Autonomes Fahren Erste Tests in München auf Basis des ID Buzz AD

Autor: Claus-Peter Köth

Volkswagen Nutzfahrzeuge forciert seine Zusammenarbeit mit Argo AI und Moia. Schon in vier Jahren will der Konzern autonome Robo-Shuttles serienreif haben. Christian Senger, Leiter Entwicklung autonomes Fahren, erklärt im Interview die nächsten Schritte.

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Christian Senger übernahm im November 2020 die Leitung Entwicklung autonomes Fahren, Mobility as a Service (MaaS) und Transport as a Service (TaaS) in der Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge.
Christian Senger übernahm im November 2020 die Leitung Entwicklung autonomes Fahren, Mobility as a Service (MaaS) und Transport as a Service (TaaS) in der Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge.
(Bild: Volkswagen/Henning Scheffen)

Herr Senger, schon in vier Jahren will Volkswagen autonome Robo-Shuttles auf Basis des ID Buzz serienreif haben. Was sind die nächsten großen Schritte in diesem Projekt?

Argo AI beginnt jetzt mit den Tests auf Basis des ID Buzz AD. Dazu werden Prototypen mit dem Self-Driving-System von Argo AI ausgestattet, unterschiedlichste Verkehrssituationen simuliert und das ideale Fahrverhalten dazu programmiert. Auf dem neuen Argo-Testgelände am Münchner Flughafen werden die Fahrmanöver dann immer wieder erprobt und auch mögliche Störungen durch Dritte simuliert. Erst wenn das autonome Fahren einwandfrei funktioniert, werden die Tests auf öffentlichen Straßen mit einem Sicherheitsfahrer fortgesetzt. Im nächsten Schritt testen wir dann in den ersten Einsatzgebieten sowohl das Fahren selbst als auch das sichere Befördern von Testkunden, die ihre Fahrt wie heute bei Moia per App buchen.

Diese Großserientechnik ist eine wichtige Grundlage für den zuverlässigen Betrieb und eine einfache Wartung der Fahrzeuge, die ja fast permanent unterwegs sein sollen.

Christian Senger

Wo liegen die wesentlichen Herausforderungen für die drei Partner Argo AI, Moia und Volkswagen Nutzfahrzeuge?

Zunächst einmal freuen wir uns sehr, dass mit dem neuen Level-4-Gesetz zum autonomen Fahren jetzt der Betrieb autonomer Fahrzeuge in Deutschland möglich ist. Darauf haben nicht nur wir, sondern alle Marktteilnehmer gewartet, um Planungssicherheit und klare Vorgaben für die Entwicklung zu haben. Im nächsten Schritt müssen weitere Anpassungen erfolgen, beispielsweise eine Änderung des Personen-Beförderungsgesetzes, damit autonome Fahrdienste 2025 auch wirklich starten dürfen. Und es braucht dringend eine europäische Einigung, um dieses wichtige Zukunftsfeld in vielen Märkten Europas ausrollen zu können.

Amerika und China sind da schon weiter. Ride-Pooling ist eine hervorragende Möglichkeit, um für Verkehrsentlastung zu sorgen, das sieht man in den Moia-Städten doch schon heute. Autonomes Fahren bringt zusätzlich mehr Verkehrssicherheit. An beidem haben wir alle ein gesellschaftliches Interesse, daher müssen die regulatorischen Bedingungen jetzt auf den Weg gebracht werden, so wie es das Bundesverkehrsministerium für Deutschland gerade getan hat.

Kommen VW/Moia im Jahr 2025 womöglich zu spät? Könnten Wettbewerber wie Waymo, Mobileye schneller sein?

Volkswagen Nutzfahrzeuge hat gleich drei große Vorteile: Erstens, wir setzen für das autonome Fahren auf E-Fahrzeuge der ID-Familie und damit auf die Technologie der meistverkauften E-Autos in Europa. Diese Großserientechnik ist eine wichtige Grundlage für den zuverlässigen Betrieb und eine einfache Wartung der Fahrzeuge, die ja fast permanent unterwegs sein sollen.

Zweitens, Argo AI bringt seine Entwicklung des Self-Driving-Systems ein, die bereits weit fortgeschritten ist und die Königsdisziplin beherrscht, nämlich den innerstädtischen Verkehr, auf den wir uns ebenfalls konzentrieren, weil dort unser Kunde zuhause ist.

Und drittens, mit der Konzerntochter Moia haben wir seit 2017 schon viel Erfahrung gesammelt im Hinblick auf das Ride-Pooling-Angebot in Hamburg und Hannover, das nun für den fahrerlosen Betrieb ausgebaut wird. Alles in allem sind wir deshalb überzeugt, gegenüber dem Wettbewerb sehr gut aufgestellt zu sein.

Wann rechnen Sie mit dem autonomen Transport von Gütern, etwa mit einem ID Buzz AD Cargo?

Transport as a Service wird in einem Arbeitsmarkt, in dem der Bedarf an Fahrern bei weitem das Angebot übersteigt, die entscheidende Lösung sein, um Wachstum in der Paket-Express- und Kurierbranche zu ermöglichen. Denn erst wenn ein Paketzusteller – anders als heute – keinen Führerschein mehr benötigt und zum Passagier wird, der sich voll auf seine Auslieferungs-Reihenfolge und den jeweils nächsten Kunden konzentrieren kann, wird der Job für weitere potenzielle Bewerber interessant werden. Wir arbeiten für unsere Logistikkunden hier an entsprechenden autonomen Fahrzeugkonzepten.

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Über den Autor

 Claus-Peter Köth

Claus-Peter Köth

Chefredakteur Automobil Industrie & Next Mobility