehr ausgebaut werden.
(Bild: frei lizenziert / Pexels)

Die Mobilitäts- und Klimaziele der Europäischen Union haben den Schienenverkehr in den Mittelpunkt der europäischen Verkehrspolitik gerückt. Ein internationales Schienennetz soll die Konkurrenz zu Flugreisen werden. Es gibt allerdings ein Problem: der Schienenverkehr in Europa ist bislang stark fragmentiert. Viele Länder haben eigene Standards in Bezug auf Strom- und Signalsysteme sowie nationale Vorschriften. Fehlende Standards in der EU verhindern, dass Bahnreisen auf langen Strecken durchgängig möglich sind. Aus diesem Grund will die EU ein integriertes Hochgeschwindigkeitsnetz schaffen. Dieses Netz soll große Städte über Ländergrenzen hinweg schnell und verlässlich miteinander verbinden.

Die europäische Strategie

Der „High-Speed Rail Plan“ der Europäische Kommission hat nur ein Ziel. Ein durchgehendes europäisches Hochgeschwindigkeits-Zugnetz bis 2040. Die wichtigsten Metropolregionen der EU sollen über Hochgeschwindigkeitsstrecken miteinander verbunden werden. Dort sollen die Züge mit mindestens 200 km/h unterwegs sein.

Bereits bestehende Verbindungen werden deshalb zu einem Netz zusammengeschlossen. Dazu wird die bestehende Infrastruktur modernisiert, Engpässe beseitigt und grenzüberschreitende Abschnitte ergänzt. Der Plan setzt auf den Ausbau und die Harmonisierung der Infrastruktur, die Förderung von Wettbewerb und Servicequalität, die Stärkung technologischer Innovationen sowie auf eine koordinierte Governance- und Finanzierungsstrategie.

Warum Hochgeschwindigkeit entscheidend ist

Die Bahn soll zur Konkurrenz zum Flugzeug werden. Das geht nur, wenn sie schnell, günstig, zuverlässig und komfortabel ist. Studien zeigen, dass Hochgeschwindigkeitszüge besonders auf Strecken zwischen 300 und 800 Kilometern Flugreisen ersetzen können.

Einer der wichtigsten Bestandteile des Plans ist daher der Ausbau des transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-T). Bestehende nationale Hochgeschwindigkeitsstrecken sollen dabei zu einem zusammenhängenden, europäischen Netz verbunden werden. Bis 2040 sollen dann alle Hauptstädte und großen Städte untereinander erreichbar sein. Die technische Harmonisierung spielt dabei eine große Rolle. Dabei soll ein einheitliches europäisches Zugleitsystem (ETCS), standardisierte Stromsysteme und gemeinsame Betriebsstandards künftig dafür sorgen, dass Züge problemlos Landesgrenzen überschreiten können.

Der offene Markt

Die EU setzt auf einen wettbewerbsorientierten Bahnmarkt. Neue Anbieter sollen leichter Zugang zu Strecken und Bahnhöfen erhalten, während Reisende von mehr Auswahl und niedrigeren Preisen profitieren. Und auch der Ticketkauf soll einfacher werden. Unabhängig vom Betreiber oder Land soll es künftig möglich sein, internationale Zugreisen über ein einziges digitales System zu buchen.

Außerdem sollen neue Zugmodelle, energiesparende Antriebssysteme und digitale Lösungen für Wartung und Betrieb Reisezeiten verkürzen und die Effizienz steigern. Zusätzlich gibt es Forschungsinitiativen wie „Shift2Rail“ und „Europe’s Rail“. Sie tragen dazu bei, Standards zu harmonisieren und Innovationen schneller in die Praxis zu überführen.

Herausforderungen des Projekts

Der Investitionsbedarf für das geplante Netz ist gewaltig. Ersten Schätzungen zufolge werden bis zu 500 Milliarden Euro erforderlich sein, um das Hochgeschwindigkeitsnetz vollständig zu realisieren. Finanziert wird das Projekt aber nicht nur durch nationale Haushalte. Europäische Fonds und private Investoren tragen ebenfalls zur Finanzierung bei.

Eine solche Vision kann jedoch schnell auf reale Hindernisse stoßen. Langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren, hohe Baukosten, technische Inkompatibilitäten und komplexe nationale Interessen bremsen den Fortschritt. Stuttgart 21 zeigt deutlich, wie der Ausbau von Infrastruktur ins Stocken kommen kann. Zudem bleibt der Wettbewerb mit Flugzeug und Auto hart.

Deutschlands Rolle als Verkehrsknoten

Deutschland ist aufgrund seiner geografischen Lage das Herzstück des europäischen Schienennetzes. Zahlreiche Nord-Süd- und Ost-West-Korridore führen durch deutsche Ballungsräume. Das Land profitiert daher doppelt vom Ausbau. Auf der einen Seite wird der grenzüberschreitende Verkehr verbessert, auf der anderen Seite stärkt ein leistungsfähiges Bahnnetz die eigene Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Binnenmarkt. Verbindungen wie Berlin–Kopenhagen, München–Mailand oder Frankfurt–Paris sind exemplarisch für das Potenzial des geplanten Netzes. Voraussetzung für ein europäisches Netz ist jedoch Pünktlichkeit.

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Ein Blick in die Zukunft

15 Jahre sind angesetz, um das Projekt Wirklichkeit werden zu lassen. Bis 2030 sollen bereits erste Fortschritte erreicht sein. Kürzere Reisezeiten, modernisierte Trassen und vereinfachte Ticketangebote machen dann den Zug schon attraktiver. Das Zieljahr 2040 markiert den Zeitpunkt, an dem ein durchgängiges europäisches Hochgeschwindigkeitsnetz Realität sein soll. Langfristig strebt die EU an, das Volumen des Hochgeschwindigkeitsverkehrs gegenüber 2015 zu verdreifachen.

Der europäische Hochgeschwindigkeitsplan ist weit mehr als ein Infrastrukturprojekt Jedoch verlangt die Umsetzung politische Entschlossenheit, langfristige Investitionen und die Bereitschaft aller Beteiligten, über nationale Grenzen hinauszudenken. Nur dann wird aus Vision Wirklichkeit: ein Europa, das durch schnelle, nachhaltige und bequeme Bahnverbindungen vereint ist. (mr)

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