Bahnverkehr DB-Chef sieht Wettbewerbsfähigkeit der Schiene gefährdet

Von Christian Otto

Der Chef er Deutschen Bahn, Richard Lutz, hat in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ mehr Pünktlichkeit und Qualität versprochen. Die hohen Energiepreise belasten die Bahn. Ob dadurch die Ticketpreise steigen, wollte der Konzernchef weder ausschließen noch bestätigen.

DB-Chef Richard Lutz sieht die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene zur Straße aufgrund der hohen Strompreise in Gefahr.
DB-Chef Richard Lutz sieht die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene zur Straße aufgrund der hohen Strompreise in Gefahr.
(Bild: Deutsche Bahn AG)

In einem Interview mit dem „Handelsblatt“ räumt Deutsche Bahn-Chef Richard Lutz Qualitätsdefizite und Probleme bei der Zuverlässigkeit ein. Das entspräche nicht den Ansprüchen des Unternehmens, so Lutz. Die Bahn habe laut dem Konzernlenker für dieses Jahr im Fernverkehr eine Pünktlichkeit von 70 Prozent prognostiziert. Schon die Erreichung dieses Werts sieht er als „anspruchsvoll“ an, gelobt aber für 2023 Besserung.

Den sehr schlechten Zustand der Schieneninfrastruktur begründet Lutz trotz Rekordinvestitionen von 100 Milliarden Euro im letzten Jahrzehnt mit einem „Investitionsrückstau“.

Teure Tickets nicht ausgeschlossen

Gegen das marode Netz will das Unternehmen nun mit Generalsanierungen der hochbelasteten Strecken ab 2024 gegensteuern. Allerdings ist die angespannte Lage auf der Schiene schon länger bekannt und der Bahn-Chef räumt hier auch Versäumnisse ein. Man habe demnach unterschätzt, wie sehr die höher Kundennachfrage bei einer gleichzeitigen Zunahme an Bauprojekten den Netzbetrieb belaste.

Und ein weiteres Problem, das in diesem Jahr noch abgesichert wurde, sind die steigenden Energiepreise. Lutz prognostiziert im Interview mit der Wirtschaftszeitung deshalb eine enorme Mehrbelastung für die Bahn, die 2023 über zwei Milliarden Euro mehr für Strom zahlen müsse.

Ob diese Mehrkosten am Ende zur Verteuerung der Ticketpreise führen werde, wollte der Bahnchef noch nicht sagen und verwies auf Ende September. Dann werden alljährlich die Preise für das Folgejahr vom Konzern veröffentlicht. Konkret ausgeschlossen hat er Verteuerungen damit aber nicht.

500 Prozent höhere Strompreise

Allerdings mahnt Richard Lutz, dass die explodierenden Energiepreise zu einer dramatischen Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit der Schiene gegenüber der Straße führen würde. Insbesondere die um 500 Prozent höheren Strompreise innerhalb des vergangenen Jahres seien dafür ursächlich. Die Verteuerung der Kraftstoffpreise falle dagegen aus seiner Sicht nicht so hoch aus, was die Verlagerung hin zur Schiene als klimafreundlichen Alternative nicht attraktiver mache.

Das nun auslaufende 9-Euro-Ticket sieht er als Erfolg. Ein Nachfolgeprodukt müsse aus seiner Sicht aber auch finanziell auf den Ausbau der Infrastruktur und bessere Angebote der Bahn einzahlen.

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