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Rückblick: Mit dem Elektrobus zur Olympiade 1972

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

1970 präsentierte MAN nach zweijähriger Entwicklungszeit einen rein elektrisch angetriebenen Stadtlinien-Omnibus. Die Batterie befand sich in einem gesonderten Anhänger und ermöglichte zu Beginn eine Reichweite von 50 Kilometer.

Der erste MAN-Elektrobus konnte 99 Fahrgäste befördern, hatte eine Reichweite von 50 Kilometern und kam sogar bei der Olympiade 1972 in München zum Einsatz.
Der erste MAN-Elektrobus konnte 99 Fahrgäste befördern, hatte eine Reichweite von 50 Kilometern und kam sogar bei der Olympiade 1972 in München zum Einsatz.
(Bild: MAN)

Ohne Elektromobilität ist das Energiekonzept der Zukunft kaum vorstellbar. Dabei ist die Technologie selbst in Nutzfahrzeugen nicht neu. Bereits 1970 ging der erste Elektrobus von MAN auf die Linie. Am 13. Februar 1970 präsentierte MAN das Modell 750 HO-M10 E auf der neuen Teststrecke 1 im Werk München. Der Bus sollte „einen positiven Beitrag der Industrie zur Bekämpfung von Luftverschmutzung und Lärm im innerstädtischen Straßenverkehr leisten“, hieß es in einer MAN-Pressemitteilung.

Aufgrund der ständig fortschreitenden „Motorisierungswelle“ wurden schon damals Stimmen laut, die herrschenden Zustände in den Städten zu verbessern. „Um eigene Erfahrungen zu sammeln und einen Beitrag für Mensch und Umwelt zu leisten, hat sich MAN Anfang der 70er Jahre entschieden, diese Herausforderung anzugehen“, meint Henning Stibbe, Leiter historisches Archiv bei MAN Truck & Bus. Elf Monate nach der Präsentation übergab MAN im Januar 1971 den Prototypen nach eingehender Werkserprobung an die Koblenzer Verkehrsgesellschaft für eine einjährige Testreihe im Linienverkehr.

Mit dem E-Bus zu Olympia

Der Elektrobus, der auf der Linie 7 fuhr, konnte 99 Fahrgäste befördern und hatte eine Reichweite von 50 Kilometern. Die Batterien waren in einem Anhänger untergebracht und gewährleisteten einen Fahrbetrieb von zwei bis drei Stunden. Ein weiterer Einachs-Anhänger mit Batterien stand in einer Wechselstation bereit, damit ein zügiger Austausch stattfinden konnte, sobald die Batterien leer waren.

Die Stadt Mönchengladbach setzte die batterielektrischen Busse von 1974 bis 1979 ein.
Die Stadt Mönchengladbach setzte die batterielektrischen Busse von 1974 bis 1979 ein.
(Bild: MAN)

„Dass zwei Anhängermodule mit Batterien zur Verfügung standen, hatte neben der ständigen Verfügbarkeit des Elektrobusses den Vorteil, dass die Batterien mit kostengünstigem Nachtstrom aufgeladen werden konnten“, so Stibbe. Bis Juni 1971 legte der MAN-Elektrobus rund 6.000 Kilometer ohne wesentliche Störung und völlig abgasfrei im Liniendienst in Koblenz zurück.

Aber nicht nur in Koblenz kamen Busse mit alternativen Antrieben zum Einsatz: So wurden 1972 während der Olympiade in München die Athleten in zwei Elektro- und acht Erdgasbussen zwischen Olympiapark und Olympischen Dorf hin- und herchauffiert. Bis zu 20 Stunden täglich drehten die Fahrzeuge ihre Runden und brachten die Spitzensportler aus aller Welt sicher und umweltfreundlich ans Ziel.

Zwei Jahre später, am 15. Oktober 1974, übergab MAN die ersten neuen batteriebetriebenen Elektrobusse an die Stadt Mönchengladbach. Bis 1979 waren die Elektrobusse der zweiten Generation vom Typ SL-E dort im Einsatz. Neu waren unter anderem ihre um 50 Prozent erweiterten Batterieeinheiten und das überarbeitete Anhängermodul. Auf diese Weise konnten Reichweiten bis zu 80 Kilometer erzielt werden und der Batteriewechsel vollautomatisch erfolgen. Auch Düsseldorf und Frankfurt am Main bauten auf die Vorteile der Elektrobusse von MAN und setzten diese erfolgreich im Öffentlichen Nahverkehr ein.

Lion’s City E geht in Serie

Der vollelektrische Antriebsstrang leistet im MAN Lion’s City 18 E 320 kW bis maximal 480 kW. Bei einer durchschnittlichen Ladeleistung von 100 kW und bis zu 150 kW Maximalleistung ist der Bus in unter vier Stunden vollständig aufgeladen.
Der vollelektrische Antriebsstrang leistet im MAN Lion’s City 18 E 320 kW bis maximal 480 kW. Bei einer durchschnittlichen Ladeleistung von 100 kW und bis zu 150 kW Maximalleistung ist der Bus in unter vier Stunden vollständig aufgeladen.
(Bild: MAN)

50 Jahre nach der Vorstellung des 750 HO-M10 E bringt MAN nun mit dem Lion’s City E ein vollelektrisches Serienfahrzeug auf den Markt. Im vierten Quartal 2020 werden die ersten Kundenfahrzeuge aus der Serienproduktion ausgeliefert. „Jetzt, wo Zeit und Markt reif für diese Technologie sind und die politischen Rahmenbedingungen passen, können wir unseren Kunden einen eBus als Serienfahrzeug bieten, der mit ausgereifter Technik und einem zukunftsfähigen Gesamtkonzept überzeugt. Nicht nur der eMotor stammt aus unserem Haus, auch die im Elektrobus entscheidenden Kompetenzen, wie beispielsweise die Batterietechnologie, entwickeln wir im Konzern“, sagt Rudi Kuchta, Head of Business Unit Bus bei MAN Truck & Bus. Der Lion’s City E kommt auf eine Reichweite von 200 km und bis zu 270 km unter günstigen Bedingungen über die gesamte Lebensdauer der Batterie.

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