Bahntechnik Saarland wird Modellregion für integrierte Mobilität

Von Richard Oed * 3 min Lesedauer

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Mehr Menschen für den ÖPNV gewinnen – das ist das Ziel eines neuen Mobilitätsprojektes. Dazu gaben das saarländische Mobilitätsministerium und DB Regio während der InnoTrans 2024 eine Absichtserklärung.

Auf der InnoTrans unterzeichneten die DB Regio Vorständin Evelyn Palla (Mitte) und die saarländische Mobilitätsministerin Petra Berg (rechts) die Absichtserklärung zur Mobilitätsregion Saarland. Ganz rechts Julia Bäumler, Pressesprecherin DB Regio. (Bild:  Richard Oed)
Auf der InnoTrans unterzeichneten die DB Regio Vorständin Evelyn Palla (Mitte) und die saarländische Mobilitätsministerin Petra Berg (rechts) die Absichtserklärung zur Mobilitätsregion Saarland. Ganz rechts Julia Bäumler, Pressesprecherin DB Regio.
(Bild: Richard Oed)

Das Saarland will neue Wege gehen, um mehr Bürger zum Umstieg auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu bewegen. Als ersten Schritt zur Verwirklichung einer nahtlosen Tür-zu-Tür-Mobilität unterzeichneten Petra Berg, Ministerin für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz des Saarlandes und Evelyn Palla, DB-Vorständin Regionalverkehr, eine Absichtserklärung für die „Modellregion integrierte Mobilität im Saarland“. Das saarländische Ministerium leitet und koordiniert dabei das Projekt, während DB Regio seine technische und konzeptionelle Erfahrung aus dem jahrzehntelangen Betrieb des Personennahverkehrs einbringt. Nach der Mobilitätsinitiative SMILE24 (Schlei-Mobilität: innovativ, ländlich, emissionsfrei und 24/7) in Schleswig-Holstein ist das Saarland damit die zweite Mobilitäts-Modellregion in Deutschland.

Ziel ist es, die verschiedenen ÖPNV-Akteure besser zu vernetzen und so den Bewohnern des Saarlandes ein nahtloses und schnelles Reisen von Haustür zu Haustür zu ermöglichen. Denn, so Petra Berg während ihrer kurzen Ansprache: „Das ist es, was die Menschen brauchen und was sie wollen. Denn Mobilität bedeutet für die Menschen eine selbstständige Lebensgestaltung. Und selbstständig können sie ihr Leben dann gestalten, wenn sie auch tatsächlich mobil sind und wenn sie die Art ihrer Mobilität wählen können. Und diese Mobilität muss verlässlich sein, und sie muss attraktiv sein und sie muss real möglich sein.“

Evelyn Palla wies auf den Status quo hin: „Heute optimieren wir die einzelnen Verkehrsträger im Silo. Wir optimieren den Personennahverkehr. Und wir optimieren den öffentlichen Busverkehr.“ Dabei aber würden die Verkehrsträger nicht übergreifend gedacht und Konzepte zu wenig aus der Sicht des Kunden geplant.

Evelin Palla, Vorständin DB Regio, und Petra Berg, Mobilitätsministerin Saarland, freuen sich über die Unterzeichnung der Absichtserklärung zur Mobilitätsregion Saarland. (Bild:  Richard Oed)
Evelin Palla, Vorständin DB Regio, und Petra Berg, Mobilitätsministerin Saarland, freuen sich über die Unterzeichnung der Absichtserklärung zur Mobilitätsregion Saarland.
(Bild: Richard Oed)

Mobilität soll auf dem Land besser werden

Um diese Situation zu verbessern, wird das Schienennetz im Saarland bis 2026 zum S-Bahn-Netz Saar mit einem weitgehenden 20-Minuten-Takt ausgebaut. Außerdem planen die Projektbeteiligten, besonders im ländlichen Raum die Bahnangebote zusammen mit weiteren ÖPNV-Akteuren durch neue Mobilitätsformen zu ergänzen und das Umsteigen zu vereinfachen.

Einen Schwerpunkt bilden dabei verbesserte An- und Abreisemöglichkeiten zu und von den Bahnhöfen. Dazu planen die Projektpartner, auf Basis von Mobilitäts- und Zielgruppenanalysen regionale Testräume in der Region auszuwählen und in sogenannten Reallaboren betreiberoffen neue Mobilitätsformen zu testen. So könnte das bestehende Regionalbusnetz durch Plus- oder Expressbusse oder durch On-demand-Busse oder -Shuttle, ergänzt werden. Angedacht sind aber auch Stationen für das Fahrrad- und Carsharing oder Fahrradparkhäuser. Ziel ist eine integrierte Alltagsmobilität und die Beteiligten hoffen, dass die ersten Projekte in der Modellregion bereits Ende 2025 Ergebnisse vorweisen können.

Analysen legen den Grundstein

DB Regio führte im Vorfeld eine Zielgruppenanalyse durch und ließ bei der DB-Tochter ioki eine Mobilitätsstudie durchführen, um herauszufinden, welche Reallabor-Typen sich für welchen Standort eignen. Diese zeigte auf, dass aufgrund der sozialen und demografischen Verhältnisse im Saarland manche Standorte mehr von einem Plusbus-Angebot profitieren würden. Bei anderen hingegen wären eine Bikesharing-Station oder ein per App bestellbares ÖPNV-Angebot vorteilhaft. Letzteres könnte an die im Saarland bereits bestehenden On-demand-Projekte anknüpfen. Der folgende Schritt ist dann die Auswahl der Standorte und die Entwicklung der individuellen Mobilitätslösungen.

Dass schon eine einfachere Tarifgestaltung Kunden zum Wechsel auf den ÖPNV bewegen kann, zeigt die Tatsache, dass sich die Zahl der Saarländerinnen und Saarländer mit einem ÖPNV Abo seit der Tarifreform im Jahr 2021 mehr als verdoppelt hat. „97,5 Prozent der saarländischen ÖPNV-Abonnenten verfügen heute über ein Deutschland-Ticket“, betont Petra Berg. Dieses müsse daher auch in den kommenden Jahren verfügbar bleiben. „Denn ein attraktiver ÖPNV ohne Deutschlandticket ist für mich selbst, aber auch für viele nicht mehr vorstellbar,“ so Berg weiter.  (se)

* Richard Oed ist als freier Mitarbeiter für ELEKTRONIKPRAXIS und Next Mobility tätig.

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