Flugtaxis Neuer Jet, neuer Partner, neue Vertriebsstrategie: So läuft es bei Lilium

Rund ein halbes Jahr ist Lilium inzwischen in New York an der Börse – und hat seitdem rund zwei Drittel seines Werts verloren. Die Münchner brauchen also dringend gute Nachrichten. In einem Bericht an die Aktionäre versuchen sich CEO Daniel Wiegand und CFO Geoff Richardson daran, Optimismus zu verbreiten.

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2024 will Lilium seinen Flugtaxi-Dienst kommerziell anbieten.
2024 will Lilium seinen Flugtaxi-Dienst kommerziell anbieten.
(Bild: Lilium)

Seit vergangenem September ist das Münchner Flugtaxi-Start-up in New York an der Börse gelistet. Das bedeutet auch, dass das Unternehmen Aktionäre regelmäßig über den Stand der Dinge informieren muss. In einem 9-seitigen Aktionärsbrief haben CEO Daniel Wiegand und CFO Geoff Richardson nun auf 2021 zurückgeblickt und auch einen Ausblick auf das laufende Jahr gegeben.

Nach eigenen Angaben hat Lilium im vergangenen Jahr insgesamt 217 Millionen Dollar ausgegeben. Die Münchner bezeichneten das als planmäßig, hätten sie doch ursprünglich mit 221 Millionen Dollar gerechnet. Zumindest für das erste Quartal 2022 rechnet das Management nun mit niedrigeren Ausgaben. Aktuell hat Lilium eigenen Aussagen zufolge noch rund 400 Millionen Dollar an liquiden Mitteln.

Lilium reduziert die Zahl der Elektro-Motoren

Eine nicht genannte Summe wird Lilium in diesem Jahr in die Entwicklung eines neuen Prototypen namens „Phoenix 3“ stecken. Im Sommer soll dieser startklar sein und seine ersten Testflüge in Spanien absolvieren. Dort, genauer in Villacarrillo, befindet sich bereits der aktuelle Vorserien-Jet „Phoenix 2“. Er soll zeitnah Hochgeschwindigkeits-Testflüge absolvieren. Noch fehlt aber die Erlaubnis der spanischen Behörden.

Daneben kündigte Lilium einige technische Veränderungen an seinen geplanten Flugtaxis an. So will das Start-up beispielsweise die Zahl der schwenkbaren Elektromotoren an den vier Tragflächen seiner Jets von 36 auf 30 reduzieren. Das soll die Konstruktion leichter und weniger komplex machen. Außerdem verspricht sich Lilium dadurch eine bessere Aerodynamik, geringer Material- und Wartungskosten sowie mehr Flexibilität für künftige Jets.

Liliums Ansatz ist nicht unumstritten. Das Start-up gibt selbst zu, dass der Energiebedarf beim Senkrecht-Start mit jener Technik etwa doppelt so groß ist wie bei Flugtaxis mit großen Rotoren. Dank besserer Gleiteigenschaften werde das im Laufe des Flugs aber nahezu wieder ausgeglichen, verspricht das Unternehmen. Der Mehrbedarf an Energie liege alles in allem nur bei rund fünf Prozent.

Die Reichweite seines 320-kW-Jets gibt Lilium mit bis zu 300 Kilometern angegeben. Maximal sollen Geschwindigkeiten von 300 km/h möglich sein. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, dass derartige Zahlen unrealistisch seien. Das Start-up selbst spricht von einem Triebwerks-Wirkungsgrad im Schweben von 85 bis 95 Prozent selbst bei einem vollbesetzten Jet. Die Fachzeitschrift „Aerokurier“ stellte hingegen eine Rechnung auf, die von 20 Prozent Wirkungsgrad ausgeht. Außerdem monieren Kritiker, dass die Flugtaxis von Lilium aufgrund ihrer Vielzahl an Motoren vergleichsweise laut sein dürften. Die Münchner selbst weisen das zurück.

Auch Privatpersonen und Geschäftsleute sollen Lilium-Jets bestellen können

Nicht zuletzt aufgrund jener Kritikpunkte braucht Lilium gute Nachrichten. Und diese wollen Wiegand und Richardson beispielsweise in Form einer Absichtserklärung mit dem US-Privatjet-Anbieter Netjets an ihre Aktionäre senden. Der geplante Deal sieht vor, dass Netjets bis zu 150 Flugtaxis bei Lilium bestellen kann. Diese könnte die US-Firma dann über ihr Teileigentums-Modell an Privatpersonen und Geschäftsleute vermarkten.

Bislang hatte Lilium seine Flugtaxis nur für rein kommerzielle Dienste vorgesehen. Der bislang größte Erfolg der Münchner war eine Vereinbarung über eine Milliarde Dollar mit der brasilianischen Fluglinie Azul, die 220 Lilium-Jets bestellt und ab 2025 in Brasilien einsetzen will. Nun soll also auch der Vertrieb an Einzelkunden hinzukommen. Teilweise will Lilium das direkt machen, teilweise über Netjets. Bei der weiteren Abwicklung sollen die US-Amerikaner aber immer unterstützen.

Damit einher geht auch, dass Lilium seine Jets flexibler gestalten will. Bislang war ausschließlich von Sechssitzern die Rede. Jetzt bringt das Management auch eine Premium-Variante mit vier Plätzen für Passagiere ins Spiel. Zudem denken die Münchner auch darüber nach, ihre Flugtaxis für Frachtflüge anzubieten.

Ob all jene Pläne die Investoren und die Börse überzeugen können, muss sich erst zeigen. Bislang ist Liliums Nasdaq-Zeit keine Erfolgsgeschichte. Schon der Start des Spac-Börsengangs mit der Mantelfirma Qell Acqusition Corp verlief holprig. Statt der angepeilten 3,3 Milliarden Dollar kam Lilium „nur“ auf einen Börsenwert von 3 Milliarden Dollar. Seitdem ist der Kurs der Aktie immer weiter eingebrochen. Fast zwei Drittel der Start-Bewertung sind futsch, aktuell wird Lilium noch mit knapp 990 Millionen Dollar bewertet.

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