Flugtaxis Lilium muss zum Start an der Börse Abstriche machen

Autor: Christoph Seyerlein

Das Münchner Flugtaxi-Start-up ist nun offiziell an der New Yorker Tech-Börse Nasdaq gelistet. Zum Start gab es aus finanzieller Sicht aber direkt einen Dämpfer. Das dürfte nicht zuletzt mit den Zweifeln zu tun haben, die Lilium schon länger begleiten.

Trotz des Börsengangs betrachten viele Lilium weiter skeptisch.
Trotz des Börsengangs betrachten viele Lilium weiter skeptisch.
(Bild: Lillium)

Am Mittwoch war es so weit: Das Flugtaxi-Start-up Lilium ist künftig an der New Yorker Tech-Börse Nasdaq gelistet. Dazu verhalf den Münchnern ein Spac (Special Purpose Acquisition Company)-Deal mit der Mantelfirma Qell Acqusition Corp. Allerdings mussten die Partner zum Start an der Börse direkt einen Dämpfer hinnehmen: Statt der angepeilten 3,3 Milliarden Dollar wird Lilium „nur“ mit einem Wert von 3 Milliarden Dollar taxiert. Von den erhofften 830 Millionen Dollar bringt der Börsengang dem Start-up nun „lediglich“ 584 Millionen Dollar ein.

Dennoch wähnt sich Co-Gründer und CEO Daniel Wiegand „näher am Ziel als je zuvor“. 2024 will das Unternehmen seinen Flugtaxi-Dienst kommerziell anbieten. Das eingesammelte Geld wird Lilium nun dafür einsetzen, seinen Jet mit sieben Sitzen bis dahin startklar zu machen. Die Ziele sind enorm ehrgeizig: 2027 peilen die Münchner einen Umsatz von knapp 5,9 Milliarden Dollar an.

Dass der Start an der Börse nicht komplett nach Liliums Geschmack verlief, dürfte nicht zuletzt mit den Zweifeln zu tun haben, die das Start-up begleiten. Bislang blieb das Unternehmen einen Beweis schuldig, dass die eigenen Flugtaxis längere Strecken beladen zurücklegen können. Bisher sollen die Prototypen nie länger als 90 Sekunden in der Luft gewesen sein. Außerdem gelten Liliums Jets als äußerst laut. Letzterem Problem will der Hersteller mit sogenannten Acoustic Lines entgegenwirken.

Kann Liliums Technologie bestehen?

Wichtiger dürfte es für die Münchner aber sein, die Fragezeichen an der generellen Flugfähigkeit der Jets auszuräumen. Das Start-up setzt anders als etwa Wettbewerber Volocopter nicht auf große, offene Rotoren, sondern auf 36 schwenkbare Elektromotoren an vier Tragflächen mit einer Gesamtleistung von 320 kW. Sie sollen das Flugtaxi senkrecht starten lassen können.

Lilium gibt selbst zu, dass der Energiebedarf beim Start mit jener Technik etwa doppelt so groß ist wie bei Flugtaxis mit großen Rotoren. Dank besserer Gleiteigenschaften werde das im Laufe des Flugs aber nahezu wieder ausgeglichen, verspricht das Unternehmen. Der Mehrbedarf an Energie liege alles in allem nur bei rund fünf Prozent.

Die Reichweite seines Jets gibt Lilium mit bis zu 300 Kilometern angegeben. Maximal sollen Geschwindigkeiten von 300 km/h möglich sein. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, dass derartige Zahlen unrealistisch seien. Das Start-up selbst spricht von einem Triebwerks-Wirkungsgrad im Schweben von 85 bis 95 Prozent selbst bei einem vollbesetzten Jet. Die Fachzeitschrift „Aerokurier“ stellte hingegen eine Rechnung auf, die von 20 Prozent Wirkungsgrad ausgeht.

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 Christoph Seyerlein

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Fachredakteur Next Mobility