Elektromobilität Deutsche Auto-Lobby fordert fünf Milliarden Euro schweren „Ladesäulen-Booster“

Der öffentliche Ladesäulen-Ausbau für Elektroautos in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr verlangsamt. Der Verband der Automobilindustrie sieht die Politik in der Pflicht und legt nun ein Papier mit mehr als 50 Empfehlungen vor.

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Der Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur hat im vergangenen Jahr in Deutschland an Tempo verloren.
Der Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur hat im vergangenen Jahr in Deutschland an Tempo verloren.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) will den Druck auf die Politik beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge erhöhen. Die Auto-Lobby legte nun ein Positionspapier namens „Masterplan Ladeinfrastruktur 2.0“ mit Vorschlägen an das Bundesverkehrsministerium vor. In einer Mitteilung dazu heißt es direkt zu Beginn: „Die unzureichende Geschwindigkeit beim Ausbau der Ladeinfrastruktur droht zum entscheidenden Engpass für den Hochlauf der Elektromobilität zu werden.“ Der Ausbau müsse dem Bedarf „um zwei Jahre vorauseilen“, meint der VDA.

Booster-Förderung, bidirektionales Laden, Lkw-Deutschlandnetz

Das gesamte Papier enthält insgesamt mehr als 50 Empfehlungen des Verbands an die Politik. Direkt ins Auge springt die Forderung nach einer „Booster-Förderung“ in Höhe von fünf Milliarden Euro bis 2025. Nur damit könnte man die Ziele der neuen Bundesregierung anschieben, bis 2030 eine Million öffentliche Ladepunkte in Deutschland zu haben.

Gerne sähe der VDA unter anderem auch eine Neuauflage der Wallbox-Förderung für Privatpersonen. Auch im gewerblichen Bereich sollte nach Ansicht des Verbands von staatlicher Seite mehr in den Ausbau der Ladeinfrastruktur investiert werden.

Neben dem Ausbau des Ladenetzes macht sich der VDA auch für bessere Rahmenbedingungen für bidirektionales Laden stark. Immer mehr Fahrzeuge sind dazu geeignet und können Strom nicht nur beziehen, sondern auch speichern und wieder zurück ins Netz speisen. Doch dafür brauche es einen Rechtsrahmen, fordert der Verband. Außerdem sähe er gerne dynamische Netzentgelte, um Lastspitzen zu vermeiden.

Bemängelt wurde zuletzt nicht nur die Ladeinfrastruktur für Pkw, sondern auch die für Lkw und Busse. Mit jenem Thema befasst sich das Papier des VDA ebenfalls. Die Auto-Lobby hätte beispielsweise gerne analog zum geplanten „Deutschlandnetz“ für Pkw auch eines für Lkw. Heißt: An Fernverkehrsachsen sollten nach Ansicht des Verbands Hochleistungsladepunkte mit mindestens 700 kW Dauerleistung für den Schwerlastverkehr aufgestellt werden.

Ausbau hat sich 2021 verlangsamt

VDA-Präsidentin Hildegard Müller sagte zu den Vorschlägen: „Eine flächendeckende und leistungsfähige Ladeinfrastruktur ist und bleibt der Schlüssel für den Erfolg der E-Mobilität – das gilt im Pkw-Bereich ebenso wie bei den Nutzfahrzeugen.“ Sie forderte erneut einen „Lade-Gipfel“ der Bundesregierung mit Tankstellenbetreibern, Wohnungswirtschaft und anderen Beteiligten. Notwendig sei ein konkreter Plan, um den Ausbau zu beschleunigen. Nach Berechnungen des Verbands mussten sich Ende 2021 rund 22 Elektroautos und Plug-in-Hybride einen Ladepunkt teilen. Ein Jahr zuvor seien es 13 gewesen.

Der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr tatsächlich verlangsamt. Zum Stichtag 1. Januar 2022 registrierte die Bundesnetzagentur 52.203 frei zugängliche Lademöglichkeiten – gut 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. 2021 sind knapp 6.500 öffentliche Ladepunkte neu hinzukommen, 2020 waren es noch über 16.000.

Dennoch sind Forderungen nach einem schnelleren Ausbau nicht unumstritten. Der Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erklärte Ende 2021 beispielsweise, dass sich der Fortschritt am Bedarf orientieren sollte. Die bestehende Ladeinfrastruktur sei beispielsweise noch überhaupt nicht ausgelastet. Ähnlich hatte sich zuletzt auch Frank Mastiaux, Chef von EnBW und damit eines der größten Ladenetzanbieter hierzulande, im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ geäußert: „Wir haben heute insgesamt keinen Mangel an Ladesäulen“, meint er. Den Ladesäulen-Ausbau müsse man nur soweit beschleunigen, dass er mit den Neuzulassungen bei den Fahrzeugen Schritt halte, so der Manager weiter.

Uneinigkeit herrscht auch darüber, wo E-Auto-Fahrer bevorzugt laden würden. Einige Experten wie etwa Annette Klett-Steinbauer von der Unternehmensberatung Thaltegos gehen davon aus, dass auch in Zukunft die klare Mehrheit aller Ladevorgänge nicht an öffentlichen Säulen stattfinden werden.

Eine aktuelle Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt allerdings ein anderes Bild. Dabei erklärten 82 Prozent der befragten Personen, die bereits ein Elektroauto nutzen oder sich bald eines anschaffen wollen, an öffentlich zugänglich Säulen laden zu wollen. Eine private Wallbox kommt laut der Umfrage nur für 40 Prozent in Frage.

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