Der Siegeszug des Lidar in China geht weiter - das Geely-Baidu-Joint-Venture Jidu Auto baut aktuell gleich zwei davon auf die Fronthaube. Auch deshalb diskutiert die chinesische Automobilbranche werbewirksam über die richtige Position und Anzahl der Sensoren.
Baidu-CEO Robin Li (rechts) stellte 2021 das Robocar des Internetkonzerns vor.
(Bild: Baidu)
Statt einem gleich zwei Lidar auf der vorderen „Motorhaube” - so will sich das neue Roboter-Auto von Geely und Baidu von der Konkurrenz abheben. Ein erster Prototyp des in China mit Spannung erwarteten Autos hätte eigentlich diesen Monat am Rande der „Beijing Auto Show“ vorgestellt werden sollen, doch die Show wurde wegen der vielen Corona-Lockdowns in China verschoben. Nun sind dennoch erste Details des Designs bekannt geworden.
„Jidu Auto“ ist ein Joint-Venture, das der Suchmaschinen-Gigant Baidu und Chinas größte private Autofirma Geely gemeinsam gegründet haben. Es ist Chinas Konkurrent von Google und Waymo und hat sich genau wie die Amerikaner zum Ziel gesetzt, das autonome Fahren so schnell wie möglich zu kommerzialisieren.
Das erste autonom fahrende Auto des Unternehmens werde mit zwei „Semi-solid-state“-Lidar-Sensoren des Typs AT128 von Hesai Technology ausgerüstet sein, berichtete jetzt das chinesische Fachmedium CN EV Post. Im Vergleich zu Autos mit nur einem Lidar solle so beim fahrerlosen Fahren mehr Sicherheit gewährleistet werden, hieß es in dem Bericht.
Motorhauben-Lidar für mehr Sicherheit
So ergebe sich durch die Montage auf der Fronthaube ein FOV-Überwachungswinkel von 180 Grad, in dem Fußgänger zu beiden Seiten des Fahrzeugs besser erkannt werden können, zitierte CN EV Post den Hersteller. Zudem biete das System Redundanz, sollte einer der zwei Sensoren ausfallen.
Während sich Lidar - eine radar-ähnliche Technologie, bei der statt einem Laser ein Lichtstrahl zur Erkennung von Objekten eingesetzt wird - in der chinesischen Autoindustrie immer weiter durchsetzt, sind viele Details nach wie vor umstritten. So sind die von Jidu Auto gewählte Montage auf der Fronthaube ebenso wie auch der Einsatz von gleich zwei Lidar-Sensoren äusserst ungewöhnlich.
Die Reaktionen unter Marktbeobachtern in China fielen daher unterschiedlich aus, reichten von „hochgradig innovativ“ bis hin zu klarer Ablehnung. „Ein einzelnes Lidar auf dem Autodach funktioniert besser,“ kommentiere Li Xiang, der Gründer des E-Auto-Startups Li Auto das neue Design seines künftigen Konkurrenten.
Die richtige Lidar-Position: Dach oder Motorhaube?
Für die Montage auf dem Autodach spreche, dass dies die beste Position zum Erkennen von Fußgängern sei. Zudem gebe es dort auch weniger Vibrationen als beim Anbringen auf der Fronthaube, so Li Xiang. Objektiv ist diese Einschätzung allerdings wohl nicht, denn das nächste Modell von Li Auto, der „L9“, wird mit einem einzelnen Lidar auf seinem Dach arbeiten.
Sein „duales Lidar-Design“ mit dem FOV-Erkennungswinkel von 180 Grad sei „sicherer“, antwortete Xia Yiping, der CEO von Jidu Auto. Auf Weibo, der chinesischen Version von Twitter, lieferten sich die beiden CEOs in diesen Tagen eine öffentliche Debatte über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Ansätze.
Sein duales System könne nicht nur Kollisionen mit Passanten beim Abbiegen besser vermeiden, sondern sorge auch in einem Winkel von 60 Grad direkt vor dem Fahrzeug für eine viel akkuratere Erkennung von Hindernissen. Wo sich die zwei Lidar überlappen würden mehr Daten für die „Point Cloud” generiert, argumentiert der Chef von Jidu Auto.
Lidar-Anzahl als Marketingargument
Kritiker fragen allerdings, ob der Einsatz von immer mehr Lidar-Sensoren manchmal auch der Marketing-Abteilung der Hersteller helfen soll und nicht nur der Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer. Viele Modelle, darunter der G9 von Xpeng, der ARCFOX Alpha-S, der Nezha S, der M7 von WM Motor, Avatr 11 und Zhiji L7 sind inzwischen mit zwei oder mehr Lidar-Sensoren ausgestattet. Der Great Wall Salon Mecha Dragon hat gleich vier Stück davon.
Es gebe bei mehreren in einem einzelnen Fahrzeug montierten Lidar-Geräten neue Herausforderungen, was die System-Koordination, die Rechenleistung im Auto und den Energieverbrauch betrifft, heißt es in einer Analyse der chinesischen Wirtschaftszeitung Meiri Caijing. „Wenn soviele installiert sind, können sie dann noch alle benutzt werden und vor allem gut benutzt werden?“ fragt der Autor.
Auch der beste Platz für die Installation bleibt umstritten, und das neue Roboter-Auto von Jidu hat diese Debatte nur neu entfacht. Nicht nur der künftige L9 von Li Auto, auch der ET7 von NIO und der M7 von WM tragen ihren Lidar-Sensoren auf dem Dach. Beim P5 und G9 von Xpeng und beim Avatr 11 sind die Sensoren in den zentralen Front-Grill integriert oder mit den Nebelscheinwerfern kombiniert.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Der ganze Prototyp des neuen Roboter-Autos von Jidu Auto, in dem auch Technologie von ZF aus Friedrichshafen steckt, soll nun voraussichtlich im Juni dieses Jahres vorgestellt werden.
Über den Autor
Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.