Elektromobilität Schnellladen für bis zu 52 Autos gleichzeitig: EnBW eröffnet Mega-Ladepark am Kamener Kreuz

26-mal 300 Kilowatt oder 52-mal 150 Kilowatt – Schnellladen für die Massen ist jetzt in der Nähe des Kamener Kreuzes möglich. EnBW hat an dem Standort in Nordrhein-Westfalen seinen bislang größten Ladepark eröffnet. Bei der Eröffnung kündigte Vorstandschef Frank Mastiaux weitere Investitionen an, stellte aber auch Forderungen an die Politik.

Firma zum Thema

Der Schnellladepark in Kamen ist der bislang größte von EnBW.
Der Schnellladepark in Kamen ist der bislang größte von EnBW.
(Bild: EnBW)

Größere Berühmtheit hat Kamen bislang nicht erlangt. Rund 45.000 Einwohner zählt die Stadt zwischen Dortmund und Hamm. Doch nun sorgt eine infrastrukturelle Begebenheit dafür, dass der Ort zumindest in Elektromobilitäts-Kreisen im Rampenlicht steht. Denn am Kamener Kreuz treffen sich die Autobahnen A1 und A2, auch die A44 ist nicht weit entfernt. Täglich befahren mehr als 100.000 Fahrzeuge jene Fernstraßen.

Und da immer mehr davon auch Elektroautos sind, hat sich der Energieversorger EnBW gedacht, dass Kamener Kreuz wäre ein guter Standort für einen der eigenen Schnellladeparks. Entstanden ist nicht irgendein weiterer der insgesamt 50 größeren Lade-Standorte, die das Unternehmen bereits eröffnet hat oder demnächst freigeben will. Der Park bei Kamen ist der bislang größte seiner Art von EnBW. In Deutschland sind in ähnlichen Dimensionen sonst nur der „Sortimo Innovationspark“ an der A8 in Zusmarshausen (aktuell 72 Ladepunkte) und ein Ladepark in Hilden unterwegs. Jene drei Standorte sind derzeit die größten in ganz Europa.

26 Säulen des Typs Alpitronic Hypercharger HYC300 hat das Unternehmen installiert. Bis zu 300 kW Ladeleistung sind damit möglich. Sollten alle Punkte gleichzeitig besetzt werden, können dort 52 Fahrzeuge parallel mit jeweils bis zu 150 kW laden. EnBW verspricht dabei 100 Prozent Ökostrom.

Dazu soll auch eine große Photovoltaikanlage sorgen, die alle Ladeplätze überspannt. Sie hat eine Kapazität von bis zu 120 kW Energie und soll per Künstlicher Intelligenz auch Strom ins Netz einspeisen können, sofern dieser vor Ort nicht benötigt wird. Auch der umgekehrte Weg ist möglich: Ein „virtuelles Kraftwerk“ kann für den Ladepark Ökostrom besorgen, der nicht vor Ort erzeugt wird.

Kunden möchte EnBW am neuen Standort nicht nur mit schierer Größe beeindrucken. Auch das Ladeerlebnis soll dort auf einem höheren Standard sein, als man es bisher bei dem Anbieter gewohnt ist. Beispielsweise ist der Park der erste mit einem WC vor Ort. Außerdem gibt es überdachte Sitzmöglichkeiten.

Die Eröffnung ließ sich selbst Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) nicht nehmen. Er bezeichnete das Projekt als „Meilenstein auf dem Weg zur Mobilität der Zukunft“. NRW liege im Bundesvergleich mit rund 115.000 zugelassenen reinen E-Autos auf Platz eins. Jede zehnte Neuzulassung dort sei aktuell ein BEV. „Mit diesem Tempo beim Umbau unserer Energieerzeugung, unserer Energieverwendung und insbesondere bei der Elektromobilität gehen wir weiter voran“, so Wüst.

EnBW-Chef: „Überregulierung sollten wir vermeiden“

Auch EnBW-Vorstandschef Frank Mastiaux war bei der offiziellen Inbetriebnahme vor Ort. Er betonte, dass der Energieversorger bis 2025 jährlich 100 Millionen Euro in den Ausbau der eigenen Ladeinfrastruktur investiere. Bis zu 2.500 Standorte zum Schnellladen sollen bis dahin entstehen. Von der Politik wünscht sich der Manager dabei bessere Rahmenbedingungen.

„Die neue Bundesregierung möchte Deutschland zu einem Leitmarkt für Elektromobilität machen. Damit das gelingt, brauchen wir mehr Drehmoment beim Ausbau der Ladeinfrastruktur. Dabei können wir aus der Energiewende lernen: Überregulierung sollten wir vermeiden, den marktgetriebenen Ausbau priorisieren – und Planungs-, Genehmigungs- und Förderverfahren künftig schneller realisieren“, sagte Mastiaux.

Kritiker warnen vor planlosem Ausbau

Allerdings ist gehen die Meinungen auseinander, wie stark die öffentliche Ladeinfrastruktur ausgebaut werden muss. Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) hatte kürzlich mehr Initiative von der Politik gefordert. Statt wie derzeit wöchentlich etwa 200 neue öffentliche Lademöglichkeiten brauche es 2.000 pro Woche. Anders sieht das etwa der Bundesverband für Energie und Wasserwirtschaft (BDEW). Bislang würden die Kapazitäten des öffentlichen Ladenetz noch gar nicht ausgeschöpft, erklärte der Verband kürzlich.

„Wie viele öffentliche Ladepunkte wir im Jahr 2030 tatsächlich brauchen, kann heute kaum verlässlich beziffert werden“, hatte BDEW-Geschäftsführerin Kerstin Andreae angemerkt. Schließlich werde der Bedarf durch die weitere Entwicklung der Technologie, dem Angebot an Fahrzeugen und damit schlicht vom Markt geprägt. Ihr Fazit deshalb: „Es bringt nichts, Deutschland mit einer Million öffentlicher Ladepunkte zuzupflastern, wenn die Menschen ohnehin meist in der eigenen Garage oder am Arbeitsplatz laden möchten. Und genau dieser Trend ist absehbar“, so die BDEW-Geschäftsführerin.

Kritiker bemängeln beim öffentlichen Ladeausbau zudem, dass nur wenige Anbieter dabei zum Zug kämen und diese dadurch die Preise praktisch diktieren könnten. Ein weiterer Kritikpunkt: Die Preise für das Laden seien an den Säulen für Elektroauto-Neulinge nicht transparent genug. Bei EnBW kostet das Laden für Kunden des Standardtarifs 55 Cent pro Kilowattstunde. Wer einen Vielfahrer-Tarif bucht zahlt 46 Cent pro kWh. Zudem stehen die Säulen auch Kunden zur Verfügung, die die Tarife anderer Anbieter nutzen – und das zu deren Konditionen.

(ID:47894844)