Bahn: Neue Strategie, neue Personalie Evelyn Palla tritt Nachfolge von Richard Lutz an

Von Stefanie Eckardt 3 min Lesedauer

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Evelyn Palla, Chefin von DBRegio, soll die neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn werden und damit die Nachfolge von Richard Lutz antreten. Sie muss noch vom Aufsichtsrat der Deutschen Bahn berufen werden, was wohl eine Formalität darstellt.

Sie soll die Nachfolge von Richard Lutz antreten. Evelyn Palla. Die derzeitige Chefin von DBRegio ist für die Position der Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn angedacht. (Bild:  Deutsche Bahn AG / Hans-Christian Plambeck)
Sie soll die Nachfolge von Richard Lutz antreten. Evelyn Palla. Die derzeitige Chefin von DBRegio ist für die Position der Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn angedacht.
(Bild: Deutsche Bahn AG / Hans-Christian Plambeck)

Erhebliche Verspätungen, großflächige Sanierungen und unzufriedene Kunden: Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn in Spe wird wahrlich kein leichtes Erbe antreten. Sie übernimmt die Leitung des Unternehmens, das wohl in der größten Krise seiner Geschichte stecken dürfte.

Im August waren nur knapp 60 Prozent der Fernverkehrszüge pünktlich unterwegs. Schuld daran ist vor allem die marode Infrastruktur, an deren Sanierung großflächig gearbeitet wird. Mehr als 40 Korridore sollen bis 2036 saniert werden. Damit einher gehen wiederum Verspätungen und Einschränkungen für die Fahrgäste. Dafür versprach man mindestens fünf Jahre Baufreiheit. Doch, ob die Bahn ihr Versprechen halten kann, ist unsicher, denn auf einigen Strecken musste der Bauumfang angepasst werden. Darüber hinaus sieht die wirtschaftliche Lage alles andere als rosig aus – am Ende des ersten Halbjahres 2025 stand ein Minus von 760 Millionen Euro. Um den Konzern wirtschaftlicher aufzustellen, sollen Tausende Stellen wegfallen und defizitäre Teile des Konzerns profitabler gestaltet werden

Mit neuer Strategie alte Probleme lösen?

Eine schwierige Ausgangslage für die neue Vorstandsvorsitzende. Palla soll für die Lösung der Probleme eine neue Strategie des Bundes in die Hand bekommen, die Verkehrsminister Patrick Schnieder am 22.September 2025 vorstellte. Diese sieht drei Sofortprogramme vor. Das erste soll zu mehr Sicherheit und Sauberkeit an Bahnhöfen führen. Ziel sei es, "eine objektiv wie subjektiv verbesserte Sicherheit und Sauberkeit durch einen Mix aus Personal und Technik" zu erreichen, heißt es, etwa durch Videoüberwachung. Das Sofortprogramm soll ab dem ersten Quartal 2026 greifen.

Für eine bessere Kundenkommunikation soll die Fahrgastapp DB Navigator verbessert werden und für mehr Komfort in den Zügen des Fernverkehrs will man die Sauberkeit in den Verkehrsmitteln verbessern. Auch das Angebot im Bordbistro soll sich verbessern. Die DB Fernverkehr soll ein Maßnahmenpaket umsetzen, um bereits 2026 spür- und messbare Verbesserungen zu erreichen.

Die Generalsanierung soll wie angedacht erfolgen. Bis 2036 plant man, mehr als 40 besonders wichtige Strecken grundlegend zu modernisieren. Ziel ist es, auf diese Weise die Zahl der Baustellen Schritt für Schritt zu reduzieren und den Zugverkehr wieder zuverlässiger und pünktlicher fahren zu lassen. Allerdings wird das Thema wohl später als bisher bekanntgegeben erreicht. Bis Ende 2029 soll die Pünktlichkeit im Fernverkehr bei mindestens 70 Prozent liegen. Die bislang von der Bahn anvisierten Ziele seien laut Schnieder „nicht annähernd erreichbar. Das bisherige Ziel der Bahn sah diesen Wert für 2026 vor.

Des Weiteren will der Verkehrsminister den Vorstand der Deutschen Bahn verkleinern. Die Chefetage des Konzerns soll in Zukunft mit maximal sechs Personen besetzt sein. Derzeit besteht der Konzernvorstand aus acht Ressorts, die auf sieben Vorstandsmitglieder verteilt sind.

Vom Halbleiterhersteller zur DBRegio

Ob Evelyn Palla an der Bahnspitze die Strategie schnell und effizient umsetzen kann, wird man sehen. Es wird zumindest keine leichte Aufgabe. Doch wer ist die Frau eigentlich, auf deren Schultern große Hoffnungen lasten? Evelyn Palla startete ihre berufliche Laufbahn 1997 bei Infineon Technologies. Ab 2003 war die gebürtige Südtirolerin bei der E.on in München, Köln und Mailand tätig. 2011 wechselte sie zu den Österreichischen Bundesbahnen nach Wien. Dort war sie ab 2015 als ÖBB-Personenverkehr-Vorständin für den Regionalverkehr zuständig. Zudem bekleidete sie ab 2015 das Amt der ÖBB-Postbus-Aufsichtsratsvorsitzenden. Im Februar 2019 wechselte Palla zur Deutschen Bahn und trat ihre neue Funktion als Finanzvorständin der DB Fernverkehr an. Im Juli 2022 wurde sie zur Vorständin für DBRegio berufen und zeichnet sich bis dato für den Regionalverkehr der Deutschen Bahn verantwortlich. (se)

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