9-Euro-Ticket So viele Autofahrer sind auf Bus und Bahn umgestiegen

Quelle: dpa

Durch das 9-Euro-Ticket nutzen mehr Menschen den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV), wie eine Studie zeigt. Verkehrsbetriebe fordern jetzt eine Verlängerung des Angebots um zwei Monate.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hatte langfristig ein bundesweit gültiges 69-Euro-Ticket vorgeschlagen.
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hatte langfristig ein bundesweit gültiges 69-Euro-Ticket vorgeschlagen.
(Bild: Deutsche Bahn / Marcus Henschel )

Erste Ergebnisse einer großangelegten Studie zum 9-Euro-Ticket bescheinigen dem Angebot durchaus Wirkung. So fuhren 35 Prozent der Studienteilnehmer aus dem Raum München häufiger mit Bus und Bahn, wie die Forschungsgruppe an der Technischen Universität München (TUM) am Donnerstag mitteilte. Zudem nutzten 3 Prozent seltener ihr eigenes Fahrzeug und 22 Prozent der Teilnehmer nutzten Bus und Bahn neu, obwohl sie das zuvor nicht getan hatten.

Zudem beobachteten die Forscher auch eine Auswirkung im Münchner Straßenverkehr: Dort habe der Fahrzeugfluss im Juni im Vergleich zum Mai um rund drei Prozent nachgelassen – obwohl er normalerweise von Mai auf Juni in etwa in dieser Größenordnung steige.

Interesse geht zurück

Eine Besonderheit der Münchner Studie ist, dass sie sich nicht nur auf Befragungen verlässt, sondern per Smartphone auch das tatsächliche Mobilitätsverhalten misst. Pro Tag flossen Daten von rund 700 bis 750 Teilnehmern ein, wie Studienleiter Klaus Bogenberger, Professor am Lehrstuhl für Verkehrstechnik der TUM, erklärt. Insgesamt nehmen rund 1.000 Menschen teil.

„Es war nicht zu erwarten, dass sich das tägliche Verhalten wegen eines neuen Angebots radikal ändert“, ordnet Bogenberger die ersten Daten ein und betont: „Umso höher einzustufen ist der Anteil der Menschen, die erstmals mit Alternativen zum eigenen Auto unterwegs sind.“ Zu Beginn hätten viele Menschen Bus und Bahn getestet, sagt er. Man sehe inzwischen ein leichtes Abklingen der Neugier. Dennoch zieht der Professor ein positives Zwischenfazit: „Das wichtige Ergebnis ist: Viele haben die öffentlichen Verkehrsmittel in ihren Alltag integriert.“

Als Nachfolgeangebot für das 9-Euro-Ticket hat Bogenberger mehrere Optionen im Sinn: Ein lokales 365-Euro-Ticket, ein 69-Euro-Ticket für Bayern oder ein Angebot, wo man – ähnlich dem Datenvolumen eines Handyvertrags – ein monatliches Kilometerbudget erwirbt.

Verkehrsbetriebe für Verlängerung des 9-Euro-Tickets

Die Nahverkehrsbranche setzt sich für eine Verlängerung des 9-Euro-Tickets um zwei weitere Monate ein. „Wir brauchen schnell eine Nachfolgelösung“, sagt Oliver Wolff, der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) der „Süddeutschen Zeitung“ am Freitag. „Am besten wäre es, die Aktion als Übergangslösung um weitere zwei Monate zu verlängern. Das Ticket könnte im September und Oktober weiter gelten und so die Bürger von den hohen Energiepreisen entlasten“, betonte Wolff.

Die im Juni gestarteten 9-Euro-Tickets gelten noch im Juli und August und ermöglichen bundesweit jeweils für einen Monat Fahrten in Bussen und Bahnen des Nahverkehrs. Die Debatte über eine Nachfolgeregelung ist bereits voll im Gange.

Übergang zu dauerhaftem Angebot

Wolff sagte, der Vorschlag für eine Übergangslösung um zwei Monate würde Politik und Branche Zeit verschaffen, um ein dauerhaftes Angebot für ein bundesweites Nahverkehrsticket zu entwickeln. Wolff rief Bund und Länder auf, sich rasch zusammenzusetzen. „Die Menschen sollten Ende August nicht in ein Loch fallen.“ Die Energiepreise seien schließlich weiter hoch.

Der VDV hatte langfristig ein bundesweit gültiges 69-Euro-Ticket vorgeschlagen. Die Politik könne diesen Monatspreis „aus sozialpolitischen Erwägungen – zum Beispiel für die Dauer des Krieges – für Bedürftige auf 29 oder 39 Euro senken“, sagte Wolff der „Süddeutschen Zeitung“.

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