Volkswagen „Der nächste Golf darf kein Tesla sein“

Autor Christoph Seyerlein

Wieder einmal steht Volkswagen-Chef Herbert Diess vonseiten des Betriebsrats unter Beschuss. Am Donnerstag erklärte sich der 63-Jährige bei einer Betriebsversammlung. „Ich mache mir Sorgen um Wolfsburg“, sagte er dabei. Wie diese Sorgen aussehen und wie sie der Topmanager ausradieren will.

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Volkswagen-Chef Herbert Diess will den Autohersteller weiter umbauen.
Volkswagen-Chef Herbert Diess will den Autohersteller weiter umbauen.
(Bild: Volkswagen)

Showdown in Wolfsburg: Bei einer Betriebsversammlung kritisierte Volkswagen-Betriebsratschefin Daniela Cavallo Konzernboss Herbert Diess scharf. Der Kern ihrer Vorwürfe: Diess spreche ständig von Stellenabbau, obwohl der Vorstand seine Zusagen für eine Auslastung des Stammwerkes seit Jahren nicht einhalten könne. „Hier ist nicht ein Mensch zu viel an Bord. Nicht eine Stelle können Sie zusätzlich mit uns verhandeln“, sagte Cavallo. Noch nie seien so viele VW-Mitarbeiter so lange in Kurzarbeit gewesen wie aktuell.

Zudem stört sich die Betriebsratschefin an Diess ständigen Vergleichen mit Tesla. „Herr Dr. Diess lässt keine Gelegenheit aus, sich öffentlich mit einem unserer größten Konkurrenten zu zeigen. Da muss ich Ihnen ehrlich sagen: die Faszination, die Sie offenbar gegenüber Herrn Musk empfinden und den Elan, den Sie in die Kontaktpflege mit ihm stecken, das würden wir Beschäftigten uns auch für unsere aktuell großen Herausforderungen im Konzern sichtbar wünschen“, echauffierte sich Cavallo. Und weiter: „Was kommt denn als Nächstes? Empfehlen Sie vielleicht direkt den Kauf eines Teslas?“

Diess selbst zeigte in seiner Rede Verständnis, dass die Stimmung unter Kurzarbeit und Co. leide. Zu seinen Vergleichen mit Tesla erklärte er: „Ich weiß, dass es einige nervt. Aber es ist meine Aufgabe und die des gesamten Managements den Wettbewerb richtig einzuschätzen, den Konzern darauf vorzubereiten und zukunftssicher zu machen.“ Tesla baue das Auto um die Software herum und sei dabei Benchmark.

Für ihn gehe es nun darum, mit Volkswagen umzusteuern. In der Verbrennerwelt sei man vielleicht der beste Hersteller überhaupt. Doch in Zukunft seien andere Fertigkeiten gefragt. „In Brandenburg will Tesla mit 7.000 Menschen eine halbe Million Autos bauen. Und das mit einer beeindruckenden Produktivität: Voraussichtlich 90 Einheiten pro Stunde in einer Linie, 10 Stunden pro Auto. In Zwickau liegen wir bei über 30 Stunden, 20 Stunden wollen wir im nächsten Jahr schaffen – gestartet sind wir ursprünglich mit einem Projektziel von 16 Stunden.“

„Wir dürfen uns unseren Standort, nicht von Tesla kaputtmachen lassen“

„Selbst wenn ich nicht mehr über Elon Musk spreche: Er bleibt da und revolutioniert unsere Industrie und wird schnell immer wettbewerbsfähiger“, so der 63-Jährige weiter. Auch andere Konkurrenten, beispielsweise aus China, würden immer besser. Die Situation schätzt Diess äußerst ernst ein. „Ja, ich mache mir Sorgen um Wolfsburg“, sagte er. „Wir dürfen uns unseren Standort, unsere Konzernzentrale, nicht von Tesla in Grünheide kaputtmachen lassen.“

Die Hoffnungen des Konzernchefs ruhen nun vor allem auf dem Projekt Trinity. Dieses mache Wolfsburg zur wichtigsten Fabrik des Konzerns. Autonomes Fahren werde die Branche noch viel stärker verändern als Elektromobilität. Trinity sei darauf Volkswagens Antwort. 2026 soll ein Fahrzeug starten, das bis zu Level 4 automatisiert fahren kann.

Diess sagte am Donnerstag zum Abschluss seiner Rede: „Der nächste Golf darf kein Tesla sein. Der nächste Golf darf nicht aus China kommen. Die nächste Ikone muss wieder ein Wolfsburger sein. Trinity.“

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