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„Platz für zwei Bauern, einen Zentner Kartoffeln und ein Fass Wein“
„Entwerfen Sie ein Auto, das Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fass Wein bietet, mindestens 60 km/h schnell ist und nur drei Liter auf 100 km verbraucht“, waren die Vorgaben an den Citroen-Konstrukteur André Lefèbvre gewesen, der das Projekt dieses geräumigen und sogar geländegängigen Volksautos schon Ende der 1930er Jahren realisiert hatte. Richtig in Fahrt kamen die Fließbänder mit dem 2 CV zwar erst 1949, dafür liefen sie dann 41 Jahre lang. Als 1990 der Abschied nahte, wurde der 2 CV nur noch in Portugal gebaut, auf eine Trauerstunde für das Kultvehikel wollte die Belegschaft aber nicht verzichten.
Auf manchen Exportmärkten wie Deutschland traf der 2 CV – der Typencode steht für „deux chevaux”, zwei fiskalische Pferdestärken – erst Ende der 1950er Jahre ein. Hierzulande kostete der 3,83 Meter kurze Viertürer deutlich mehr als ein VW Käfer, trotzdem fand der kleine Franzose seine Fangemeinde. Vielleicht weil die Ente - diesen Kosenamen verdankt er seiner Kurvenneigung, die an einen watschelnden Gang erinnert – polarisierte wie kein anderes Auto. In den 1960er Jahren entdeckten Jugend und Studenten das Primitivauto und feierten darin den „Summer of Love“.
Und welches Auto hätte sich ab 1968 besser zum Protest gegen Protz und Chrom geeignet? Sogar Ökoaktivisten fühlten sich im 2 CV wohl, der erst 1974 nach der Ölkrise sein bestes Verkaufsjahr erlebte und in den 1980ern zwar ohne Katalysator, aber immerhin bleifrei fuhr. Schließlich verkörperte der 2 CV eine besondere Form des französischen savoir-vivre, der auch Roger Moore als James Bond nicht widerstehen konnte. Im Film „In Tödlicher Mission“ trickste er in einer knallgelben Ente alle Verfolger aus.
Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft, beim Deux Chevaux trugen die härtesten Rivalen jedoch die Gene der Ente. Etwa der bereits erwähnte Citroen Ami 6, der vorübergehend Frankreichs meistgekauftes Auto wurde. Mit diesem „kleinen Freund“ wollte Citroen die gigantische Lücke zwischen 2 CV und dem Flaggschiff DS füllen. Was dem Ami mit seinem schrillen Cocktail aus schrägem Design und der Technik des 2 CV gelang. Allerdings hatte der luftgekühlte 21-PS-Zweizylinder-Boxer gegen die stärkere europäische Kompaktklasse einen schweren Stand, weswegen der Ami im Exportgeschäft weniger brillierte.
Auch die Weiterentwicklung zum Ami 8 mit Vierzylindern und Fastback konnte den Erfolg des 2 CV nicht wiederholen. Gleiches gilt für die 1967 lancierte Dyane, die das Design des puristischen 2 CV in elegantere Couture verpackte, mehr als eine Million Käufer überzeugte, aber vom Original überlebt wurde. Sogar der schicke City-Flitzer Citroen LN hatte in den 1970er Jahren keine Chance, den 2 CV abzulösen und auch ein kleiner Fünftürer namens Visa war in den 1980ern kurzlebiger als sein betagter Zweizylinderspender, der derweil als 2 CV Charleston den Modetrend des Retrodesigns initiierte.
Ein neues „Auto für alle“ im Sinne des Unternehmensgründers André Citroen wurde nach dem 2 CV erst wieder der 1986 enthüllte Citroen AX. Mit diesem extravaganten Dreieinhalb-Meter-Modell präsentierte Citroen einen Superstar, der in einer spektakulären Werbekampagne die chinesische Mauer erklomm und als Straße zum Erfolg nutzte. Mit insgesamt rund 2,6 Millionen Einheiten avancierte der AX zum meistgebauten Citroen aller Zeiten - nach dem 2 CV. Dessen unverwechselbaren und unvergessenen Charakter konnte bisher niemand neu interpretieren. Was den stacheligen C4 Cactus nicht abhält, jetzt einen neuen Anlauf zu nehmen.
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