Elektromobilität ZF entwickelt und fertigt Elektromotoren und Invertern weiterhin im Haus

Von Stefanie Eckardt 3 min Lesedauer

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Teuer selbst fertigen oder kostengünstig zukaufen, aber dafür Know-how-Verlust hinnehmen? Diese Frage hat sich ZF im Rahmen der Restrukturierung seines Geschäftsbereichs Elektrifizierte Antriebstechnologien gestellt und eine für sich passende Antwort gefunden.

ZF hat im Rahmen der laufenden Restrukturierung seiner Division E entschieden,  Elektromotoren und Invertern auch zukünftig selbst zu fertigen.(Bild:  ZF Group)
ZF hat im Rahmen der laufenden Restrukturierung seiner Division E entschieden, Elektromotoren und Invertern auch zukünftig selbst zu fertigen.
(Bild: ZF Group)

Elektromotoren und Wechselrichter sind Schlüsselkomponenten für die Elektromobilität. Doch stellt sich zumeist die Frage, ob man diese selbst fertigt oder doch zukauft. Eine teure Eigenentwicklung und -produktion bietet sich insbesondere an, wenn man sich einen strategischen Wettbewerbsvorteil verspricht. Das sieht auch ZF so und fertigt auch in Zukunft E-Motor und Inverter im eigenen Hause. Der Konzernvorstand bestätigte damit eine entsprechende Empfehlung, die aus der im Rahmen des Bündnisses zur Restrukturierung der Division Elektrifizierte Antriebstechnologien (E) durchgeführten Sonderprüfung zum Aspekt „Make or Buy“ hervorgegangen ist. Aufgrund der zögerlichen Nachfrage nach Stromern rutschte die Pkw-Antriebssparte des Zulieferers in die Verlustzone. Momentan steht eine Restrukturierung auf dem Plan, die nicht nur deutliche Einschnitte notwendig macht, sondern auch die Frage aufwarf, ob man im Unternehmen vor dem Hintergrund eines anhaltend hohen Kostendrucks und volatiler globaler Lieferketten nach wie vor Schlüsselkomponenten selbst herstellt.

Pro und Contra

Hierfür wurde eine Sonderprüfung durchgeführt: Neben wirtschaftlichen und finanziellen Kriterien flossen auch strategische Aspekte wie technologische Souveränität, Know-how-Sicherung, Lieferkettenstabilität sowie geopolitische Risiken in die Bewertung ein. Die Analysen wurden in einem paritätisch besetzten Bewertungsausschuss intensiv diskutiert. Auf dieser Basis sprach die paritätische Kommission aus Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretern eine klare Empfehlung für die Produktion im eigenen Haus, die der Vorstand nun bestätigt hat.

Klare Entscheidung für Eigenfertigung

„Die Entscheidung für die Produktion der E-Antriebs-Kernkomponenten Motor und Wechselrichter haben wir im Schulterschluss mit unserer Arbeitnehmervertretung getroffen“, erklärte ZF-Vorstandsvorsitzender Mathias Miedreich. „Das passt zu unserer mitarbeiterorientierten Unternehmenskultur, verlangt aber zwingend deutlich verbesserte Kostenstrukturen, um mit unseren E-Antrieben wieder in die wirtschaftliche Erfolgsspur zu kommen und Beschäftigung langfristig zu sichern.“ Gesamtbetriebsratsvorsitzende Achim Dietrich ergänzt: „Das Ergebnis der Sonderprüfung ist für uns und die Beschäftigten in Deutschland ein großer Erfolg. Eines dürfen wir nicht vergessen: Im vergangenen Sommer standen beide Produkte auf Buy, was einen gewaltigen Arbeitsplatzabbau und den Verlust von Kompetenz bedeutet hätte.“ „Die Entscheidung für ‚Make‘ ist auch ein klares Bekenntnis zur elektrischen Zukunft von ZF“, so Divisionsleiter Sebastian Schmitt. „Wir investieren damit gezielt in unsere eigene Kompetenz und sichern die technologischen Schlüssel für kommende Antriebsgenerationen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Die bestehende Kostenlücke müssen wir schließen, um auf dem Weltmarkt zu bestehen.“

Ausschlaggebend für die Entscheidung waren unter anderem die Sicherung wichtigen Know-hows, eine geringere Abhängigkeit von externen Lieferanten bei Schlüsseltechnologien, die enge Verzahnung von Entwicklung und Produktion sowie eine bessere Gesamtwirtschaftlichkeit über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg.

Lücke zu den angestrebten Zielkosten schließen

In den vergangenen Monaten hatten die beteiligten Teams bereits spürbare Kostenverbesserungen erzielt – unter anderem durch Kostenfokus in der Entwicklung, die Reduktion von Varianten und Komplexität, höhere Automatisierung, die Verlagerung auf neue Fertigungslinien sowie intensive Lieferantenverhandlungen.

Trotz dieser Fortschritte besteht weiterhin eine Lücke zu den angestrebten Zielkosten. Um vollständig wettbewerbsfähig zu werden, sind zusätzliche strukturelle Maßnahmen notwendig, einschließlich einer Anpassung der Personalkapazitäten. Diese Anpassungen sollen, wo immer möglich, sozialverträglich erfolgen. Ziel bleibt, Personalüberhänge vorrangig über natürliche Fluktuation, freiwillige Programme, Altersteilzeit, konzerninterne Vermittlungen, Transfergesellschaften sowie das Auslaufen befristeter Beschäftigungen abzubauen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen weiterhin vermieden werden, können aber angesichts des herausfordernden Marktumfelds nicht vollständig ausgeschlossen werden. (se)

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