Fahrbericht Genesis Electrified GV70 – Spaßmaschine unter Strom

Von Andreas Wehner

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Nachdem es zum Marktstart vor etwas mehr als einem Jahr nur Verbrenner gab, hat die Elektromobilität beim koreanischen Premiumhersteller Genesis deutlich Fahrt aufgenommen. Mit dem Electrified GV70 hat die Hyundai-Tochter nun ihr drittes E-Modell vorgestellt. Dass das Auto auf einer Verbrennerplattform steht, fällt nicht auf.

Der Genesis Electrified GV70 kostet laut Liste mindestens 67.300 Euro
Der Genesis Electrified GV70 kostet laut Liste mindestens 67.300 Euro
(Bild: Genesis)

Wenn man mit einem Genesis unterwegs ist, registriert man schonmal neugierige oder fragende Blicke. „Das ist kein Bentley, oder? Chinese?“, fragt dann auch ein Autofahrer, der sich kurz die Beine vertritt auf dem Autobahnparkplatz, den wir während unserer Testfahrt kurz ansteuern. „Nein. Koreaner“, antworten wir und ernten ein anerkennendes Nicken. „Schön“, sagt unser Parkplatznachbar, bevor er wieder in sein Auto steigt.

Dem stimmen wir zu. Optisch ist der Genesis GV70 gut gelungen – und die Elektroversion wirkt ohne Auspuff von hinten noch eine Spur stimmiger als der Verbrenner-Bruder. Das koreanische Premium-SUV braucht sich am Golfplatz oder auf dem Parkplatz des 5-Sterne-Hotels jedenfalls zwischen Bentley- und Porsche-Modellen nicht zu verstecken.

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Und er sieht nicht nur gut aus, er hat auch das eine oder andere praktische Detail, das nicht nur der Optik zuträglich ist. Besonders gut gefällt uns die versteckte Ladeklappe, die sich kaum sichtbar in den geschlossenen, von einem Rautenmuster durchzogenen Kühlergrill integriert.

Genügend Platz

Andere praktische Qualitäten? Sicherlich die Anhängelast von 1.800 Kilogramm gebremst, was für ein Elektroauto durchaus ordentlich ist. Doch auch ohne Anhänger kriegt man im Genesis Electrified GV70 einiges unter. Der Kofferraum ist zwar mit 503 Litern rund 40 Liter kleiner als in der Verbrenner-Variante, was aber in erster Linie auf den deutlich geschrumpften Platz unter dem Kofferraumboden zurückzuführen ist. Dafür gibt es vorne einen Frunk – wenn auch mit 25 Liter keinen besonders großen.

Passagiere sitzen auf allen Plätzen bequem, auch hinten ist genügend Beinfreiheit vorhanden. Dass das Auto eigentlich auf einer Verbrenner-Plattform steht, merkt man ihm in Sachen Platz nicht an – anders als beispielsweise der Elektroversion der Limousine G80, bei der es aufgrund der Batterie unter dem Fahrzeugboden für Großgewachsene etwas eng wird. Doch als SUV hat der GV70 da noch Luft.

Im Gegensatz zu seinem kleinen Bruder GV60, der auf der Elektroplattform E-GMP basiert, spürt man natürlich das höhere Gewicht. Aber die E-Auto-Technik ist nahtlos integriert. 800-Volt-Technologie, Vehicle-to-Load-Funktion, Batterievorkonditionierung für schnelles Laden: Alles, was das Leben als E-Auto-Fahrer möglichst angenehm macht, hat auch der GV70 an Bord.

Schnell laden, schnell fahren

Wie der GV60 hat auch der große Bruder die 77,4-kWh-Batterie an Bord, die sich innerhalb von 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden lässt. Die offizielle WLTP-Reichweite liegt mit 455 Kilometer auch etwas niedriger als beim leichteren GV60.

Und wie sein kleiner Bruder kommt der GV70 mit zwei Motoren und insgesamt 320 kW/436 PS, die sich per Knopfdruck kurzzeitig auf 360 kW/490 PS erhöhen lassen. 4,2 Sekunden braucht das SUV für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 – aufgrund des höheren Gewichts ist er damit 0,2 Sekunden langsamer als der GV60. Das kann man verschmerzen.

Durch schnell gefahrene Kurven zieht es den Electrified G70 vor allem wegen der schweren Batterie im Unterboden problemlos, auch wenn man die Fahrzeughöhe durchaus spürt.

Doch der Electrified GV70 ist nicht nur sportlich gut unterwegs, sondern kann auch komfortabel. Das elektronisch gesteuerte Fahrwerk nutzt eine Kamera, um Informationen über die Fahrbahnbeschaffenheit zu sammeln und die Dämpfer entsprechend anzupassen. Das klappt super. Die teilweise mit Schlaglöchern übersäten Nebenstraßen des Taunus waren auf unserer Testfahrt kein Problem für das Elektro-SUV. Und ruhig ist es: Gegenschall verringert die Wind- und vor allem die Abrollgeräusche.

Ab 67.300 Euro

Die Preisliste beginnt bei 67.300 Euro. Dafür gibt es schon ordentlich Auto fürs Geld – beispielsweise ist die Batterievorkonditionierung an Bord, die den Fahrzeugakku vor dem Laden auf die optimale Temperatur bringt. Ein Infotainment-System mit einem 14,5-Zoll-Display und Konnektivität gehört wie auch ein Strauß an Assistenten zur Grundausstattung. Uns natürlich das für alle Genesis-Modelle geltende Serviceversprechen mit fünf Jahren Garantie, Wartung sowie Hol- und Bring-Service. Wer jedoch beheizbare Sitze möchte oder die Vehicle-to-Load-Funktion, der muss extra zahlen. Zu den Aufpreispflichtigen Features gehören beispielsweise auch ein Panorama-Dach, ein Parkassistent, mit dem man das Auto auch von außen in die Lücke steuern kann sowie die Straßengeräuschunterdrückung, die es nur in Verbindung mit der hochwertigen Lexicon-Audioanlage gibt.

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Braucht es ein solches Auto? Sicherlich nicht. Macht es Spaß? Auf jeden Fall. Uns somit stellt sich auch bei Elektroautos die Frage nach dem Nutzen nur bedingt. Denn auch der Spaß am Fahren ist für Viele immer noch ein Grund, sich ein Auto zu kaufen.

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